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Covid-19

Extreme Erschöpfung

von Thuany Rodrigues

Heutzutage

Im Zuge der Covid-19-Krise leiden viele brasilianische Arbeitnehmer an arbeitsbedingtem Burnout. Die Hauptursachen sind erhöhte Arbeitsbelastung, schwierige Arbeitsbedingungen, Angst vor Ansteckung und die psychischen Auswirkungen der Isolation, für diejenigen, die von zu Hause aus arbeiten.

Die Symptome von Burnout sind extreme körperliche und geistige Erschöpfung, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Die brasilianische Forschungseinrichtung Oswaldo-Cruz-Stiftung (Fiocruz) befragte brasilianische Arbeitnehmer. Fast die Hälfte gab an, während der sozialen Isolation einige Symptome von Burnout gehabt zu haben.

Burnout ist im Gesundheitswesen am weitesten verbreitet. In diesem Bereich sind 78 Prozent der Beschäftigten in unterschiedlichem Maße davon betroffen, so eine Studie aus 2020 von PebMed, einem brasilianischen Start-up-Unternehmen, das Apps für Ärzte und Krankenschwestern entwickelt.

Wissenschaftlichen Erhebungen zufolge zeigt etwa jeder sechste Beschäftigte im Gesundheitswesen Anzeichen eines schweren Burnouts. Der Grund dafür ist offensichtlich: Pflegekräfte und Ärzte sind unmittelbar mit der Pandemie konfrontiert, betreuen Massen an Erkrankten, erleben den Schmerz über den Verlust von Patienten und Kollegen und müssen mit ihren eigenen Ängsten vor einer Ansteckung klarkommen.

Die Logopädin Thamires Avellar führt Rehamaßnahmen mit hospitalisierten Covid-Patienten in Rio de Janeiro durch und ist von Burnout betroffen. „Es gibt Tage, da arbeite ich eine Schicht nach der anderen und habe Probleme, mich zu konzentrieren“, sagt sie. „Manchmal gehe ich auf die Toilette und weine, weil ich mich machtlos fühle, etwas zu ändern. In solchen Momenten fehlt mir sogar der Lebenswille. Die Menschen haben keine Ahnung, wie sich dieser Druck auf unsere Psyche auswirkt.“

Avellar ist nicht allein. Die Psychologin Patricia Marquezelli sagt, dass das Gefühl, bei der Arbeit überfordert zu sein, oft auch auf das Privatleben der Beschäftigten im Gesundheitswesen übergreift. Medikamente und andere Therapien könnten helfen, Depressionen und Angstzustände zu lindern, fügt sie hinzu. Aber auch eine Veränderung des Arbeitsumfelds und tägliche Entspannung sind hilfreich.

Vor allem aber sei es wichtig, Hilfe zu suchen, sagt Marquezelli. „Wenn wir merken, dass etwas mit unserer Psyche nicht in Ordnung ist, müssen wir Vorurteile beiseitelassen und Experten aufsuchen. Psychische Gesundheit ist essenziell für gutes Arbeiten.“

Angestellte, die von zu Hause aus arbeiten – in Brasilien sind dies nach Erhebungen etwa 11 Prozent der 74 Millionen Beschäftigten des Landes –, leiden ebenfalls unter Burnout. Die meisten Unternehmen hatten keine Zeit, herauszufinden, wie man im System Homeoffice effizient arbeiten kann. Das führte zu einem gewissen Chaos und Stress, was durch die soziale Isolation der Arbeitnehmer verstärkt wurde.

Die Apothekerin Patricia Andreolli sieht die Folgen. Die Nachfrage nach Medikamenten gegen Angstzustände sei sprunghaft angestiegen: „Ich glaube, die Menschen sind erschöpft, haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und sind in Sorge, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt sie.


Thuany Rodrigues ist Journalistin in Brasilien.
[email protected]

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