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Fundamentalistische Gewalt

Ohne geistlichen Segen

von Agnes Abuom

Meinung

Ende September haben islamistische Terroristen ein Einkaufszentrum in Nairobi angegeriffen. Der hinterhältige Anschlag schockierte die Welt. Kenianer sind traumatisiert, reagierten aber mit dem Slogan "we are one". Von Agnes Abuom

Die kenianische Nation is tief verletzt und vom Terroranschlag auf die Westgate Mall erschüttert. Die Angehörigen der Menschen, die ermordert wurden, trauern. Mindestens 69 Menschen starben. Die Trümmer sind drei Wochen später noch nicht völlig beseitigt, und es können immer noch Opfer gefunden werden.

Menschen stehen unter Schock, weil sie Personen verloren haben, die sie liebten, weil sie selbst verletzt wurden oder weil sie sahen, wie ihre Freunde und Angehörigen verwundet oder getötet wurden oder wie grausame Gewalt an unschuldigen Opfern, einschließlich Kindern und Frauen, verübt wurde. Obwohl die Regierung verspricht, die Täter zu finden und zu bestrafen, haben die Ereignisse in Kenia ein Gefühl von Unsicherheit verstärkt.


Die Terroristen berufen sich auf den Islam, aber muslimische Geistliche haben das komplett zurückgewiesen. Seit den 1990er Jahren haben Extremisten in Afrika Gewalttaten mit islamistischem Fundamentalismus begründet. Beispiele sind Al Kaida im Islamischen Maghreb oder Boko Haram. Al Shabab tut das in Somalia und Kenia ebenfalls. Allerdings haben sich Führungspersönlichkeiten aller Religionen zusammen getan, um Frieden zu predigen. Sie haben die Angehörigen ihrer Glaubensrichtungen aufgefordert, ihrem Beispiel zu folgen.  Am 1. Oktober gab es im Kenya International Convention Centre in Nairobi gemeinsame Gebete für die Anschlagsopfer.


Eine weitere Reaktion auf den Westgate-Anschlag war der Slogan "We are one". Er ist in Kenia jetzt sehr beliebt, und bislang wird die somalische Minderheit nicht davon ausgenommen. Al Shabab stammt aus Somalia und bezichtigt sich selbst der Attacke. Allerdings blieb während der Attacke die Identität der Terroristen unklar. Außerdem ist in Kenia bekannt, dass Al Shabab ein internationales Netzwerk mit Mitgliedern auf der ganzen Welt ist. Drei Wochen nach dem Angriff waren allerdings frühe Meldungen noch nicht bestätigt, denen zufolge eine britische Frau und zwei oder drei US-Bürger zu den Tätern gehörten.

Nach Gewaltausbrüchen hat es in Kenia immer wieder Verdächtigungen und Hass zwischen verschiedenen ethnischen Gemeinschaften gegeben. Diesmal war das nicht so. Es war gut, dass viele Publizisten, Politiker und religiöse Führungspersönlichkeiten somalischer Abstammung den feigen Anschlag öffentlich verurteilten.
Die staatlichen Institutionen haben auf lobenswerte Weise reagiert. Polizisten und Soldaten eilten herbei und setzten ihr Leben aufs Spiel, um hunderte ziviler Geiseln zu retten. Photos zeigen  Sicherheitskräfte, die – ob in Uniform oder ziviler Kleidung – ihr Bestes tun, um die Situation in den Griff zu bekommen. Sechs Polizisten und Soldaten mussten den Einsatz mit ihrem Leben bezahlen.

Es verstört indessen, dass manche ihrer Kollegen wohl auch Wertsachen aus dem Shopping Centre mitgehen ließen und dass wir selbst drei Wochen nach dem Anschlag kein klares Bild davon haben, was genau passiert ist. Einige Attentäter ließ man wohlmöglich entkommen. Die Regierung tut sich schwer damit, einen schlüssigen und detailierten Bericht der Ereignisse zu liefern.

Dass Kenia im Oktober 2011 entschied, Truppen nach Somalia zu schicken, ist vermutlich der Hintergrund des Anschlags. Die Intervention war damals im Prinzip Selbstverteidigung, weil die Regierung wichtige Wirtschaftszweige wie den Tourismus und die Schiffahrt gefährdet sah. Kenianische Soldaten sollten Al Shabab jagen und vernichten – und seither droht diese islamistische Organisation mit massiver und blutiger Vergeltung. Vor Westgate gab es schon eine Serie von fundamentalistischen Angriffen. Die Westgate-Ereignisse haben Kenia als Nation aber eher geeint als gespalten.


Agnes Abuom leitet die Entwicklungsberatungsgesellschaft TAABCO in Nairobi und ist eine ehemalige Afrikapräsidentin des World Council of Churches. [email protected]