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Energiepolitik

Jenseits von Wasserkraft

von Derrick Silimina

Hintergrund

Wasserkraftwerk am Tanganjikasee in Sambia.

Wasserkraftwerk am Tanganjikasee in Sambia.

Sambia nutzt seit vielen Jahren Wasserkraft. Aber chronische Dürren führen dazu, dass die Staudämme nicht mehr genügend Energie produzieren. Das Land setzt deshalb verstärkt auf andere erneuerbare Energiequellen: Sonne und Wind.

Eigentlich ist Sambia wie geschaffen für die Wasserkraft. Die Wasserströme der gewal­tigen Flüsse Sambesi und Kafue sind eine natürliche, saubere und erneuerbare Energiequelle. Große Wasserkraftwerke decken fast den gesamten Strombedarf Sambias.

Aber sie stoßen immer mehr an ihre Grenzen: Durch chronische Dürren sinken die Wasserstände in den Flüssen so sehr, dass die Stromerzeugung beeinträchtigt wird. Es kam in den vergangenen Jahren zu Engpässen, die fast einem Drittel der Erzeugungskapazität aus Wasserkraft von insgesamt 2 380 Megawatt entsprachen.

Durch die extreme Dürre 2019 sank der Wasserstand im Kariba-Staudamm auf den niedrigsten Pegel seit 1996 und fiel auf zehn Prozent der nutzbaren Speicherkapazität. „Das ist wahrscheinlich die schlimmste Dürre in Sambia seit der Unabhängigkeit“ 1964, sagte Energieminister Matthew Nkhuwa vor dem Parlament.

Laut der US-Entwicklungsbehörde USAID bezieht Sambia 85 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft. Damit hängt das Land von einer Energieform ab, die der Unberechenbarkeit des Wetters unterliegt. Die durch den Klimawandel verursachte Dürre ist jedoch nicht das einzige Problem: Sambia spürt jetzt die Konsequenzen aus fehlenden Investitionen in die Wasserkraftanlagen. Selbst bei ausreichend Regen kann der Strombedarf von Bergbau, verarbeitender Industrie und Landwirtschaft mit der bestehenden Infrastruktur nicht gedeckt werden.

Immer wieder kommt es daher zu langanhaltenden Stromausfällen. Die Hinwendung zu alternativen Energiequellen, vor allem Sonne und Wind, soll Abhilfe schaffen. Solar- und Windkraftprojekte haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können kleiner und dezentraler errichtet werden als die meisten Staudämme – und sie können an Mikronetze angeschlossen werden, die Strom in unterversorgte Gegenden bringen. Das ist in Sambia besonders wichtig: Nach Angaben von USAID haben nur vier Prozent der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Elektrizität.


Einstieg privater Investoren

Der Großteil des sambischen Stroms wird vom staatlichen Versorgungsunternehmen Zesco produziert und verteilt. Um nicht nur die Vielfalt der Energiequellen, sondern auch die der Finanzmittel zu erhöhen, hat Sambia seinen Energiesektor inzwischen für private Investoren geöffnet.

Die Sambesi-Flussbehörde vergab 2019 einen Auftrag an ein Konsortium unter der Führung von General Electric und Power China zum Bau eines Wasserkraftwerks im Wert von 4 Milliarden Dollar in der Batoka-Schlucht. Mit der Internatio­nalen Finanz-Corporation (IFC) der Weltbank unterzeichnete Sambia eine Vereinbarung zur Entwicklung von zwei großen Solarprojekten. Auf eine Ausschreibung im Rahmen des „Scaling Solar“-Programms der IFC gab es mehrere Bewerbungen. Beide Anlagen gingen 2019 in Betrieb; laut IFC bieten sie die bisher niedrigsten Solarstrompreise in Afrika.

Auch im Bereich Windenergie gibt es vielversprechende Pläne. Im November 2019 initiierte der Energieminister ein 200-Megawatt-Windkraftprojekt in Katete in der Ostprovinz, der Baubeginn ist für 2021 geplant. Es ist die erste Phase des größeren Windprojekts Unika 1, das von privaten Investoren finanziert werden soll.

Diese Projekte werden dringend benötigt. Stromausfälle machen Sambias ohnehin schwacher Wirtschaft zu schaffen. Die chronische Stromknappheit betrifft jeden, von Privatpersonen über Kleinbetriebe bis hin zu den großen Bergbauunternehmen (siehe Kasten). Die Energiegewinnung aus diversifizierten Quellen könnte auch zu einem Sinken der Strompreise für die Verbraucher führen. Das kriselnde Unternehmen Zesco musste Ende 2019 die Preise um bis zu 200 Prozent erhöhen – auch, um importierten Strom aus Südafrika zu bezahlen.

Die Stromkunden sind verärgert, weil sie trotz der Probleme draufzahlen müssen. „Mein Geschäft ist wegen der Stromausfälle am Ende“, sagt die 32-jährige Lucy Mbewe, die einen Friseursalon in der Hauptstadt Lusaka betreibt. „Die Regierung sollte in andere erneuerbare Energien investieren, anstatt immer vom Kariba-Staudamm abhängig zu sein.“


Quelle
Faktenblatt von USAID:
https://www.usaid.gov/powerafrica/zambia


Derrick Silimina ist freier Journalist in Lusaka, Sambia. Seine Themenschwerpunkte sind die sambische Landwirtschaft und Nachhaltigkeitsfragen.
[email protected]

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