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Energie

Versteckte Kosten

von Will Swanson
Die „Tank oder Teller“-Debatte hat Biokraftstoffe als Hungertreiber dämonisiert. Ein genauer Blick zeigt, dass die Situation komplexer ist. Klar ist dennoch, dass Biokraftstoffe keine so gute Alternative sind wie zunächst gedacht.

Inwieweit Biokraftstoffe die hohen Nahrungsmittelpreise verursacht haben, ist strittig. Schätzungen reichen von zwei bis 65 Prozent. Unstrittig ist aber, dass sie langfristig das Nahrungsmittelangebot unter Druck setzen können. Denn bei einer wachsenden Weltbevölkerung, die sich immer mehr von Fleisch ernährt, wird urbares Land knapp. Wenn Energiepflanzen und konventioneller Ackerbau um Land konkurrieren, müssen Bauern mehr Regenwälder abholzen, Feuchtgebiete trockenlegen und andere Ökosysteme zerstören. Das verstärkt aber den CO2-Ausstoß.

Diese Dynamiken lassen sich in einem globalen Markt nur schwer nachvollziehen. So kann etwa die Umstellung einer tansanischen Farm auf Biokraftstoff zur Rodung von Regenwäldern in Thailand oder Brasilien führen. Deshalb sprachen sich die Teilnehmer einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum für ein weltweites Bodenmanagement aus.

Einfacher gesagt als getan. Das weltweite Management von Ressourcen erfordert sowohl genaue Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten als auch eine effektive staatenübergreifende Verwaltung. Viele grundlegende Daten existieren aber nicht, meint Mirella Salvatore vom UN-Projekt für Bioenergie und Nahrungssicherheit.

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssten alle sinnvollen Ansätze zur Produktion von Biokraftstoffen genutzt werden, meinen die Experten vom Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen der deutschen Bun­desregierung (siehe E+Z Februar, S. 74f.). So wird vorgeschlagen, den Anbau von Energiepflanzen nur auf schlecht zugänglichem und minderwertigem Land zuzulassen, und vor allem widerstandsfähige Pflanzen wie Jatropha oder Rizinus anzubauen, die auch auf trockenen Böden wachsen. Trotzdem gibt es versteckte Kos­ten. So kann der Anbau von Ölpflanzen Wandervölker in städtische Slums abdrängen, weil er ihnen die Lebensgrundlage entzieht, meint Negusu Aklilu von der äthiopischen Organisation Forum for Environment.

Zudem sei der Ertrag von anspruchslosen Pflanzen wie Jatropha oder Rizinus unter schlechteren Bedingungen auch geringer. Das aber schreckt internationale Investoren ab. Zu oft werden deshalb zugängliche und fruchtbare Grundstücke von Kleinbauern enteignet, um langfristige Verträge mit ausländischen Firmen zu vereinbaren. Hamimu Hongo von der tansanischen Firma Felisa berichtet, dass viele Kleinbauern so auf schlecht zugängliches Land abgedrängt würden.

Experten sind sich daher einig, dass die lokale Versorgung immer wichtiger sei als der Export. Das schließt verantwortungsvolle Investitionen in Energiepflanzen aber nicht aus. In Brasilien etwa werden sozial verantwortliche Investoren gefördert. Quoten für Kleinbauern garantieren diesen ihr Einkommen.

Will Swanson