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Unsere Sicht

Transformation ist unverzichtbar

von Sabine Balk

Meinung

Eine ostafrikanische Bäuerin sortiert Maiskörner aus.

Eine ostafrikanische Bäuerin sortiert Maiskörner aus.

Wir brauchen eine grundlegend andere Landwirtschaft. Die Branche ist laut Weltagrarbericht für bis zu 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die größten Klimasünden sind die Rodung von Wäldern, die Umwandlung von Grün- in Ackerland sowie der Ausstoß von Stickstoff und Methan wegen Mineraldüngung und Rinderhaltung. Außerdem beschleunigen Umweltzerstörung für landwirtschaftliche Flächen und der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln das weltweite Artensterben.

Die Landwirtschaft ist aber nicht nur Treiber der Klimakrise, sondern sie leidet auch enorm darunter. Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme nehmen zu. Die Bauern – vor allem in Entwicklungsländern – müssen bisherige Anbaumethoden, Sorten und Praktiken überdenken. Innovationen und Digitalisierung bieten neue Chancen, wobei traditionelles Bauernwissen eine wichtige Ausgangsbasis bildet. Für Kleinbauern in Entwicklungsländern sind aber neues Wissen, kompetenter Rat und Finanzierungsmöglichkeiten für Innovationen kaum verfügbar. Weder die Infrastruktur noch die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

Neben der Klimafrage ist die große Herausforderung der Zukunft: Wie kann die weiter rasant wachsende Weltbevölkerung ernährt werden? Laut dem Welthunger-Index, den die Nichtregierungsorganisationen Welthungerhilfe und Concern Worldwide kürzlich veröffentlicht haben, steigt die Zahl der Hungernden seit drei Jahren wieder und beträgt über 820 Millionen.

Dennoch gäbe es eigentlich ausreichend Lebensmittel für die 7,6 Milliarden Menschen. Doch die Verteilung ist das Problem. In Bürgerkriegsländern ist die Lage besonders schlimm. Aber auch viele friedliche Länder Afrikas schaffen es nicht, selbst genügend Lebensmittel für ihre Bevölkerung zu produzieren. Ernteverluste wegen Extremwetterlagen tragen zum Problem bei. Importe können sich viele Menschen aber nicht leisten. Nahrungsmittelhilfe der Geber erreicht nicht alle und ist keine Dauerlösung. Währenddessen landen in den westlichen Ländern täglich Tonnen von Lebensmitteln im Müll. Nachernteverluste vor allem bei Weizen und Reis gibt es aber leider auch in großem Maß in armen Ländern. Der Grund ist meist die unzureichende Lagerung: zu viel Feuchte und Wärme führen zu Schimmel- und Schädlingsbefall.

Die Industrieländer verfügen über das Geld, das Knowhow und andere Voraussetzungen, um den Agrarwandel zur Klimaneutralität zu schaffen. Bisher fehlt jedoch der politische Wille. Mächtige Interessengruppen leisten Widerstand. Viele Entwicklungsländer stehen vor ganz anderen, größeren Problemen. Hier mangelt es an allen Ecken und Enden – vom Geld für Investitionen und dem Wissen um nachhaltigen und produktiveren Landbau bis hin zur Infrastruktur und Logistik für Transport der Lebensmittel.

Wichtig ist neben ökologisch nachhaltiger und möglichst produktiver Landwirtschaft die Entwicklung von kleineren und mittleren Städten im ländlichen Raum. Dort könnten nahe der Felder Zentren zur Verarbeitung von Agrarerzeugnissen entstehen, also Beschäftigungsmöglichkeiten. Das würde die Landflucht eindämmen und den Druck auf die Megacitys mindern.

Es handelt sich um sehr komplexe Herausforderungen. Die Probleme sind global und erfordern globale Lösungen. Die reiche Welt darf die Entwicklungsländer damit nicht allein lassen, sonst ist neben dem Klima auch die Ernährung der Weltbevölkerung in großer Gefahr.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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