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Familienplanung

Wesentliche Angelegenheit

von Renate Bähr

Meinung

Kondome sind nicht nur in Bangladesch wichtig.

Kondome sind nicht nur in Bangladesch wichtig.

Millionen Menschen weltweit sind wegen des ökologischen Wandels, den die Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten der reichen Nationen ausgelöst haben, wachsenden Risiken ausgesetzt. Steigende Temperaturen und Extremwetterlagen machen es den Menschen der ärmsten Länder immer schwerer, ihre Familien mit Nahrung und anderen unverzichtbaren Dingen zu versorgen. In dieser Lage ist es wichtig, über die Familiengröße selbst entscheiden zu können. Paradoxer Weise ist aber der ungedeckte Bedarf an Familienplanung ausgerechnet in den vom Treibhauseffekt am meisten bedrohten Regionen besonders groß.

Den kürzlich veröffentlichten UN World Population Prospect's zufolge wird die Menschheit bis 2050 auf 9,6 Milliarden anwachsen. Das ist keine bloße Statistik und auch nicht einfach Schicksal. Es geht um Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung und persönliche Entscheidungen. Leider können aber nicht alle Menschen frei entscheiden. Um ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten, brauchen Menschen Informationen, und sie müssen daraus Handlungen ableiten können. Es kommt darauf an, sie zur Selbstständigkeit zu befähigen. 

Umfassende Sexualaufklärung ist unverzichtbar. Menschen müssen über sexuelle und reproduktive Gesundheit Bescheid wissen und sie müssen ihre entsprechenden Rechte kennen. Auch der uneingeschränkte Zugang zu modernen Verhütungsmitteln ist nötig. Es ist deprimierend, dass das für mehr als 220 Millionen Frauen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bislang nicht erfüllt ist. Die Zahl entspricht einem Viertel aller Frauen, die einen Bedarf an Verhütung haben.

Eine künftige Entwicklungsagenda ist nur sinnvoll, wenn sie Bevölkerungsdynamiken aufgreift – und zwar sowohl auf der individuellen als auch der systemischen Ebene. Allen Menschen steht Information über ihre Gesundheit und über ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu. Diese Dinge gehören auf die Post-2015-Agenda – zusammen mit der Stärkung von Mädchen und Frauen, den Rechten von Jugendlichen und Geschlechtergleichstellung.

Sexuelle und reproduktive Gesundheit ist wichtig, um Nachhaltigkeit in ihren drei Dimensionen (ökonomisch, ökologisch und sozial) zu gewährleisten. Wenn sie eine realistische Chance haben sollen, der Armut zu entkommen, müssen Mädchen, Frauen und Paare planen können, wie viele Kinder sie wollen – und zu welchem Zeitpunkt. Wenn sie ihre Familie planen können, verbessern sich die Bildungs- und Berufschancen von Mädchen und Frauen, und Mütter und Kinder sind gesünder. Damit ein Land die Vorteile seiner demographischen Entwicklung nutzen kann, müssen diese Themen auf die politische Agenda.

Ich war hoch erfreut, dass diese Botschaft auf der Women Deliver Konferenz Ende Mai in Kuala Lumpur betont wurde. Women Deliver ist ein internationales Advocacy-Bündnis, das sich für das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen einsetzt. Tausende Delegierte aus aller Welt nahmen teil, um Erfahrungen auszutauschen, Neues zu erfahren und sich auf innovative Weise dafür zu engagieren, die Stellung von Frauen und Mädchen in den ärmsten Ländern der Welt zu stärken. Es war sehr ermutigend, von Fortschritten auf den Philippinen oder in Indonesien zu erfahren, wo Familienplanung bislang behindert wurde. Die Regierungen beider Länder haben aber begonnen, sich den Herausforderungen zu stellen. Das ist ein Signal, dass Wandel auch in den ärmsten Ländern möglich ist.

In den 13 Jahren, seit die MDGs definiert wurden, ist vieles besser geworden. Es ist aber auch klar, dass viele Ziele nicht erreicht werden. Rund 80 000 der 287 000 jährlichen Fälle von Müttersterblichkeit ließen sich verhindern, wenn Mädchen und Frauen uneingeschränkten Zugang zu Verhütungsmitteln und Gesundheitsdienstleistungen hätten. Die bloßen Zahlen beweisen, dass Investitionen in sexuelle und reproduktive Gesundheit Investitionen für das Leben sind.

 

Renate Bähr ist Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, einer nichtstaatlichen Einrichtung, und ein Mitglied der High-Level Task Force for ICDP (International Conference on Population and Development).
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