Entwicklung und
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Menschenrechte

Hinter Gittern: Im Inneren von El Salvadors Gefängnissen

Donald Trump ist ein offener Bewunderer von El Salvadors modernen Hochsicherheitsgefängnissen. Doch in den meisten Gefängnissen des Landes sind die Zustände schrecklich, und die Todesfälle unter Insassen steigen.
Ein Wärter steht vor einer Gefängniszelle im Hochsicherheitsgefängnis CECOT in Tecolotzco, El Salvador. picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Salvador Melendez
Ein Wärter steht vor einer Gefängniszelle im Hochsicherheitsgefängnis CECOT in Tecolotzco, El Salvador.

„Sie leisten Unglaubliches für Ihr Land“, sagte US-Präsident Donald Trump Mitte April 2025 zum salvadorianischen Staatschef Nayib Bukele, als er diesen im Oval Office empfing. „Wir schätzen die Zusammenarbeit mit Ihnen, weil Sie die Kriminalität bekämpfen wollen, genau wie wir.“ 
Seitdem hat die berühmt-berüchtigte Zusammenarbeit beider Länder weltweit Schlagzeilen gemacht: El Salvador stimmte zu, eine Gruppe von 200 Venezolaner*innen ohne Beweise in einem seiner Hochsicherheitsgefängnisse zu inhaftieren. Im Gegenzug erhielt es 6 Millionen Dollar von den USA. 

Die Trump-Regierung wirft den Migrant*innen aus Venezuela vor, Mitglieder der kriminellen Gang „Tren de Aragua“ zu sein – dabei sind nur wenige von ihnen wegen eines Verbrechens verurteilt worden. Die Bilder des CECOT, El Salvadors sogenanntem „Zentrum zur Zwangsunterbringung von Terrorismus“, gingen daraufhin um die Welt. US-Homeland-Security-Secretary Kristi Noem ließ sich sogar persönlich vor Inhaftierten ablichten.

„Wir sind sehr gerne bereit zu helfen. Wir alle wissen, dass Sie ein Problem mit Kriminalität und Terrorismus haben, bei dem Sie Hilfe benötigen“, antwortete Bukele sofort, sichtlich geschmeichelt von Trumps Worten. Bukele wusste, dass er nicht nur im Fokus der Weltöffentlichkeit stand. Mit seinen Maßnahmen zur „Bekämpfung der Kriminalität“ konnte er auch Donald Trump als Verbündeten gewinnen.

Das Hochsicherheitsgefängnis CECOT

Das CECOT war schon vor Trumps Amtszeit eines der wichtigsten Symbole der Sicherheitsstrategie Nayib Bukeles. Das moderne Mega-Gefängnis wurde in Rekordzeit gebaut und bietet Platz für 40.000 Menschen. Die Regierung verkaufte es international als Vorbild und weckte das Interesse von Politiker*innen anderer lateinamerikanischer Länder, die ebenfalls mit hoher Kriminalität zu kämpfen haben. Die Regierung zog sogar die Aufmerksamkeit einiger Influencer*innen auf sich und öffnete diesen großzügig die Türen zum CECOT. Sie filmten von hier, als handele es sich um Gefängnisbesichtigungen. Videos der kahlgeschorenen Gefangenen, alles vermeintliche Gangmitglieder, wurden Teil des Regierungsmarketings.

Dabei gibt das CECOT bei Weitem keinen realistischen Einblick, was wirklich in den Gefängnissen von El Salvador geschieht. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate rief die Regierung im März 2022 einen Ausnahmezustand aus, nach einem besonders gewalttätigen Wochenende, an dem mindestens 87 Menschen ermordet wurden. Seitdem wurden etwa 85.000 Menschen meist ohne Beweise für die ihnen vorgeworfenen Straftaten inhaftiert. Das hat zwar zu einem Rückgang der Gewalt auf den Straßen geführt, es hat aber auch die Grundrechte der Bürger eingeschränkt. 

Nayib Bukele rühmt sich damit, dass El Salvador eines der „sichersten Länder der westlichen Hemisphäre“ geworden sei. Doch die Liste der Menschenrechtsverletzungen seiner Regierung ist lang. Sie hat nicht nur Folter in salvadorianischen Gefängnissen gebilligt, sie hat auch dazu beigetragen, dass Hunderte von Menschen verschwunden sind. Vermutlich wurden sie festgenommen – ohne Beweise für die ihnen vorgeworfenen Taten, ohne Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zu ihren Angehörigen.

Todesfälle in Gefängnissen

„Ich wüsste nicht, wie es ihm geht, wenn ich es nicht in den sozialen Netzwerken gesehen hätte“, erzählt mir eine Mutter. Ihr Sohn wurde nach der Einführung des Ausnahmezustands festgenommen, seitdem hatte sie nichts mehr gehört – bis sie eines Tages auf Facebook Bilder ihres Sohnes sah, der in einem Krankenhaus medizinisch versorgt wurde. Solche Geschichten sind in El Salvador heute keine Seltenheit mehr.

Seitdem der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, wurden salvadorianische Gefängnisse auch als Folterzentren bezeichnet. Menschen, die hier auf ihren Prozess warten, können Opfer aller Arten von Grausamkeiten werden, wie Aussagen von ehemaligen Insassen belegen. Diese wurden von Menschenrechtsorganisationen und der Presse ausführlich dokumentiert: Gefangene, die gefoltert und erstickt werden. Menschen, die ihren Angehörigen tot übergeben werden, mit Spuren von Erhängen und Schlägen, ohne dass der Staat dafür Rechenschaft ablegt. 

