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Grenzen

Reisende erpressen

von Ibrahim Orèd'Ola Falola

Heutzutage

Laut offizieller Regelungen sollten Grenzüberquerungen in Westafrika einfach sein. Man braucht nur einen gültigen Ausweis und einen Impfpass. Aber vor Ort sind die Dinge komplizierter, und viele Leute müssen ihre Geldbörse öffnen, um mittels Bestechung über die Grenze zu gelangen.

Laut Gesetz haben alle Bürger der Mitgliedsstaaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) das Recht, in jedes andere Mitgliedsland zu reisen und dort bis zu 90 Tage zu bleiben. Sie brauchen auch nicht für eine Aufenthaltsgenehmigung zu zahlen. Reisende benötigen lediglich gültige Dokumente und ein internationales Gesundheitszeugnis. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Ein togolesischer Student, der in Ghana lebt, beklagt sich, dass er bei jedem Grenzübertritt den ghanaischen Grenzbeamten bestechen muss. „Ob man gültige Papiere hat oder nicht, ist ganz egal – du musst 1000 CFA-Francs bezahlen“; das sind etwa 1,50 Euro. Ein Lastenträger sagt immerhin, die Grenzbeamten würden reguläre Reisende nur „manchmal“ zu Bestechungen zwingen.

Ähnliche Beschwerden hört man an der Grenze von Benin zu Togo. „Das ist eine organisierte Mafia. Sie teilen das Geld mit ihren Bossen“, sagt ein nigerianischer Händler.

Theoretisch sind die Grenzen offen für Menschen mit Ausweisdokumenten und geschlossen für alle anderen. In der Praxis jedoch werden Leute ohne gültige Papiere einfach genötigt, Geld zu bezahlen. Die Höhe schwankt zwischen 300 und 1000 CFA-Francs. Das hört sich nicht nach viel an, ist aber für die Geringverdiener aus jener Weltregion eine erhebliche Summe. Manche Menschen müssen sie zudem sehr oft zahlen. „Die Polizei nimmt mehr als 1000 CFA-Francs pro Tag“, beschwert sich ein Händler aus Benin, der die Grenze jeden Tag überquert. „Ich kann mir keinen Pass besorgen, weil ich keine Geburtsurkunde habe.“ Der Mann verkauft Räucherfisch auf einem Markt in Lomé. Diese Stadt – Togos Hauptstadt – liegt nahe der Grenze.

In Benin machen Beamte des Gesundheitswesens ebenfalls für Geld das Reisen möglich. Ein lokaler Geschäftsmann erklärt: „Sie checken nicht einmal, ob dein Impfpass noch gültig ist, sie wollen nur Geld.“ Er erzählt, dass er einmal eine Quittung dafür forderte, aber da wurde ihm gesagt: „Hau ab, wenn du keinen Ärger willst.“

Grenzübertritte nur gegen Bezahlung sind ein ernstes Problem. „Diese illegalen Gelder fehlen den Haushalten der jeweiligen Staaten“, meint Bassir Talaki, ein Steuerberater aus Togo. „Tausende von Reisenden überqueren jeden Tag die Grenzen“, sagt er. „Wo landet das ganze Geld?“


Link
ECOWAS – Reisefreiheit von Personen:
https://www.uneca.org/pages/ecowas-free-movement-persons

Ibrahim Ored’Ola Falola ist Journalist und lebt in Lomé, Togo.
[email protected]

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