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Bildung

Private Grundschulen auf dem Vormarsch

von Patricia Galicia, Carlos Aldana

In Kürze

Um das Recht auf Grundschulbildung für alle umsetzen zu können, braucht es nicht nur bilingualen, sondern auch interkulturellen Unterricht: Indigene Grundschüler haben Maya-Symbole gebastelt.

Um das Recht auf Grundschulbildung für alle umsetzen zu können, braucht es nicht nur bilingualen, sondern auch interkulturellen Unterricht: Indigene Grundschüler haben Maya-Symbole gebastelt.

In Guatemala wird Grundbildung grundsätzlich vom Staat bereitgestellt. Doch weil die Qualität nachlässt, nimmt der Anteil an privaten Einrichtungen zu. Ein besorgniserregender Trend, meint der ehemalige Technische Bildungsminister des Landes im Interview.

Der Anteil an privaten Grundschulen in Guatemala ist in den letzten zehn Jahren langsam, aber doch deutlich gewachsen. Das erhöht die soziale Ungleichheit (siehe auch Artikel "Spiegel der Gesellschaft"). Schuld ist vor allem das sinkende Niveau der öffentlichen Schulen, meint die Bildungsexpertin Cecilia Garcés vom Population Council. Sie kritisiert, dass Medien, Politiker und Wirtschaftsvertreter Bildung eher als Dienstleistung darstellen denn als Menschenrecht. Viele Familien würden sich aber nicht wegen der Qualität des Unterrichts für eine private Schule entscheiden, sondern damit ihre Kinder mit Schülern aus einkommensstarken Familien in Kontakt kommen. Sie profitierten zudem von dem Prestige einer Einrichtung, von der die Mehrheit denkt, dass die Schüler besser ausgebildet sein müssen, weil sie für die Leistung bezahlt haben. Dadurch wird der Graben zwischen Arm und Reich immer größer.

Wenn die Politik nicht in Bildung investiert, wird es ihr nicht möglich sein, ein Bildungssystem aufzubauen, das soziale Mobilität ermöglicht. Patricia Galicia sprach darüber mit Carlos Aldana, dem ehemaligen Vizeminister für Technologie und Bildung.

Herr Aldana, inwiefern erhöht die Verbreitung von privaten Schulen die Ungleichheit in der Bevölkerung?
Die richtigen Kompetenzen zu haben erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. In den Schulen erlangen die Schüler aber unterschiedliches Wissen und unterschiedliche Fähigkeiten. Da haben vor allem die staatlichen Einrichtungen Defizite: Sie lehren vor allem traditionelle Fächer.

Für die Arbeitswelt sowie für Partizipation in Politik und Gesellschaft sind zudem der Zugang und der richtige Umgang mit Medien und Kommunikationstechnologien wichtig. Hierauf bereiten die öffentlichen Schulen nicht vor. Das erhöht den Digital Gap und erschwert wiederum vielen Schülern den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt.

Politische Partizipation ist für Bevölkerungsgruppen mit höherem Bildungsgrad leichter. Diese sammeln sich in Privatschulen, was die politischen Ungleichheiten erhöht.

Wie wirkt sich das auf arme und indigene Schüler aus?
Die ethnischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Schüler sind immer noch fundamental entscheidend für ihren Lernerfolg. Armut verschärft die Exklusion in der Bildung. Zum Beispiel beeinträchtigt mangelnde Ernährung die neurologischen Fähigkeiten in den ersten Jahren. Da Armut besonders in den ländlichen Gegenden vorherrscht, betrifft dies vor allem indigene Kinder. Zudem lernen diese meist nicht in ihrer eigenen Sprache. Viele von ihnen sind eingeschrieben, schließen aber die Schuljahre nicht erfolgreich ab, werden nicht rechtzeitig fertig und erlernen deshalb lebenswichtigste Fähigkeiten nicht. Das Recht auf Bildung für alle ist eine große Errungenschaft. Es soll nicht wegen Armut oder Kinderarbeit eingeschränkt sein. Dennoch machen viele Kinder und Jugendliche in unserem Land von ihrem Recht auf Bildung keinen Gebrauch.

Wie kann man das Recht auf Grundschulbildung in einem Land wie Guatemala durchsetzen?
In der Politik und bei der Haushaltsplanung muss der bilinguale Unterricht Priorität haben, denn er fördert inklusive Bildung. Dies bedeutet: Muttersprachlicher Unterricht muss garantiert werden. Es muss mehr bilinguale und tatsächlich interkulturelle Lehrer geben, die keine reinen Übersetzer sind. Gut ausgebildete Lehrkräfte müssen gemeinsam mit den indigenen Völkern und ihren Organisationen eine nationale Strategie für inklusive Bildung entwickeln. Wichtig ist, dass im Unterricht nicht nur über Geschlechtergerechtigkeit geredet wird. Es müssen Strategien und Methoden entwickelt werden, die tatsächliche Inklusion von Frauen und Männern fördern, so dass sie ihr Recht auf Bildung gleichberechtigt genießen können. Dies bezieht sich zum einen auf den Schulunterricht, in dem eine Atmosphäre von Respekt und Anstand vorherrschen sollte. Es gilt aber auch für die anderen Bereiche des ganzheitlichen Bildungssys­tems, wie die Familie oder Jugendorganisationen.

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