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Digitale Kluft

Aufbruch an der Ostküste

von Claudia Isabel Rittel
Entlang der Ostküste Afrikas werden derzeit die Voraussetzungen für eine hochwertige Internetverbindung über Glasfaserkabel geschaffen. Bisher sind die Länder im Osten des Kontinents über Satelliten an das weltweite Datennetz angeschlossen. Doch das ist teuer und langsam. Bald wird sich das ändern: Mit fast 32 000 Kilometern Glasfaserkabel.

Glasfaserkabel sind die Datenautobahnen des digitalen Zeitalters. Sie sind nur wenige Zentimeter dick, dafür aber sehr lang: Zehntausende Kilometer Kabel liegen auf dem Grund der Weltmeere und verbinden Europa, Asien, Australien, Nord- und Südamerika. Auch an der Küste Westafrikas führt eine Leitung vorbei. Ausgespart blieb bisher aber der Osten Afrikas. Eine Verbindung ins Internet ist hier bisher nur über Satellit möglich.

Doch wer keinen Zugang zu den Hauptschlagadern des Datenflusses hat, hat gleich mehrere Nachteile. Der Anschluss per Satellit ist teurer und langsamer, weil die Daten viel längere Entfernungen zurück­legen müssen und die Verbindung nicht immer einwandfrei funktioniert. Bei starken Stürmen müssen die Satellitenverbindungen sogar abgeschaltet werden. Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, lassen sich so nicht ausschöpfen.

„Derzeit gibt es hier überhaupt keinen Internethandel“, sagt Hanif Abdulrasul. Er betreibt seit achtzehn Jahren eine Werbe­agentur in der tansanischen Küstenmetropole Daressalaam. Von der Verbindung über Glasfaserkabel verspricht er sich viele Veränderungen.

„Im Moment können wir keinerlei Druckaufträge über Internet erteilen“, meint er und fügt an, dass Webseiten bisher nur der Repräsentanz dienten. „Mit einer stärkeren Bandbreite aber werden wir auch online Bestellungen und Druckaufträge annehmen können.“ Er ist davon überzeugt, dass sich auch neue Firmen gründen werden, die das Internet nutzen. Schließlich würden die Preise bald hoffentlich um die Hälfte sinken.

Im Moment sind die Kosten für den Internetzugang enorm. Serverhosting, also das Mieten von Rechnern und Bandbreite, kostet in Tansania rund 500 Dollar pro Monat bei einer Geschwindigkeit von 128 Kilobytes pro Sekunde. „Das ist etwa so viel wie ein extrem guter DSL-Anschluss in Deutschland“, meint Carsten Seth von der deutschen Webagentur „Netzlaboranten“.

Für ähnliche Dienste zahlen Firmen in Deutschland laut Seth nur rund 50 Euro – und das bei einer weitaus schnelleren Verbindung. Für eine solche werden in Tansania in Zukunft gleich drei Ozean-Kabel sorgen. Sie sollen das Internet schneller, billiger und zuverlässiger machen und damit den digitalen Graben überwinden, indem sie die Computer Ostafrikas an die weltweiten Datenautobahnen anschließen.

Das TEAMS-Kabel, das Kürzel steht für „The East African Marine Systems“, weihte der kenianische Präsident Mwai Kibaki Mitte Juni feierlich ein. Dieses knapp 5000 Kilometer lange Kabel wird die kenianische Hafenstadt Mombasa mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und von dort mit dem globalen Glasfasernetz verbinden. Initiiert haben es die VAE und Kenias Regierung. Mit im Boot ist aber auch eine Reihe von privaten Unternehmen, die schnelle Datenverbindungen brauchen.

Die beiden anderen Kabel werden den Datentransfer gen Süden sicherstellen: Das East African Marine Cable System (EASSy) soll von Südafrika an der Ostküste und am Horn von Afrika entlang durch das Rote Meer bis Port Sudan verlegt werden. Die Idee entstand schon 2003 unter Beteiligung verschiedener Entwicklungsbanken und afrikanischer Telekommunikationsanbieter. Doch die Umsetzung zog sich so lange hin, dass die kenianische Regierung 2006 mit TEAMS ein eigenes Projekt startete.

Alle drei Kabel treffen sich in Kenia: Schon fertig verlegt ist ein weiteres Kabel zwischen Südafrika und Mosambik. Hinter dem Betreiber Seacom stehen in erster Linie amerikanische Privatinvestoren. Derzeit wird die Verbindung überprüft. Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im kommenden Jahr soll sie dann hochwertige Bilder über den Globus schicken.

Die Verbindungen gehen an verschiedenen Küstenorten an Land. Von dort wird das Binnenland erschlossen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. In Sambia, das im Inneren des Kontinents liegt, sind schon Glasfaserkabel zwischen verschiedenen Städten verlegt, die Verbindung mit angrenzenden Ländern ist in Planung.

Inwieweit die einfache Bevölkerung von den Großprojekten profitieren wird, ist noch nicht abzusehen. Die kenianische Regierung strebt den Aufbau digitaler Dörfer an, die technischen Service und Weiterbildungsangebote miteinander verbinden sollen. Darum kümmern sollen sich Privatunternehmen, die die Regierung mit Dreijahreskrediten fördert. Mit dem Kenya ICT-Board hat die Regierung eine Stelle geschaffen, die das koordinieren soll. Denn sie verspricht sich von dem Sprung ins schnelle Internet viel. Vor allem hofft sie auf Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung per Ozean-Kabel, durch Call-Center beispielsweise, wie es viele andere englischsprachige Billiglohnländer vormachen.

Kencall heißt ein bereits etabliertes Call-Center in Kenia. Doch die technischen Voraussetzungen sind weitaus schlechter als zum Beispiel die der indischen Konkurrenz. Von Wettbewerbsfähigkeit kann da nicht die Rede sein. Um 25 Mitarbeiter zu beschäftigen, meint Kencall-Chef Nicolas Nesbitt, müsste man in Kenia fast 17 000 Dollar an Internetgebühren bezahlen. Andere Länder, die im Call-Center-Geschäft engagiert sind, bezahlen ihm zufolge für die gleichen Dienste aber nur zwischen 600 und 1000 Dollar.

Wenn die hochwertigen Verbindungen aber erst einmal stehen, wird das Geschäft mit den Call-Centern stark expandieren, gibt er sich überzeugt. Und dabei entstünden viele Arbeitsplätze.

Claudia Isabel Rittel