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Sport

„Mit vereinten Kräften“

von Robertson Fiori, Sérgio Costa

Meinung

This is what Salvador’s football stadium is expected to look like in 2014.

This is what Salvador’s football stadium is expected to look like in 2014.

Das Host-City-Programm unterstützt brasilianische Städte, die Austragungsorte der Fußballwelt­meisterschaft 2014 sind, indem es Wissensaustausch mit dem ehemaligen WM-Gastland Deutschland ermöglicht. Zwei Mitarbeiter des ECOPA-Teams in Salvador da Bahia, das die dortigen WM-Vorbereitungen koordiniert, erklären im ­Interview, was ihrem Team an dieser Partnerschaft wichtig ist. Interview mit Robertson Fiori und Sérgio Costa
„Deutschland organisiert häufig Großveranstaltungen. Wir möchten aus seinen Erfolgen und Fehlern lernen.“

Salvador da Bahia wird 2014 ein Austragungsort der Fußballwelt­meisterschaft der Herren sein. Sehen Sie das eher als Chance oder als Belastung?
Salvador wurde zusammen mit elf weiteren Städten ausgewählt. Ein Grund dafür ist, dass Salvador touristisch sehr attraktiv ist. Wir haben in den Bereichen Kultur, Gastronomie, Musik und Natur  viel zu bieten. Zudem hat die Stadt großes unternehmerisches Potenzial. Beides wird dazu beitragen, dass wir die Chancen, die dieses Mega-Event für die Stadt eröffnet, gut ausschöpfen können.

Der Weltfußballverband (FIFA) stellt hohe Ansprüche an Städte, in denen Spiele stattfinden. Welche Anforderungen müssen Sie erfüllen?
Die vertraglichen Verpflichtungen aus dem Ausschreibungstext der FIFA beziehen sich auf viele Bereiche – von Infrastruktur bis Gesundheit und Sicherheit. Um diese Erwartungen erfüllen zu können, sind wir auf das Engagement vieler unterschiedlicher Akteure angewiesen. Private, öffentliche und zivilgesellschaftliche Gruppen und Institutionen müssen mit anpacken.

Wie können Sie all diese Gruppen koordinieren?
Es gibt Absprachen und eine gemeinsame Planung, die helfen soll, dass die Aktionen sowohl den Anforderungen der FIFA entsprechen als auch den Wünschen und Bedürfnissen der Stadt Salvador.

Das ist keine einfache Aufgabe. Was für Maßnahmen haben Sie ins Auge gefasst?
Die Stadt hat große Investitionen in Infrastruktur geplant: in den Straßenverkehr, den Flughafen und den Hafen, in den Um- und Ausbau des Stadions und seiner Umgebung, sowie allgemein in Stadtplanung und -erneuerung. Zudem ist ein Ausbau der Informationstechnologie geplant, es soll Fortbildungen im Dienstleistungsbereich geben, und auch soziale Inklusion soll finanziell gefördert werden. Die Gelder dafür stellen zum Teil Bund, Länder und Kommunen bereit. Zudem versuchen wir Mittel vom Privatsektor zu mobilisieren. Dies kann entweder über Public-Private-Partnerships (PPP) geschehen oder über rein private Geldgeber, die dann von der öffentlichen Verwaltung bei Schulungen und Inklu­sionsmaßnahmen unterstützt werden.

Was ist die größte Herausforderung für die Stadt?
Die schwierigste Aufgabe ist sicherlich die urbane Mobilität. Die Stadt Salvador ist mit großer Geschwindigkeit gewachsen, was jedoch nicht von entsprechenden Investi­tionen in Verkehr und Straßenbau begleitet wurde. Nicht nur die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen ist gestiegen. Auch die Bebauung wird immer dichter und die Bewohnerzahlen steigen rasant. Der städtische Nahverkehr konnte mit dieser Entwicklung nicht mithalten, so dass ernsthafte Engpässe entstanden sind. Vor der Weltmeisterschaft wird nun von uns erwartet, dass wir diese Engpässe beheben und dringend nötige Baumaßnahmen ergreifen. Das heißt aber nicht, dass das Problem dann endgültig gelöst ist.

Wie ist die Stadt auf das Host-City-Programm von ENGAGEMENT GLOBAL und GIZ aufmerksam geworden?
Die Mitarbeiter der Servicestelle für Kommunen in der Einen Welt von ENGAGEMENT GLOBAL und der GIZ Brasilien sind auf uns zugekommen. Wir waren überzeugt, dass eine Partnerschaft und ein Wissensaustausch mit Deutschland für die Stadt Salvador von Nutzen sein können. Schließlich hat Deutschland bereits eine Weltmeisterschaft im eigenen Land organisiert, die erfolgreich verlaufen ist.

Deutschland war Gastland der Fußballweltmeisterschaft 2006. Was denken Sie, können Sie von den deutschen Erfahrungen lernen?
Deutschland organisiert häufig Großveranstaltungen. Wir möchten aus seinen Erfolgen und Fehlern lernen. Wir hoffen, dass sie weiter ihr Wissen über erfolgreiche Methoden bei der Organisation von Megaevents und vor allem der FIFA-Weltmeisterschaft mit uns teilen.

Welche Aktivitäten haben in Salvador bereits stattgefunden?
Als erstes haben wir zusammen mit ­­ENGAGEMENT GLOBAL und GIZ den Workshop „Tourismus, Marketing und FIFA Weltmeisterschaft 2014 in Salvador – Erfahrungsaustausch mit Deutschland“ durchgeführt. Drei WM-Experten aus Kaiserslautern und München haben in Salvador an Workshops mit unserem WM-Organisa­tions­team teilgenommen. Zudem haben sie eine Veranstaltung zum fachlichen Austausch durchgeführt.


Was erwarten Sie in Zukunft von dem Programm?
Wir hoffen einen Vertrag über technische Zusammenarbeit mit der Regierung des Bundesstaats Bahia, ENGAGEMENT GLOBAL und GIZ schließen zu können. Ziel ist, einen genauen Arbeitsplan mit Austauschveranstaltungen und technischen Einsätzen zu erstellen, so dass wir möglichst viel über die WM-Vorbereitungen 2006 erfahren können, sowie über die Erfahrungen, die ENGAGEMENT GLOBAL und GIZ während der WM in Südafrika 2010 gesammelt haben.


Das Host-City-Programm basiert auf der Idee, dass die Organisation einer Weltmeisterschaft eine Entwicklungschance für den Aus­tragungsort sein kann. Was muss passieren, damit dies auch für Ihre Stadt gilt?
Die Stadtverwaltung von Salvador hat sich zum Ziel gesetzt, dass die WM der Stadt wichtiges physisches, soziales und institutionelles Erbe hinterlassen soll. Wir sehen in der WM eine einzig­artige Gelegenheit, bedeutende Investitionen vor allem in Infrastruktur zu tätigen, die Arbeitsplätze und Einkommen schaffen und so die Lebensqualität der Bewohner verbessern. Wenn alle Beteiligten, die nationalen wie die internationalen, mit vereinten Kräften daran arbeiten, werden wir dieses Ziel erreichen können.