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von Katja Dombrowski

Meinung

Kenianische Teepflückerin telefoniert bei der Arbeit.

Kenianische Teepflückerin telefoniert bei der Arbeit.

In der digitalen Welt von heute bestellen kenianische Bauern ihr Saatgut übers Smartphone, und indische Dorfkinder lernen Mathe mit Hilfe von Laptops. Intelligente Maschinen nehmen uns die Arbeit ab. Häuser, Arbeitsplätze, Autos und Städte werden immer smarter. Doch die neue digitale Welt hängt die am meisten benachteiligten Menschen weiter ab. Fehlender Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien führt zu wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Benachteiligung – innerhalb einzelner und zwischen verschiedenen Ländern. Das ist die „digitale Kluft“.

In einer Handvoll entwickelter Staaten ist die vierte industrielle Revolution, auch als „Industrie 4.0“ bekannt, bereits im Gange. Sie ist gekennzeichnet durch das Internet der Dinge, in dem Maschinen und Systeme miteinander kommunizieren und Fertigungsprozesse und Handelsketten softwaregesteuert sind. Gleichzeitig arbeiten viele andere Länder noch daran, Zugang zu moderner Technologie für alle bereitzustellen und öffentliche Dienstleistungen auf Computer umzustellen.

Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche, von der industriellen Produktion über die Energieversorgung und das Transportwesen bis hin zu Bildung und Gesundheit. In der Regel werden Technologien und Anwendungen in Industrieländern entwickelt. Diese sollten aber nicht die alleinigen Nutznießer sein. Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sorgen für die weltweite Verbreitung von Informationen und Technologien, und das gehört auch zu den Aufgaben der Entwicklungshilfe. Ziel muss eine nachhaltige und inklusive Nutzung sein. Bildung bezogen auf den Umgang mit Computern und anderer Technik ist ebenfalls wichtig.

Meistens hinken unterentwickelte Länder hinterher. Es gibt aber auch Ausnahmen. So sind zum Beispiel in Kenia und auf den Philippinen sogenannte Innovationszentren entstanden – von Indien und China ganz zu schweigen. Solche Zentren bieten große Chancen für Unternehmer, Forscher und Programmierer und kurbeln die Wirtschaft an. Zudem führen Innovationen dazu, dass Entwicklungsländer bestimmte Technologien überspringen. Manch eine ehemalige digitale Wüste hat sich von jetzt auf gleich ins Informationszeitalter katapultiert. Die Festnetztelefonie ist zum Beispiel nie in den ärmeren Ecken der Welt angekommen. Das gilt sogar für die Hauptstädte mancher Entwicklungsländer. Mobilfunknetze dagegen dringen auch noch in die abgelegensten Dörfer vor – und verbinden sie mit dem Internet. Die Infrastruktur ist schnell, einfach und billig aufgebaut. Selbst wer keinen Stromanschluss hat, kann ein Mobiltelefon nutzen. Das Aufladen geschieht eben woanders.

Das vergleichsweise arme Laos hat 2012 den 4G-Mobilfunkstandard eingeführt, während es im deutlich reicheren und besser entwickelten Nachbarland Thailand bis 2015 dauerte. Und Südkorea ist heute weltweit führend bei der Digitalisierung von Behörden und Verwaltung. Das soll nicht heißen, dass alle Menschen überall die gleichen Möglichkeiten haben. Aber die Beispiele machen deutlich, dass Entwicklung heute weniger linear verläuft als früher und dass die größte Innovation nicht immer dort entsteht, wo man sie erwartet.

Die weltweite Digitalisierung macht das Leben komplexer. Sie verändert Kultur und Kommunikation, wirft Sicherheitsfragen und moralische Zweifel auf. Diejenigen, die sowieso schon marginalisiert sind, werden noch weiter ausgeschlossen. Aufzuhalten ist die Digitalisierung nicht. Umso wichtiger ist es, jeden mitzunehmen.


Katja Dombrowski ist Redakteurin bei E+Z Entwick­­lung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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