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Zwangsarbeit

Sklaverei, die nicht so heißt

von Thuany Rodrigues

Heutzutage

Sklaverei ist in Brasilien seit mehr als 100 Jahren verboten. Doch sklavereiähnliche Arbeitsbedingungen – wie Arbeit ohne Lohn und ohne die Möglichkeit, zu entkommen – gibt es auch heute noch.

Laut offiziellen Daten haben staatliche Behörden zwischen 2003 und 2018 rund 45 000 Menschen aus sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit – im Durchschnitt mehr als acht Arbeiter pro Tag. Weitere 1054 De-facto-Sklaven wurden 2019 aus 111 verschiedenen Arbeitsorten gerettet.

Viele von ihnen sind Binnenmigranten, die ihre Heimat verlassen haben, um Arbeit in den landwirtschaftlichen Wachstumsregionen zu suchen. Eingesetzt werden sie in der Tierhaltung, der Kohleproduktion, der Abholzung von Wäldern oder dem Anbau von Produkten wie Zuckerrohr, Soja oder Baumwolle. Wer neu hinzukommt, muss zunächst Geld für einen Arbeitsplatz bezahlen – und ist dadurch bereits vor der ersten Lohnzahlung verschuldet. Die Arbeitszeiten sind meistens lang, ohne bezahlte Pausen. Manchmal fehlen auch Toiletten.

Sklaverei kommt hauptsächlich in abgelegenen ländlichen Gebieten vor, aus denen es schwer ist zu entkommen. Im Bundesstaat Minas Gerais im Südosten Brasiliens wurden 2018 849 Zwangsarbeiter befreit, gefolgt von Pará im Norden, wo es 159 waren.

Ein Fall machte das Problem im Dezember 2020 öffentlich bekannt. Madalena Gordiano, eine 46-jährige schwarze Hausangestellte, wurde nach 38 Jahren befreit. Sie hatte seit ihrem achten Lebensjahr unter sklavenähnlichen Bedingungen gearbeitet. Ihre Rettung wurde möglich, weil sie bei Nachbarn geklopft und um Essen gebeten hatte. Die Familie bat sie ins Haus und informierte die Behörden.

Die Geschichte führte zu einem Aufschrei in ganz Brasilien. Es kam heraus, dass Gordiano aus der Schule genommen und gezwungen worden war, unbezahlte Hausarbeit im Gegenzug für Unterkunft, Essen und Kleidung zu verrichten. Sie schlief in einem kleinen Raum ohne Fenster und hatte weder Telefon noch Fernseher. Ihr einziger Besitz waren drei T-Shirts. Sie durfte nicht mit den Nachbarn reden. Manche wussten jedoch über ihre Situation Bescheid, weil sie ihnen Zettel unter der Tür durchschob, auf denen sie nach Geld fragte, um Seife oder andere Dinge für den persönlichen Bedarf zu kaufen.

Die meisten Opfer von Zwangsarbeit in Brasilien sind zwischen 18 und 24 Jahren alt. Viele sind Analphabeten oder nur wenige Jahre zur Schule gegangen. Offiziellen Angaben zufolge waren 80 Prozent der Arbeiter, die zwischen 2016 und 2018 aus Zwangsarbeit befreit wurden, schwarz. Von ihnen war die Mehrheit männlich (91 Prozent), zwischen 15 und 29 Jahren alt (40 Prozent) und stammte aus dem Nordosten (46 Prozent).

Präsident Jair Bolsonaro sagte 2019 bei der Einführung neuer Arbeitsschutzvorschriften, es sei Aufgabe des Nationalkongresses, Gesetze zu erlassen, um das bestehende Sklavereiverbot umzusetzen. Doch im November 2020 lehnte er einen Vorstoß ab, Landbesitzern ihr Land wegzunehmen, deren Arbeiter wie Sklaven leben. Die Bedingungen bestehen daher fort – auch wenn die Sklaverei offiziell 1888 abgeschafft wurde.


Thuany Rodrigues ist Journalistin in Brasilien.
[email protected]

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