Cristosal, eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen El Salvadors, listete 2024 die Todesfälle in den Gefängnissen detailliert auf. Von 2022 bis Juli 2024 starben schätzungsweise 244 Männer und 17 Frauen in staatlichem Gewahrsam. Die Organisation konnte eigenen Angaben zufolge Hunderte von Zeugenaussagen sammeln und so auch den Tod von vier Kindern dokumentieren. Zwei von ihnen hatten mit ihren Müttern im Gefängnis gelebt, zwei Todesfälle waren Fehlgeburten. 

Mittlerweile sind die Zahlen gestiegen: Mitte 2025 lag die Gesamtzahl der Todesfälle laut der Menschenrechtsorganisation Socorro Jurídico bereits bei über 430, im Januar 2026 zählte sie 470 Tote. 94 % davon waren der Organisation zufolge keine Gangmitglieder. Die meisten Todesfälle im ersten Jahr des Ausnahmezustands ereigneten sich laut Cristosal und Human Rights Watch in den Gefängnissen La Esperanza, bekannt als Mariona, und Izalco.

Aussagen von ehemaligen Inhaftierten

„Ich habe (meiner Familie) nur sehr wenig erzählt. Es ist schwer, darüber zu sprechen. Es gibt Dinge, die man nicht sagen kann. Manchmal kamen einige an und spuckten Blut, weil sie geschlagen worden waren. Andere, die krank waren, schrien: ‚Hier drin ist jemand krank.‘ Manchmal kam Hilfe. Wenn nicht, war es Gottes Wille“, erzählt mir eine Person, die zu Beginn des Ausnahmezustands verhaftet und nach Mariona gebracht worden war.

Die meisten Gefängnisse in El Salvador sind überbelegt und unhygienisch, berichtet der Koordinator der Bewegung der Opfer des Ausnahmezustands (MOVIR), Samuel Ramírez. Die Inhaftierten würden aufgrund „mangelnder Ernährung und medizinischer Versorgung“ sterben. MOVIR wurde in den ersten Monaten des Ausnahmezustands gegründet, als Hunderte Menschen ohne Haftbefehl verhaftet wurden und Folter in den Gefängnissen ausgesetzt waren. Die Organisation setzt sich seitdem für unschuldig verhaftete Menschen ein und erhielt dafür 2025 den Menschenrechtspreis des Washington Office on Latin America (WOLA).

„In den Gefängnissen entsteht eine humanitäre Krise“, so Ramírez. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: El Salvador hat die höchste Inhaftierungsrate der Welt. Laut Daten des Instituts für Menschenrechte an der Universidad Centroamericana José Simeón Cañas (IDHUCA) hat der Ausnahmezustand die Überbelegung in El Salvadors Gefängnissen verschärft. Bereits vor der Ausrufung lag die Auslastung der Haftanstalten bei 119 %, inzwischen beträgt die Überbelegung mehr als 350 %. Nach Angaben des IDHUCA sind 2,6 % der erwachsenen Bevölkerung El Salvadors inhaftiert.

Auch heute, fast vier Jahre nach dem Beginn des Ausnahmezustands, „haben sie nichts unternommen, um Abhilfe zu schaffen, obwohl wir immer wieder auf die Verstöße und die Todesfälle in den Gefängnissen hingewiesen haben“, kommentiert Ramírez. In einem Bericht von 2024 beschreibt die Interamerikanische Menschenrechtskommission die Politik Bukeles als repressiv, willkürlich und gegen internationale Konventionen verstoßend. Ohne seine absolute Regierungsmacht wäre solch eine Politik nicht möglich. 

Ein Sicherheitsmodell, das auf Angst basiert

Bei seinem Treffen mit Donald Trump im Oval Office hatte übrigens auch Bukele eine Forderung: Wie die Washington Post berichtet, wollte er die Rückführung von neun Anführern der MS-13-Gang erwirken, die sich in US-Haft befinden. Darunter auch Elmer Canales Rivera, alias „El Crook“, der in Mexiko festgenommen worden war und nun in den USA vor Gericht stand. 

Vieles deutet darauf hin, dass Bukele damit verhindern wollte, dass Details über geheime Verhandlungen seiner Regierung mit den wichtigsten Gangs bekannt werden. In diesen geheimen Verhandlungen soll Bukele versucht haben, die Mordrate im Land zu reduzieren. Im Gegenzug bot die Regierung an, einige der Anführer freizulassen oder ihnen die Ausreise aus El Salvador zu ermöglichen. 

Der „Maya-Zug“ kommt an einem Bahnhof in Campeche, Mexiko, an.

Organisierte Kriminalität

Zug der Zerstörung

Der vermutete Pakt zwischen der Regierung und den Gangs war zum Zeitpunkt der Gespräche im Weißen Haus aber bereits lange zerbrochen – sicherlich seit jenem Gewaltwochenende im März 2022 und der Ausrufung des Ausnahmezustands.

Bukeles Sicherheitsmodell sei ein „betrügerisches und heuchlerisches“ Modell, kommentiert Ramírez. Es basiere auf dem Leid und der Angst der Familien, die nichts über ihre inhaftierten Angehörigen wissen. „Wir bestehen darauf, dass diese Sicherheitsmodelle aufgedeckt werden müssen“, sagt Ramírez. Er will, dass die Welt weiß, dass die Umsetzung einer solchen Strategie eine Gefahr für die Gesellschaft eines jeden Landes darstellt.

Julia Gavarrete ist eine Investigativjournalistin aus El Salvador.
Bluesky: @PetizaGavarrete 

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