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Treibhauseffekt

Den Wandel einplanen

von Alexander Fröde, Michael Scholze
Flawed plans will prove expensive in the future: construction site in Cap Verde in 2008

Flawed plans will prove expensive in the future: construction site in Cap Verde in 2008

Politisch Verantwortliche müssen die globale Erwärmung in ihr Handeln einbeziehen, denn was sie heute entscheiden, beeinflusst das künftige Wohlergehen ihrer Länder. Der Klimawandel wirkt sich auf unterschiedliche Bereiche aus, etwa auf Landwirtschaft, Stadtplanung und Gesundheitswesen. Die GTZ hat ein Instrument zum Climate-proofing entwickelt, das Planern die Anpassung an die sich ändernden klimatischen Bedingungen erleichtern soll. [ Von Alexander Fröde und Michael Scholze ]

In ländlichen wie in städtischen Gebieten wird der Klimawandel die Entwicklung beeinträchtigen. Weltweit werden regionale und nationale Pläne angepasst werden müssen. Das gilt auch für Entwicklungsprojekte und -programme. Langfristige Pläne sind nur noch unter Berücksichtigung der globalen Erwärmung sinnvoll.

Laut OECD (2005) werden zwischen 12 und 65 Prozent des Aufwands für Entwicklungshilfe (ODA) vom Klimawandel beeinträchtigt werden (siehe Grafik). Solche Zahlen sind selbstverständlich mit Vorsicht zu interpretieren, sie zeigen aber eindeutig, dass der Klimawandel eine Rolle spielt. Zu Recht wollen Geber das Risiko vermeiden, dass ODA-Mittel verschwendet werden. Viele ihrer Durchführungsorganisationen, aber auch Akteure in den Entwicklungsländern schätzen mittlerweile Klimarisiken ab, ehe sie Projekte und Investitionen planen.

Es kommt besonders darauf an, den Klimawandel bei langfristigen Programmen und Interventionen zu bedenken. Die Frage, welches Getreide im kommenden Jahr anzubauen ist, ist relativ leicht zu beantworten. Aber wenn es um Infrastruktur geht, können Fehlentscheidungen teuer werden – schließlich sind Großprojekte wie Straßen, Bahnlinien, Dämme oder Brücken auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte angelegt. Also müssen die Folgen des Klimawandels von Anfang an bedacht werden.

Immer mehr Entwicklungsländer erkennen das. Sie wollen Klimarisiken systematisch in allen zentralen Planungsschritten erfassen – und entsprechend steigt auch die Nachfrage nach technischer Unterstützung.

Angesichts dieses Trends hat die GTZ das Instrumentarium „Climate Proofing for Development” entwickelt – ursprünglich für interne Klimarisiko-Einschätzungen für Projekte deutscher Durchführungsorganisationen, später aber auch für Beratungszwecke. Das Instrumentarium wurde unter anderem in Mali und Vietnam erfolgreich eingesetzt (siehe ­Kasten auf S. 329).

Die GTZ-Methode ermöglicht die Analyse von Strategien, Politiken, Programmen und Projekten in Entwicklungsländern hinsichtlich der Risiken, die der Klimawandel birgt. Sie erlaubt Praktikern zu er­kennen, wie Pläne geändert werden müssen, und kann in ganz unterschiedlichen Kontexten und auf verschiedenen politischen Ebenen genutzt werden (siehe Grafik 2 auf Seite 328).

