Entwicklung und
Zusammenarbeit

Nepal und die SDGs

Träume von wirtschaftlicher Blüte und nachhaltiger Entwicklung

Nepal hat zwischen 2015 und 2024 den größten SDG-Fortschritt aller Länder in der Region Ost- und Südostasien erreicht, auch wegen Erfolgen bei der Armutsbekämpfung und dem Ausbau der Infrastruktur. Gleichwohl hat das Land noch einen langen Weg vor sich und wurde zuletzt durch Naturkatastrophen und politische Tumulte zurückgeworfen.
Menschen in traditioneller Kleidung feiern im Dezember das Yomari-Punhi-Fest in Nepals Hauptstadt Kathmandu. picture alliance/Xinhua News Agency/Sulav Shrestha
Menschen in traditioneller Kleidung feiern im Dezember das Yomari-Punhi-Fest in Nepals Hauptstadt Kathmandu.

Den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung hat sich Nepal bereits 2015 verpflichtet und sie in seine langfristige Politik integriert. Um die Sustainable Development Goals (SDGs) umzusetzen, arbeitet die Regierung eng mit verschiedenen Akteuren zusammen, etwa UN-Organisationen, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft. Es wurden Plattformen geschaffen, auf denen sich Interessengruppen austauschen können, etwa das Nepal SDGs Forum und das SDGs National Network Nepal. 

Die Fortschritte werden besonders sichtbar bei SDG1 „Keine Armut“. Gemäß Nepals freiwilligem Staatenbericht (Voluntary National Review) von 2024 sank die Armutsquote – gemessen am Maßstab von 2010/11 – von etwa 25 % im Zeitraum 2010/11 auf weniger als vier Prozent im Zeitraum 2022/23. Der Bericht weist jedoch auch darauf hin, dass die nationale Armutsgrenze im Zeitraum 2022/23 überarbeitet wurde. Gemäß der neuen Grenze gilt ein Fünftel der Bevölkerung weiterhin als arm. Vor allem in ländlichen Gebieten ist Armut nach wie vor weit verbreitet.

Auch bei anderen Zielen kommt das Land voran, etwa bei SDG3 „Gesundheit und Wohlergehen“ und SDG4 „Hochwertige Bildung“. Nepal hat beispielsweise die Sterblichkeitsrate von Müttern und Neugeborenen drastisch gesenkt und die Alphabetisierungsrate erhöht. 

Stärkung der Infrastruktur

In dem Himalaya-Land sind viele Gegenden aufgrund der bergigen Landschaft schwer zugänglich; deshalb lag ein Fokus der Regierung auf dem Ausbau der Infrastruktur, auch für zuvor weitgehend isolierte Gemeinden. Mittlerweile sind nahezu alle Haushalte mit Strom versorgt, der in Nepal ganz überwiegend aus Wasserkraft stammt. Die meisten Haushalte verfügen zudem inzwischen über Toiletten und Zugang zu sauberem Wasser. Das hat die Hygiene verbessert, für weniger Krankheiten gesorgt und die Würde insbesondere von Frauen und Mädchen gestärkt. Eine stärkere Vertretung von Frauen in Entscheidungsgremien, vom Parlament bis hin zu Kommunalverwaltungen, hat ebenfalls die Gleichstellung gefördert. 

Da die SDGs ineinandergreifen, führen Erfolge in einem Bereich zu Fortschritten in anderen. So haben Fortschritte bei der Infrastruktur nicht nur zu besserer Gesundheitsversorgung beigetragen, sondern etwa auch zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität. 

Weiterhin große Herausforderungen

Nepals freiwilliger Staatenbericht nennt auch Herausforderungen, die die Umsetzung der SDGs erschweren: Die Folgen der Erderwärmung verstärken Umweltgefahren wie Erdrutsche und Überschwemmungen; hinzu kommen verheerende Erdbeben wie das im Distrikt Jajarkot im Jahr 2023. Informelle Siedlungen belasten die Infrastruktur, zudem leidet das Land weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit. Wie viele andere Länder des Globalen Südens ächzt auch Nepal unter einer steigenden Schuldenlast. Und trotz aller Fortschritte bleibt die unzureichende Infrastruktur eine Achillesferse. 

Dass Nepal im SDG-Ranking derzeit nur auf Platz 85 von 167 Ländern rangiert, liegt auch an schwachen institutionellen Kapazitäten und einer unzureichenden Koordination zwischen den Regierungsbehörden, was die Umsetzung politischer Maßnahmen behindert. Auch die anhaltende politische Instabilität stellt eine große Herausforderung dar. Im September verwüsteten massive Gen-Z-Proteste gegen ein Social-Media-Verbot und korrupte Eliten die öffentliche Infrastruktur. 

Auch in puncto soziale Ungleichheit hat das Land noch viel aufzuholen. Menschen werden weiterhin zu stark aufgrund von Geschlecht, Kaste und ethnischer Zugehörigkeit diskriminiert. Zugleich werden marginalisierte Gruppen wie Indigene, Dalits und Menschen mit Behinderungen zu wenig in politische Entscheidungen einbezogen. 

Um die SDGs noch zu erreichen, benötigt das Land zwischen 2024 und 2030 pro Jahr umgerechnet etwa 23 Milliarden Dollar, wie die National Planning Commission berechnet hat. Die größten Investitionen müssten demnach in Sektoren wie Industrie und Infrastruktur fließen, aber erhebliche Mittel werden auch in den Bereichen erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung benötigt. Die Summe übersteigt den nepalesischen Haushalt deutlich; für das Haushaltsjahr 2025/26 liegt er bei umgerechnet etwa 14 Milliarden Dollar. 

Unterm Strich beteiligt sich Nepal mit seinen begrenzten Mitteln an den globalen Bemühungen um eine nachhaltigere, gerechtere und prosperierende Zukunft. Es hat dabei sogar einen positiven Einfluss auf die Fähigkeit anderer Länder, die SDGs zu erreichen – das zeigt der sogenannte „Spillover Score“ an, der für Nepal bei knapp 95 von 100 liegt. Für die Weltgemeinschaft und das Erreichen der SDGs insgesamt kann es also nur von Vorteil sein, Nepal auf seinem Pfad weiterhin zu unterstützen. 

Link
Nepal: Voluntary National Review of Sustainable Development Goals 2024

Rukamanee Maharjan ist Juradozentin an der Tribhuvan-Universität in Kathmandu. 
rukamanee.maharjan@nlc.tu.edu.np 

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