D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

- keine -

Jobs für junge Leute

Fortschritt in Bangladesch

von Jinnat Ara, Syed Abdul Hamid
Kein Akteur kann das Problem der Jugendarbeitslosigkeit allein lösen. Um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, müssen Regierung, Zivilgesellschaft und der private Sektor an einem Strang ziehen. Solides Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren hat die Situation in Bangladesch verbessert, aber es bleibt viel zu tun. Besonders junge Frauen verdienen mehr Chancen. [ Von Jinnat Ara und Syed Abdul Hamid ]

Trotz eines deutlichen Wirtschaftswachstums ist die Beschäftigungsrate in Bangladesch über zwei Jahrzehnte hinweg nur langsam gewachsen (jährlich um 1,6 Prozent). Laut dem vom Planungsministerium 2008 veröffentlichten Labour Force Survey arbeiten 48 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 37 Prozent. Nur 14 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie.

Beunruhigende Statistik

Dem Survey zufolge ist ein Viertel der Bevölkerung Bangladeschs zwischen 15 und 29 Jahre alt. Von 85 Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter sind 41 Prozent junge Leute. Rund 1,5 Millionen junge Bangladeschis sind als Arbeitslose eingestuft, und 8,5 Millionen arbeiten in Jobs unter ihrem Ausbildungsniveau.

Die allgemeine Arbeitslosenquote ist mit 4,25 Prozent niedrig, aber die offizielle Quote für Jugendarbeitslosigkeit liegt fast doppelt so hoch (8,1 Prozent). Fast elf Prozent der jungen Frauen gelten als arbeitslos. Die entsprechende Quote für junge Männer liegt bei 7,2. Junge Städter sind stärker betroffen (8,3 Prozent) als die Landjugend (7,9 Prozent). Allerdings sind ein Drittel der jungen Leute, die „Arbeit haben“, unbezahlt in der Familienlandwirtschaft oder sonstigen Familienbetrieben tätig. Mehr als ein Viertel sind selbständig; nur 15 Prozent werden regulär bezahlt.

Diese Zahlen rechnen leider ein viel größeres soziales Problem schön. Der Labour Force Survey definiert nämlich „junge Arbeitskräfte“, die Berechnungsgrundlage für die Jugendarbeitslosigkeitsquote, als junge Leute mit Arbeit plus Arbeitssuchende. Also wird fast die Hälfte der jungen Generation (48 Prozent) gar nicht gezählt – von ihnen helfen 58 Prozent im Haushalt mit, und 37 Prozent besuchen Schulen und Hochschulen. Drei Viertel der Menschen, die der Labour Force Survey übersieht, sind Frauen.

Jährlich verschärfen rund 50 000 auf den Arbeitsmarkt strömende Universitätsabsolventen das Problem. Sie haben Schwierigkeiten, gute Jobs zu finden. Die Frustration hat zu politisch motivierten Protesten und Gewalt an den Hochschulen geführt. Beschäftigung unter Bildungsniveau ist weit verbreitet. Laut Regierungszahlen kann ein Viertel der berufstätigen Bevölkerung Bangladeschs seine Qualifikationen nicht voll nutzen.

Was Regierung und Zivilgesellschaft tun

Bangladesch wurde Ende 1971 unabhängig. Von Anfang an war klar, wie wichtig die Schaffung von Arbeitsplätzen für die junge Generation ist. 1978 entstand ein Ministerium zur Förderung der Jugend, das heutige Ministerium für Jugend und Sport. Seine Aufgabe ist es, jungen Menschen zu ermöglichen, an der nationalen Entwicklung teilzuhaben und zu dieser beizutragen. Die Abteilung zur Förderung der Jugend (DYD) bietet zahlreiche Ausbildungs- und Kreditprogramme, die in die Selbständigkeit führen sollen.

Unter anderem wird in folgenden Bereichen ausgebildet:
– Tierhaltung, Geflügel- und Fischzucht,
– Elektrotechnik,
– Stenotypie und Sekretariatsaufgaben,
– traditionelle Handarbeiten wie Batikdruck oder Schneidern und
– Mobilfunk.

Laut DYD-Internetseite wurden bis März 2008 rund 2,9 Millionen junge Menschen ausgebildet, 56 Prozent von ihnen sind heute selbständig. Kritiker sagen jedoch, dass diese Programme weder up to date sind, noch den Marktbedürfnissen entsprechen. Anders gesagt: Sie bereiten die jungen Leute nicht ausreichend darauf vor, eine Arbeit zu finden, sei es in Bangladesch oder im Ausland.

