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Ausgrenzung

Puppen ernähren Straßenkinder

von Aida Azarnoush

Heutzutage

Die iranische Gesellschaft denkt schlecht über Straßenkinder – sie werden verachtet. Eine zivilgesellschaftliche Organisation setzt sich aber für ihre Akzeptanz ein. Ziel ist, den Kindern und ihre Familien ein zuverlässiges Auskommen zu verschaffen.

Überall findet man sie – in großen Städten, auf den Straßen, zwischen den Autos, die eng im Stau stehen: Straßenkinder. Sie betteln, verkaufen Kleinigkeiten oder putzen die Scheiben der Autos. Sie stammen meist aus Familien, die mit der Hoffnung auf Arbeit und besseres Leben vom Lande in die Städte abwandern.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Die Neuankömmlinge vom Lande siedeln sich meist im Außengürtel der Großstädte an. Sie wohnen in behelfsmäßigen Unterkünften und haben keine regelmäßige Arbeit. Ihre Kinder gehen nicht zur Schule, sondern arbeiten als Straßenverkäufer, Müllsammler und Bettler.

Die Gesellschaft, in der sie sich ein neues und besseres Leben suchen wollten, hat ein negatives Bild von ihnen. „Viele Menschen denken, die Straßenkinder wären alle mit dem HIV-Virus infiziert und vermeiden daher jeden Kontakt mit ihnen“, sagt die soziale Aktivistin Zohre Sayyadi. Die Zahl der HIV-Infizierten ist unter den Jugendlichen, die auf der Straße leben, im Vergleich deutlich höher als im gesellschaftlichen Durchschnitt, da sie sich oft Drogen mit verschmutzen Nadeln spritzen oder ungeschützten Sex haben, aber „das ist ja kein Grund, sie auszuschließen“, meint Zohre.  Sie engagiert sich in einer zivilgesellschaftlichen Organisation namens „Titalo“.  Dieses Projekt unterstützt Zugezogene aus der südöstlichen Region Irans, aus Belutschistan. „Titalo“ bedeutet auf belutschisch „Zärtlichkeit“.

Mit geringem Budget setzt sich Titalo für angemessene Unterkünfte, Schaffung von Einkommen für die Eltern und vor allem für Bildung der Kinder ein. Zentral dabei ist, einen Weg zu finden, damit die Familien ohne die Notwendigkeit von Kinderarbeit überleben können. Eine Lösung ist „Lobtak“ – so heißen traditionelle Puppen aus Belutschistan. In der belutschischen Kultur steht die Lobtak-Puppe für Güte und Freundlichkeit und soll Wünsche erfüllen. Von der NGO organisiert, werden Stoffreste in Schneidereien gesammelt. Frauen der belutschischen Community stellen damit kleine Puppen her.

Diese Puppen werden an Geschäfte geliefert und sichern somit ein bescheidenes, aber regelmäßiges Einkommen für die Familien. Das Projekt soll auch den Kindern helfen, statt Geld zu verdienen, sich der Schule zu widmen. In kleinen Zelten wird Unterricht für die Kinder abgehalten, um den Lehrstoff nachzuholen, so dass sie an normalen Schulen angemeldet werden können. „Obendrein zeigen wir, dass die Zuwanderer aus Belutschistan schöne Traditionen und kulturelle Werte haben“, sagt Zohre Sayyadi. 


Aida Azarnoush ist Journalistin und lebt in Bonn.
aidaazarnoush@gmail.com

Links:
https://www.facebook.com/sayyadiha