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Neue Kommunikationstechnologien

Schattenseiten der Cyber-Politik

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Facebook-Seite der politischen Bewegung Balai Citoyen (Volkes Besen) in Burkina Faso.

Facebook-Seite der politischen Bewegung Balai Citoyen (Volkes Besen) in Burkina Faso.

Weil sich Mobiltechnologie in Afrika rasch ausbreitet, sind die Menschen besser informiert und international vernetzt. Zensur ist schwieriger geworden. Ob Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) tatsächlich die Rechenschaftspflicht von Regierungen erhöht, ist aber nicht klar.

Der arabische Frühling von 2011 schien der erste Aufstand zu sein, der sich auf neue IKT stützte. Ein ägyptischer Aktivist drückte es so aus: „Wir nutzen Facebook, um unsere Demos zu planen, Twitter, um zu koordinieren und YouTube, um der Welt davon zu berichten.“

Kommunikationsspezialisten wie der Journalist Malcolm Gladwell warnen jedoch vor „Techno-Euphorie“. Neue Technik samt Social Media wird oft als effektives Mittel bezeichnet, damit die Bürger das Sagen haben. In mancher Hinsicht trifft das auch zu: Menschen können politische Vorgänge kommentieren, über Korruption berichten und Bürgerrechte wahrnehmen. Aber was bewirkt das letztlich?

Eine neue Sammlung von Essays, den die Heinrich Böll Stiftung (HBS) herausgegeben hat, sieht die Dinge im Zusammenhang. „Technologie kann Prozesse erleichtern und unterstützen. Sie allein kann jedoch keine Probleme lösen“, schreibt Adi Eyal von Code for South Africa, einer Non-Profit-Organisation.

Ende 2014 nutzten 26 % der afrikanischen Bevölkerung das Internet. Schätzungsweise 50 % werden das 2025 tun. Mobilfunknetzwerde gibt es fast überall.

Schnelle und einfache Kommunikation hat einen erheblichen Einfluss auf Bürgerbeteiligung und demokratische Teilhabe. Politiker verstehen die Bedeutung von IKT und Sozialen Medien. So etwa verkündete 2011 der damalige nigerianische Präsident Goodluck Jonathan seine neuerliche Kandidatur per Facebook. Leider hat aber nicht jeder Zugang zu Sozialen Medien.

Jochen Luckscheiter und Keren Ben-Zeev, die Herausgeber der HBS-Publikation, schreiben, IKT könne nützlich sein, aber es bleibe „eine Herausforderung“ sicherzustellen, dass sie nicht „die digitale Kluft (und das entsprechende Machtgefälle) etwa zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung oder zwischen den Geschlechtern“ verstärkt.

Digitale Technologien haben sicherlich dramatische Veränderungen bewirkt, die „Individuen und nicht-staatliche Akteure auf neuartige Weise gestärkt  hat“, meint Kommunikationsexpertin Sarah Chiumbu. Sie sieht „größere Möglichkeiten für politische Partizipation und Engagement“ als traditionelle Massenmedien böten. Zivilgesellschaftliche Aktivisten profitierten von leicht zugänglicher Vernetzung und Informationsweitergabe. IKT könne der urbanen Mittelschicht helfen, in einem repressiven Staat Kontrollen zu umgehen, erklärt Chiumbu, aber dadurch werde die arme und ländliche Bevölkerung ohne Internetzugang noch mehr vom politischen Geschehen ausgeschlossen. Chiumbu warnt deshalb, zunehmende Nutzung von IKT südlich der Sahara sei nicht “nicht automatisch als ein Zeichen gestärkter Demokratie und Rechenschaftspflicht“ zu sehen.

Es gibt dabei auch Risiken für Aktivisten. Nur wenige achten auf Cyber-Sicherheit. Wer  eine SIM-Karte beantragt, muss aber persönliche Daten hinterlegen, die missbraucht werden könne. Auf Ähnliches weist auch Jennifer Radloff vomAssociation for Progressive Communications’ Women’s Rights Programme (APC WRP). Sie schreibt, dass Aktivistinnen von besserer und billigerer Kommunikation profitieren könnten, warnt aber vor einer Zunahme von sexuellen Übergriffen online: „Wenn die reale Welt sexistisch ist, dann tragen die meisten Technologien wahrscheinlich ebenfalls den Virus des Sexismus in sich. Online- und Technik-Gewalt ist Teil der üblichen gender-basierten Gewalt. Es gibt keinen Unterschied zwischen Gewalt online und offline.“

Achille Mbembe von der Johannesburger University of the Witwatersrand hält derweil das Internet für „afropolitanisch“. Er sagt voraus, dass Afrika die Schritte der technologischen Evolution überspringen werde, die in anderen Kontinenten stattgefunden haben, da „die Philosophie dieser neuen digitalen Technologien“ althergebrachten Traditionen des Kontinents entspreche: „Dieses Archiv der permanenten Transformation, Mutation, Konversion und Zirkulation ist eine essentielle Dimension von dem, was wir afrikanische Kultur nennen.“

Sheila Mysorekar


Link:
#Game Changer: How is new media changing political participation in Africa: 
https://ke.boell.org/sites/default/files/uploads/2015/07/perspectives_july_2015.pdf

 

 

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