Über solche direkten Interventionen hinaus soll die Regierungspolitik wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, damit der private Sektor mehr Arbeitsplätze schafft (nicht nur für junge Leute). Bisher sind die Ergebnisse unzureichend. Angesichts der andauernden Herausforderungen versuchen auch nichtstaatliche Organisationen den Leuten zu helfen, Einkommen zu erwerben.

Hunderte von unabhängigen Organisationen und Mikrofinanzinstitutionen (MFI) sind im Land aktiv. Einige MFIs mit der Zielgruppe Frauen sind weltberühmt geworden, insbesondere die Grameen Bank. Natürlich haben Mikrokreditprogramme auch positive Auswirkungen auf die Jugendbeschäftigung. In Bangladesch gibt es 30 Millionen Mitglieder von Mikrokreditgruppen, und etwa die Hälfte von ihnen sind junge Leute.

Aber nur wenige NROs und MFIs bieten Programme an, die speziell auf die junge Generation abzielen. Führend auf diesem Gebiet ist BRAC mit der Leitidee, die Ausbildung auf die Arbeitsmarktnachfrage auszurichten (siehe Kasten).

Da Arbeitslosigkeit und Beschäftigung unter Qualifikationsniveau vor allem unter jungen Frauen verbreitet ist, erhalten sie besondere Beachtung. Zwar verursachen frustrierte junge Männer tendenziell mehr Probleme als junge Frauen, aber das Einkommen junger Frauen kommt eher dem Wohl der Familien und Gemeinschaften zugute. Aus Gründen der Gerechtigkeit und einer gesunden Sozialstruktur ist es mindestens genauso wichtig, Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen wie für Männer.

Der Weg vorwärts

Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lässt sich nicht über Nacht lösen. Bisher hängt die Jugendbeschäftigung in Bangladesch – wie die Beschäftigung generell – vor allem von der Landwirtschaft ab. Das Agrarwachstum erreicht aber mittlerweile seine Grenzen. Damit Schulabgänger hier noch Chancen haben, brauchen sie eine Berufsausbildung in Dingen wie Gartenbau, Fischzucht oder Lederverarbeitung. Das hat eine Studie im Auftrag der internationalen, nichtstaatlichen Initiative Education Development Center ergeben.

Die Industrie wächst in Bangladesch – aber nur langsam. Engpässe sind die Versorgung mit Elektrizität und Gas. Zudem stagnieren nach zwei Jahrzehnten schneller Expansion die Geschäfte der Textilindustrie. Dennoch finden hier sehr viele junge Leute Arbeit, besonders junge Frauen.

Die besten Chancen auf mehr Jobs für junge Leute bestehen im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT). Er sollte eine große Zahl von Hochschulabsolventen in der Software-Produktion und verwandten Dienstleistungen aufnehmen können. Dhaka scheint auf Kurs, in diesem Sektor zu indischen Metropolen aufzuschließen. Andererseits können junge Leute auf dem Land Internetdienstleistungen anbieten, wo die Nachfrage ebenfalls steigt. Der Bereich ITC ist in Bangladesch dank des Wettbewerbs verschiedener Mobilfunkanbieter schnell gewachsen.

Auch erneuerbare Energie – vor allem Solarenergie – hat Beschäftigungspotenzial. Bangladesch hat viel Sonne, und das Stromnetz deckt nicht die ganze Nation ab. Daher sind erneuerbare Energiequellen vielversprechend. Hier könnten viele junge Leute mit passender Ausbildung und Motivation Arbeitsplätze finden.

Die Geschichte unseres Landes ist von Auswanderung geprägt. Es gibt eine Nachfrage nach ausgebildeten und teilausgebildeten Arbeitskräften in den Golfstaaten und in Südostasien. Migranten ohne gute Ausbildung werden allerdings oft als Schwarzarbeiter grausam ausgebeutet.
Um die Chancen der Migranten zu verbessern, muss Bangladeschs Regierung das Bildungssystem reformieren. Bisher legt der Schwerpunkt auf Allgemeinbildung. Das führt dazu, dass jedes Jahr Tausende Schulen und Hochschulen verlassen, aber die Mehrheit für die anspruchsvollen Jobs, die im Land oder im Ausland zu vergeben sind, nicht qualifiziert ist. Die kurzfristige Lösung ist ergänzende Fortbildung, damit die jungen Leute den Anforderungen gerecht werden können. Letztlich aber muss die Regierung mehr Geld in die Ausweitung der technischen Ausbildung und deren Qualitätsverbesserung investieren.