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Handel und Verkehr

Wachsender Frachtverkehr bedroht das Weltklima

von Katja Dombrowski

In Kürze

Ein eigenes Auto – oder wenigstens ein eigens Moped: Für immer mehr Chinesen wird dieser Traum Wirklichkeit.

Ein eigenes Auto – oder wenigstens ein eigens Moped: Für immer mehr Chinesen wird dieser Traum Wirklichkeit.

Mehr Handel bedeutet mehr Güterverkehr. Zudem werden immer mehr Menschen mobiler. Vor allem in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas nimmt der Verkehr stark zu – und mit ihm der CO₂-Ausstoß.

Bis 2050 erwartet das Weltverkehrsforum (International Transport Forum – ITF) der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) einen Anstieg des CO₂-Ausstoßes im internationalen Güterverkehr um 290 Prozent. Grund dafür ist eine Vervierfachung des Frachtvolumens, wie der interstaatliche Thinktank ITF in seinem kürzlich veröffentlichten Transport Outlook schreibt. ITF-Generalsekretär José Viega warnt, dass „das die Klimaziele ernsthaft untergraben“ könne.

Der Studie zufolge werden ungefähr 85 Prozent des gesamten internationalen Frachtaufkommens auf dem Seeweg verschifft. Die Autoren gehen davon aus, dass die wichtigste Route künftig im Nordpazifik liegen wird, da der Handel zwischen Asien und Nordamerika stark zunimmt. Bislang wird die meiste Frachtvolumen über den Nordatlantik, der Nordamerika und Europa verbindet, transportiert. Für den Indischen Ozean sehen die ITF-Autoren eine Vervierfachung des Volumens vorher.

Weitaus umweltschädlicher als der Seeverkehr ist der Straßenverkehr. Er ist für rund die Hälfte des durch den weltweiten Handel verursachten CO₂-Ausstoßes verantwortlich und dieser Anteil wird in den kommenden 35 Jahren auf voraussichtlich 56 Prozent ansteigen. Dabei werden heute nur lediglich sechs Prozent der Fracht auf der Straße transportiert. Bis 2050 werden es dem Transport Outlook zufolge zehn Prozent sein. Die mit Abstand wenigsten Güter werden per Flugzeug bewegt. Die Luftfracht wächst jedoch am stärksten und verursacht relativ gesehen am meisten Luftverschmutzung.

Der Binnengüterverkehr wird laut Bericht besonders deutlich in Afrika und Asien zunehmen: um 715 beziehungsweise 403 Prozent. Auf beiden Kontinenten wird die meiste Fracht auf der Straße transportiert.

Aufgrund des starken Handelswachstums wird der Güter- den Personenverkehr bis 2050 als Hauptquelle von CO₂-Emissionen im landbasierten Verkehr, also auf Straßen und Schienen, ablösen. Dem Transport Outlook zufolge wird dann mehr als die Hälfte des landbasierten Gütertransports in Asien mit seinen großen Wirtschaftsmächten Indien und China erfolgen. Derzeit ist es etwas mehr als ein Drittel.

 

Schwellenländer bestimmen die Zukunft

Die Zukunft des Personenverkehrs und sein Einfluss auf den Klimawandel entscheiden sich dem Bericht zufolge in Städten mit mehr als einer halben Million Einwohner in China, Indien und Lateinamerika. Wenn die Urbanisierung auf die bisherige Weise voranschreitet, werden die Großstädte der Schwellenländer 2050 ein Fünftel der globalen Emissionen aus dem Passagierverkehr verursachen – und ihren Anteil damit gegenüber 2010 mehr als verdoppeln.

Der Bericht skizziert verschiedene Szenarien für den Verkehr in urbanen Zentren. Demnach hat die städtische Verkehrspolitik großen Einfluss auf den CO₂-Ausstoß. Eine Förderung des Individualverkehrs in Lateinamerika würde den Emissionszuwachs um 35 Prozent vergrößern, während eine Urbanisierung, die auf öffentlichem Verkehr beruht, ihn um 31 Prozent reduzieren könnte.

Die Autoren warnen jedoch vor allzu einfachen Antworten. Ein Verbot dreirädriger Rikschas in indischen Städten, die mit ihren Zweitakt-Motoren die Luft verpesten, sei zum Beispiel keine gute Idee. Die Menschen würden schlicht auf Zweiräder umsteigen. Selbst wenn vier von fünf Rikschas von den Straßen verschwänden, würden unterm Strich nur vier Prozent Emissionen eingespart. Das würde die Nachteile für Menschen, die auf Rikschas angewiesen sind, nicht aufwiegen.

Großen Einfluss auf das Verkehrswachstum haben auch die Treibstoffpreise, wobei teurer Sprit die Zunahme verlangsamt. Den größten Erfolg versprechen laut den ITF-Experten aufeinander abgestimmte Strategien in Bezug auf Städtewachstum, Treibstoffpreise und öffentlichen Verkehr. Damit bestehe die Chance, den Anteil des öffentlichen Verkehrs in Lateinamerika und indischen Städten auf dem heutigen Niveau zu halten und den Trend zum Individualverkehr in China deutlich zu abzubremsen.

Auch die Effizienz der globalen Transportsysteme müsse verbessert werden. Die Autoren empfehlen unter anderem, Lieferketten zu optimieren, Fahrzeuge besser auszulasten und mehr Klimaschutzmaßnahmen einzuführen.

Katja Dombrowski

 

Link:
ITF Transport Outlook 2015:

http://www.internationaltransportforum.org/pub/TranspOutlook.html

 

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