D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Minderheiten

‚Entschuldigung‘ sagen reicht nicht

von Javier Cisterna Figueroa

Heutzutage

„Als Land haben wir versagt. Als Präsidentin der Republik Chile möchte ich feierlich und demütig das Volk der Mapuche um Vergebung bitten – für die Irrtümer und Verbrechen, die der Staat gegen Sie begangen oder toleriert hat.”

Dies waren die Worte von Chiles Präsidentin Michelle Bachelet, als sie den sogenannten „Plan Araucanía“ im Juni vorstellte. Ihre Rede war keine Überraschung. Die Beziehungen zwischen dem Staat und den verschiedenen indigenen Völkern von Chile, darunter dem größten Volk, den Mapuche, sind komplex und schwierig.

Die meisten indigenen Gemeinschaften sind arm und diskriminiert. Aber viele gewaltsame Zusammenstöße haben den Süden des Landes seit langem beschäftigt. Es gibt Straßensperren, Landbesetzungen, Gebäude wurden angezündet und es gab sogar tödliche Konfrontationen mit der Polizei. Diese Dinge kamen regelmäßig in den letzten 20 Jahren vor, meist in Regionen wie Biobío und Araucanía, etwa 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago.

Mapuche-Widerstandsgruppen spielen hier eine tragende Rolle. Sie kämpfen für ihr angestammtes Land, das im 19. Jahrhundert von spanischen Kolonisatoren besetzt wurde. Dasselbe Land beanspruchte später der unabhängige Staat Chile, der die Politik des Landraubs und Vernichtung fortführte.

Mapuche-Aktivisten fordern, dass die Holzfirmen die Gegend verlassen. Ihre riesigen Plantagen mit exotischen Bäumen haben Chile international als holzproduzierendes Land bekannt gemacht. Das führt jedoch zu einer fortlaufenden Degradierung der Böden. Präsidentin Bachelet veranlasste in der letzten Zeit eine Reihe von Maßnahmen, die das Leben der Mapuche verbessern sollen, vor allem den Plan Araucanía. Seine drei Säulen sind: Schutz und Hilfe für Opfer von Gewalt, Entwicklung und Anerkennung der indigenen Völker.

Mapuche-Autor Pedro Cayuqueo sagt, dies sei viel zu wenig: „All das sind Dinge, die seit 25 Jahren überfällig waren. Dies jetzt als eine große Neuigkeit zu verkaufen, um damit den Konflikt zwischen dem Staat und dem Volk der Mapuche zu lösen, zeigt fehlenden Respekt.”

Chiles Magna Charta, die während der Diktatur von Augusto Pinochet geschrieben und in der Demokratie revalidiert wurde, erkennt die indigenen Völker nicht als Nationen an. Große ethnische Communities sind die Aymara im Norden, die Mapuche in Zentralchile und im Süden und die Rapa Nui der Osterinsel.

Was bedeutet die Bitte um Vergebung der Präsidentin für die Indigenen? Manuel Maribur von der Mapuche-Gemeinschaft „Lorenzo Huaiquivil“ sagt, es bedeute nichts, solange nicht auch Reparationszahlungen geleistet würden. „Es ist leicht, um Verzeihung zu bitten, aber wir brauchen konkrete Maßnahmen“, meint Maribur. „Wir wollen unser angestammtes Land zurück und wir verlangen Autonomie.“


Javier Cisterna Figueroa ist Journalist und lebt in Concepción, Chile.
[email protected]


Links
Mapuche International Link:
http://www.mapuche-nation.org/english/frontpage.htm
Plan Araucanía (in Spanisch):
http://www.gob.cl/revisa-los-puntos-destacados-del-plan-araucania-propuesto-la-presidenta-bachelet/

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren