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G8 in der Kritik

von Anke Schwarzer
Henning Melber und Cornelia Wilß (Hg.): G8 Macht Politik. Wie die Welt beherrscht wird. Brandes und Apsel, Frankfurt/Main 2007, 192 S., 14,90 Euro, ISBN 3-86099-723-8

Der Titel „Wie die Welt beherrscht wird“ klingt nach Verschwörungstheorie. Und die winkenden Staatschefs auf dem Buchcover verstärken den Eindruck, als lenkten diese wenigen Männer (und die eine Frau) die Geschicke der Welt. Die einzelnen Beiträge des kurz vor dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm erschienenen Sammelbandes sprechen aber eine andere Sprache: Wissenschaftler und Aktivisten, darunter Walden Bello, Susan George und Vandana Shiva, begründen, warum ihrer Ansicht nach die G8 für Armut in der Welt verantwortlich ist. Sie beziehen sich stets auf das Zusammenspiel der G8-Politik und der von ihr dominierten Institutionen Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Welthandelsorganisation. Auch marktliberale Entwicklungsstrategien und die Annahme, nach der Wachstum auch weniger Armut bedeute, werden kritisch beleuchtet.

Andere, etwa Uwe Hoering und Nicola Bullard, kommen zu dem Schluss, dass die G8 sowie Weltbank und Internationaler Währungsfonds in einer tiefen Krise stecken. Franz Nuscheler bezeichnet die G8 als „Ersatz-Weltregierung ohne Legitimation“ und spricht von einem Auslaufmodell: Angesichts des zunehmenden Gewichts von Ländern wie Brasilien, China und Indien könnten die G8 weltwirtschaftliche Entwicklungen immer weniger steuern. Nuscheler plädiert für eine breiter angelegte Global Governance, die staatliche und private Akteure umfasst.

Der Reader lässt kein gutes Haar an der G8-Politik. Die Autoren sind sich einig, dass die jährlichen Gipfeltreffen der reichsten Länder auch künftig am Verhältnis zwischen den Besitzenden und Mächtigen einerseits und den Habenichtsen und Ohnmächtigen andererseits nichts ändern werden – es sei denn, es dient den Interessen der G8. Die Bewegung der G8-Kritiker beleuchten am Ende des Buches Patrick Bond und Peter Watermann. Die beiden Beiträge analysieren (selbst)kritisch die Fallstricke sozialer Bewegungen und nichtstaatlicher Organisationen, die sich beispielsweise in den Weltsozialforen versammeln. Trotz aller Schwierigkeiten, gesellschaftspolitisches Potenzial von unten zu mobilisieren, plädiert Bond dafür, langfristig demokratische Massenbewegungen aufzubauen, die vom Internationalismus geprägt sind und sich für eine „Deglobalisierung“ von Kapital und die Stärkung öffentlicher Güter einsetzen.

Anke Schwarzer