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Unsere Sicht

Warum Menschen in Ländern mit hohen Einkommen sicherer leben

von Hans Dembowski

Meinung

Baustelle in der nepalesischen Stadt Bhaktapur.

Baustelle in der nepalesischen Stadt Bhaktapur.

In Ländern mit hohen Einkommen ist das Leben besonders sicher. Kaufkraft hilft – aber der Hauptgrund ist, dass diese Gesellschaften so organisiert sind, dass sie Risiken reduzieren und managen.

Jedes erfolgreiche Land ist besonders, aber ihnen gemein ist das dynamische Zusammenwirken von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Recht und anderen Funktionssystemen. Soziologen sprechen von funktionaler Differenzierung (siehe Anna-Katharina Hornidge auf www.dandc.eu). Wichtig sind sowohl private als auch staatliche Institutionen.

Märkte schaffen Wohlstand, lassen aber auch viele Menschen im Stich. Unfaire Geschäftspraktiken werden deshalb verboten, und staatlich finanzierte soziale Sicherung schützt vor extremer Not. Umwelt- und Arbeitsrecht beugen Schäden vor. Staat und Markt wirken oft zusammen, etwa wenn für die Anmeldung eines Autos der Abschluss einer Haftpflichtversicherung nötig ist, sodass mögliche Unfallschäden garantiert gedeckt werden.

Infrastruktur ist wichtig. Baurecht und Stadtentwicklungspläne tragen dazu bei, dass Menschen ein Zuhause mit lebenswichtigen Annehmlichkeiten finden. Ob trinkbar ist, was aus dem Wasserhahn kommt, ist wichtig. Weniger wichtig ist, ob der Versorger privat oder staatlich ist. Jedenfalls hängt Erfolg davon ab, dass die betroffenen Menschen Rechte haben und Gehör finden.

Marktradikale Libertäre halten die Gesellschaft für einen Dschungel, in dem alle ihre individuellen Vorteile maximieren. In ihren Augen bedeutet Freiheit die Abwesenheit von Steuern und staatlichen Vorgaben. Sie meinen, allen stehe jeweils das zu, was sie bezahlen könnten, und folglich müsse auch ohne Einschränkungen Geld verdient werden dürfen. Die höchsten Einkommen hätten dann die wertvollsten Führungspersönlichkeiten, denen dann niemand irgendwie reinreden dürfe (siehe hierzu meinen Blogpost auf www.dandc.eu).

Der menschlichen Natur entspricht das nicht. Wir hängen von unseren Gemeinschaften ab und werden von ihnen geprägt. Je bedrohlicher die Umwelt ist, desto wichtiger wird Solidarität. Indigene Urwaldvölker haben meist einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn, aber keine Vorstellung von individuellem Unternehmertum.

Wo große Ungleichheit Gesellschaften spaltet, wird Kriminalität wahrscheinlicher – auch in gewalttätiger Ausprägung. Nicht zuletzt dank guter öffentlicher Gesundheits- und Bildungswesen sind skandinavische Gesellschaften weniger ungleich als die USA, wo der Mythos des einsamen Wildwesthelden besonders virulent ist.

Silicon-Valley-Oligarchen neigen zu libertärem Denken. Sie sollten es eigentlich besser wissen. Ihr Innovationszentrum entstand in einem amerikanischen Westen, der längst nicht mehr wild war, sondern alle Vorzüge funktionaler Differenzierung bot, die Unternehmensgründern helfen: solide Infrastruktur, Rechtssicherheit, qualifizierte Arbeitskräfte, gute Schulen und Universitäten et cetera.

Kein Land, das im Human Development Index hoch oben steht, entspricht libertären Vorstellungen. Westliche Demokratien wären heute in einem besseren Zustand, wenn mehr auf das Gemeinwohl geachtet worden wäre. Manche tun immer noch so, als sei Klimaschutz die Wirtschaft strangulierender Sozialismus. Nachhaltige Entwicklung erfordert neben Märkten und Unternehmen viele andere Institutionen.

Unsere Sicherheit und Widerstandskraft hängen von der richtigen Balance ab. In Zeiten wachsender globaler Risiken brauchen wir zudem auch globale Lösungen. Wie im nationalen Kontext hängt Erfolg von Expertise, pluralistischer Debatte, Empathie und Kompromissbereitschaft ab, und nicht von starken Führern, die ihre Sicht unbedingt durchsetzen wollen.


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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