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Menschenrechte

In Malawi werden Ältere noch immer wegen angeblicher Hexerei getötet

Trotz neuer Gesetze werden ältere Menschen in Malawi weiterhin Opfer von Gewalt wegen Vorwürfen von Hexerei. Tief verwurzelte Glaubensvorstellungen, Angst und eine schwache Rechtsdurchsetzung erschweren den Schutz der Betroffenen.

Der Tod zweier älterer Frauen im Dorf Njema im Distrikt Mulanje lässt John Nasala bis heute nicht los. „Die Situation war völlig außer Kontrolle“, erinnert er sich. „Die Menschen schrien, beschuldigten sie, warfen Steine. Niemand wollte zuhören. Unsere Großmutter starb noch am Tatort.“

Das war im Januar 2021. 

Wie Nasala, ein Verwandter eines der Opfer, der 75-jährigen Mary Malikita, berichtet, folgte die Gewalt auf den plötzlichen Tod des 28-jährigen Jonathan Jasi, einem Enkel von Malikita. Jasi sei infolge einer Erkrankung in eine Privatklinik gebracht worden, wo er jedoch bereits bei seiner Ankunft für tot erklärt worden sei.

Einige Dorfbewohner*innen hätten diese Erklärung jedoch nicht akzeptieren wollen. „Sie sagten, es sei Hexerei gewesen“, erzählt Nasala. Die Wut der Menge habe sich gegen Malikita und eine weitere ältere Frau gerichtet, die 78-jährige Jessie Pasinezi. Beide seien beschuldigt worden, für den Tod Jasis verantwortlich zu sein. Wie Nasala berichtet, wurden sie mit Steinen beworfen, geschlagen und später in einem Haus eingesperrt. Die Menge hätte die Frauen aufgefordert, Jasi wieder zum Leben zu erwecken, berichtet Nasala.

Dorfvorsteher Eliya Kankhomba sagt, er habe versucht, einzugreifen, sei jedoch gescheitert. „Ich habe mehrfach versucht, die Menschen zu beruhigen und ihnen gesagt, dass das falsch ist. Aber die Menge war wütend und wollte nicht zuhören. Einige drohten sogar, mich zu töten“, sagt er. Auch das Eingreifen der Polizei konnte die Frauen nicht retten. Kankhomba zufolge wurde Malikita bei ihrer Ankunft im Krankenhaus für tot erklärt. Pasinezi sei wenige Tage später ihren Verletzungen erlegen.

Eine tieferliegende Krise

Fälle wie diese sind in Malawi keine Seltenheit. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden Medienberichten zufolge mindestens zwölf ältere Menschen wegen Vorwürfen der Hexerei getötet. In einem Fall im April soll ein älterer Mann im Distrikt Dowa von seinem Neffen zu Tode geprügelt worden sein. Seit 2015 wurden schätzungsweise mehr als 300 ältere Menschen in Malawi im Zusammenhang mit Hexereivorwürfen getötet.

Für Andrew Kavala, Geschäftsführer des Malawi Network of Older Persons’ Organizations (MANEPO), weisen diese Zahlen auf ein tieferes gesellschaftliches Problem hin. „Die anhaltenden Angriffe auf ältere Menschen, denen Hexerei vorgeworfen wird, sind äußerst besorgniserregend und völlig inakzeptabel“, sagt er. „Als Organisation betrachten wir dies sowohl als Menschenrechtsverletzung als auch als Versagen beim Schutz der Bevölkerung.“

Neue Gesetze stoßen auf alte Überzeugungen

Nach malawischem Recht können Personen, die andere der Hexerei beschuldigen, mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Dennoch ist der Glaube an Hexerei im Land weit verbreitet. Laut einer aktuellen Umfrage von Afrobarometer glauben mehr als 70 % der Bevölkerung „stark“ an die Existenz von Hexerei. Über 60 % der Befragten geben an, dass in ihren Gemeinschaften vor allem ältere Menschen mit Hexerei in Verbindung gebracht werden. „Diese Angriffe gedeihen dort, wo Fehlinformationen, Angst und Straflosigkeit herrschen“, sagt Kavala.

Mit dem Older Persons Act verabschiedete Malawi 2024 ein Gesetz, das Misshandlungen älterer Menschen unter Strafe stellt. Nach Angaben staatlicher Stellen bleibt die Durchsetzung der Regelungen jedoch eine große Herausforderung.

Kavala erklärt, dass MANEPO verschiedene Maßnahmen ergreife, um die Gewalt einzudämmen. „Wir arbeiten mit Strafverfolgungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern zusammen, um stärkere Schutzmechanismen durchzusetzen“, sagt er.

Im Distrikt Mulanje sind die Todesfälle von Mary Malikita und Jessie Pasinezi unterdessen vielen Menschen weiterhin präsent. „Sie waren unschuldig“, sagt Nasala. „Aber wir haben es nicht geschafft, sie zu schützen.“

Lameck Masina ist ein freiberuflicher Journalist mit über 20 Jahren Erfahrung. Er lebt in Blantyre, Malawi. 
lameckm71@gmail.com 

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