Prinzipien

Climate Proofing for Development basiert auf folgenden Grundsätzen:
– Es kommt auf die Prozesse an: Die Anwendung von Climate Proofing for Development fördert es, von gewohnten Verfahren abzuweichen und in vielen Dingen umzudenken. Es ist schwierig, diese Art von Wandel in einer Organisation durchzusetzen. Manager brauchen eine Strategie, um schrittweise Inte­ressen und Verhandlungsmacht verschiedener Verantwortlicher und betroffener Interessengruppen zu berücksichtigen.
– Form follows function: Der Climate-proofing-Ansatz ist ziemlich flexibel. Jede Anwendung kann – und sollte – an den jeweiligen Kontext (sozioökonomische und rechtliche Bedingungen et cetera) angepasst werden. Auch der politische Wille, institutionelle Kapazitäten, Vorerfahrungen, Zeithorizonte und Finanzrahmen sind zu berücksichtigen. Oft wird es nötig sein, Fähigkeiten individuell und organisationsweit auszubauen, um die GTZ-Methode zu implementieren.
– Vielfältige Perspektiven: Klimafragen in die Entwick­lungsplanung aufzunehmen erfordert nicht nur analytisches und technisches Know-how und Verständnis, sondern auch eine tiefe Kenntnis der jeweiligen Lebensrealität und des traditionellen Wissens. Wichtig sind umsichtiges Handeln und die Bemühung um sinnvolle Kooperationen. Wenn lokale Führungspersönlichkeiten einbezogen werden, verbessert sich das politische Klima für das Climate-Proofing-Verfahren und die daraus resultierenden Planänderungen. Diverse Interessen und Erfahrungen sind zu berücksichtigen, um praktikable und nachhaltige Lösungen zu finden.

Das Climate Proofing for Development der GTZ analysiert Klimarisiken und Anpassungsmöglichkeiten sys­tematisch und schrittweise. Zunächst sammeln Experten Daten und systematisieren klimarelevante Informationen. Sie definieren gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen sogenannte „exposure units”. Diese Einheiten sind für die konkrete Planung zentral. Es kann sich dabei um Ökosysteme handeln (wie natürliche Wälder oder Seen), um Wirtschaftszweige (wie die Landwirtschaft oder Bekleidungsindustrie), regionale Einheiten (Dörfer, Städte oder Bezirke) oder um spezielle Zielgruppen (etwa Frauen oder Bauern).

Im nächsten Schritt identifizieren Experten und Verantwortliche in Meetings und Workshops die biophysikalischen und sozioökonomischen Auswirkungen des Klimawandels auf die jeweiligen „exposure units”. Diese Daten werden in Tabellen systematisch erfasst, damit die Verantwortlichen prüfen können, inwieweit die bisherige Planung beeinträchtigt wird.

Im letzten Schritt erarbeiten die Beteiligten auf der Basis der geleisteten Arbeit dann Handlungsmöglichkeiten. Eine entscheidende Rolle spielen nun die Vertreter der besonders betroffenen Zielgruppe. Der Umgang mit Risiken wird geklärt und Prioritätenlisten werden erstellt, um Planern bei der Orientierung zu helfen. Mal sind die Änderungen erheblich (etwa wenn weniger flutgefährdete Orte gewählt werden), mal bleibt bis auf die Gewichtung alles beim Alten. Oft wird ein anderer technischer Ansatz erforderlich sein. Dies alles führt schließlich zu einer Entwicklung, die den klimatischen Bedingungen angepasst ist.

Ausblick

Ohne Zweifel muss der Klimawandel in die Entwick­lungsplanung eingehen. Die Herausforderung ist enorm. Die Fachwelt beginnt gerade erst, sich damit auseinanderzusetzen. Je deutlicher der Klimawandel zu spüren ist, desto klarer wird, dass Politiker und Planer seine Folgen antizipieren müssen. Ressourcen werden nur effizient eingesetzt, wenn sie in klima­robuste Programme und Projekte fließen.

Die GTZ hat eine brauchbare und flexible Methode zum Climate Proofing entwickelt, die sich im Einsatz bereits bewährt hat. Aber es bleibt viel zu tun – etwa, um besser zu verstehen, wie sich der Klimawandel auf einzelne Zielgruppen auswirkt. Da Reformen grundsätzlich viel Zeit, Ressourcen und Kraft kosten, sollte Climate-proo­fing aber überall und auf allen Ebenen schnellstmöglich praktiziert werden.