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Heutzutage

Radio der Hoffnung

von Patricia Galicia

Heutzutage

Patricia Galicia

Patricia Galicia

Es ist fünf Uhr morgens, wenn Lourdes ihren Tag beginnt. Sie putzt das Haus, knetet das Maismehl für die Tortillas und bereitet ihrem Mann und ihrem 11-jährigen Sohn das Frühstück. Nur so schafft sie es, rechtzeitig um 8 Uhr mit ihrer Arbeit als Radioredakteurin zu beginnen.

Lourdes Tzoc Ramírez ist 31 Jahre alt. Sie lebt in einem Dorf bei Nahualá, im Hochland Guatemalas, rund 190 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Wie die meisten Bewohner hier ist Lourdes Indígena. Sie trägt die bunte Tracht ihres Dorfes und spricht die Mayasprache K’iche.

Das Radio „Stereo Nahualá“, für das Lourdes arbeitet, ist ein dreisprachiges Kultur- und Bildungsradio. Es sendet in den Mayasprachen K’iche, Kaqchikel und auf Spanisch in einer Region, die so arm ist, dass viele ihr Leben aufs Spiel setzen, um in die USA auszuwandern. Viele hier sprechen kein Spanisch. „Stereo Nahualá“ ist ihr Fenster in die Welt und in die Nachbardörfer, und ihre wichtigste Informationsquelle.

Lourdes ist Redakteurin und Moderatorin der Nachmittagssendung „A todo ritmo“. Für die Jugendsendung interviewt sie Schüler, Eltern und Dorfvorsteher über Themen wie Drogenprobleme, Selbstbewusstsein, Jobs oder Liebe. Außerdem begleitet sie die Sendung „Mujer fuente de sabiduría“ (Die Frau als Quelle des Wissens), die sich Rechten und Partizipationsmöglichkeiten von Frauen widmet. Die Hintergrundinformationen dafür sucht sie im Internet.

Lourdes Arbeitstag beginnt mit einem Rundgang durch das Dorf: Sie geht zum Gesundheitszentrum, zur Schule und zum Rathaus und erfährt so Neuigkeiten. Selbst an Wochenenden ist Lourdes oft im Einsatz. Um Dorffeste und -versammlungen im Radio zu übertragen, läuft sie lange Strecken mit schwerem Gepäck, baut Antennen auf, kontrolliert die Technik und führt Interviews.

Radio ist in Guatemala eigentlich eine männliche Domäne. Lourdes gehört zu den wenigen Frauen, die schon seit Jahren einen festen Arbeitsplatz bei Stereo Nahualá haben. Ausgebildete wurde sie ursprünglich als bilinguale Grundschullehrerin (K’iche – Spanisch).  2005 nahm sie an einem Radiokurs teil. Mittlerweile nennt sie den Hörfunk „mein zweites Zuhause“.

Lourdes ist eine Säule ihres Senders. Sie zeigt den Kollegen, wie man Blogs gestaltet oder Nachrichten und Podcasts auf  die Website stellt. „Immer, wenn ich von einer interessanten neuen Technologie höre, bringe ich sie mir bei und zeige sie dann meinen Kollegen“, erzählt sie.

Zudem motiviert sie andere Frauen, sich beispielsweise bei der Radiokommission der lokalen Kirche einzubringen. „Die machistische Kultur hier vermittelt, dass wir Frauen  nichts beitragen können“, berichtet  sie. „Aber ich weiß, dass wir Frauen zu vielem fähig sind. Uns immer wieder selbst zu übertreffen ist ein Weg, die Diskriminierung gegen uns zu besiegen.“

Mittags hastet Lourdes heim, um ihrem Sohn das Essen zu kochen. Und abends, nach einem langen Arbeitstag, kontrolliert sie die Hausaufgaben ihres Sohnes und bereitet das Material für den nächsten Tag vor. „Ich bin glücklich, beim Radio arbeiten zu können“, sagt sie. „So kann ich mit meinem Wissen und Können etwas Gutes für die Gemeinschaft tun.“

 

Patricia Galicia ist Journalistin und Radioredakteurin aus Guatemala-Stadt, Guatemala.
[email protected]