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Mikroplastik

Unsichtbare Teilchen gefährden die Gesundheit

von Sabine Balk

In Kürze

Angeschwemmte Mikroplastik-Teilchen in Depoe Bay in Oregon an der US-Westküste.

Angeschwemmte Mikroplastik-Teilchen in Depoe Bay in Oregon an der US-Westküste.

Weltweit finden sich Plastikabfälle in Meeren und Gewässern, aber auch zunehmend in Böden und im Trinkwasser. Umstritten sind die Auswirkungen winzigster Plastikteile, sogenannter Mikro- und Nanoplastik, auf Mensch und Umwelt. Die Forschung dazu ist komplex und steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt aber starke Indizien dafür, dass diese biologisch nicht abbaubaren Teilchen gesundheitliche Schäden im menschlichen Körper anrichten können.

Unter Mikroplastik werden in der Wissenschaft kleine Kunststoffpartikel und -fasern einer Größe zwischen 1 Mikrometer (= 0,0001 Millimeter/mm) bis kleiner als 5 mm verstanden. Die kleinsten Partikel, die mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind, werden Nanopartikel genannt. Der Mensch kann diese zum Beispiel über die Luft einatmen und über das Trinkwasser, Lebensmittel oder kosmetische Produkte aufnehmen.

Mikroplastik wird gezielt als Granulat oder Pellet hergestellt, um in Reinigungs- und Poliermitteln, als Trägermaterial für Dünger, in Lacken und Farben, in Medizinprodukten und in einigen kosmetischen Mitteln eingesetzt zu werden. Es gibt aber auch sogenanntes sekundäres Mikroplastik, das zum Beispiel durch Alterungs- und Zerfallsprozesse von Plastikmüll entsteht, aber auch durch Reifenabrieb oder das Tragen und Waschen von kunststoffhaltigen Textilien wie Fleece-Kleidungsstücke.

Da Klärwerke die Partikel nicht vollständig aus dem Abwasser herausfiltern können, gelangt ein Teil davon in die Gewässer. Darüber hinaus kann Mikroplastik auf Äckern landen, wenn Klärschlamm verteilt wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht nach derzeitigem Wissensstand davon aus, dass die Aufnahme von Plastikpartikel durch Wasser und Lebensmittel kein gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellt. Erste eigene durchgeführte Untersuchungen zur oralen Aufnahme von Mikropartikeln hätten keine Hinweise auf Schädigungen des Darmgewebes gegeben. Das BfR räumt aber auch ein, dass es aufgrund mangelnder Datenlage derzeit noch keine zusammenfassende Bewertung der Wirkung und Risiken von Mikroplastik auf den Menschen geben kann.

Andere Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Umweltorganisation WWF sehen gesundheitliche Risiken durchaus belegt. Die größte Quelle für die Plastikaufnahme des Menschen ist laut WHO und WWF Trinkwasser, wobei Mikropartikel weltweit in allen Wasserarten (Grundwasser, Oberflächenwasser, Leitungswasser und abgefülltes Wasser) gefunden wurden. WWF räumt ein, dass die Langzeitauswirkungen der Plastikaufnahme auf den menschlichen Körper noch nicht gut dokumentiert sind. Bei Meeres­tieren könnten höhere Konzentrationen von Mikroplastik im Verdauungssystem und in den Atemwegen zu frühzeitigem Tod führen.

Forschungsstudien hätten außerdem in Reagenzglas-Versuchen eine Toxizität für Lungenzellen, Leber und Gehirnzellen nachgewiesen. Einige Plastiksorten enthalten Chemikalien und Zusatzstoffe mit potenziellen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Studien haben laut WWF außerdem gezeigt, dass das Einatmen von Mikro- und Nanopartikeln ab einer bestimmten Konzentration Atemwegsentzündungen auszulösen scheint. Neueste Forschung konnte Mikro- und Nanopartikel in menschlichen Organen und Fettgewebe nachweisen. Das legt nahe, dass die Partikel in Körperzellen eindringen können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese kleinsten Partikel das Immunsystem schädigen, Entzündungen und Krebs im Körper auslösen können.

WWF und die WHO sind sich einig, dass die Forschungslücke zu Mikroplastik unbedingt geschlossen werden muss. WWF richtet zudem weiter gehende globale Forderungen an die Politik:

  • Einrichtung eines globalen wissenschaftlichen Gremiums zur Auswertung und Zusammenführung der besten verfügbaren Forschungsergebnisse zu Plastik und Mikroplastik in der Natur.
  • Abschluss eines rechtlich bindenden internationalen Abkommens für den Stopp des Eintrags von Plastikmüll in die Meere.
  • Entwicklung nationaler Ziele für Plastikreduzierung, -recycling und -management gemäß den Verpflichtungen aus globalen Abkommen.


Links
WWF, 2019: Aufnahme von Mikroplastik aus der Umwelt beim Menschen.
https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/WWF-Report-Aufnahme_von_Mikroplastik_aus_der_Umwelt_beim_Menschen.pdf
Bundesamt für Risikobewertung, 2019: Mikroplastik.
https://www.bfr.bund.de/cm/343/mikroplastik-fakten-forschung-und-offene-fragen.pdf
WHO, 2019: Microplastics in drinking-water.
https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/326499/9789241516198-eng.pdf?ua=1


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]

 

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