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Welternährung

Schwache Abschlusserklärung

von Ellen Thalman

In Kürze

Philippinerin demonstriert gegen hohe Reispreise

Philippinerin demonstriert gegen hohe Reispreise

Getreide und Sojabohnen erzielen jetzt schon Rekordpreise – und dennoch prognostizieren die Vereinten Nationen, dass die Preise in den nächsten Jahren weiter in die Höhe gehen werden. Diesem Problem war deshalb der Welternährungs-Gipfel der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Anfang Juni gewidmet. Statt darüber zu diskutieren, arteten die Debatten aber in einen Streit über Biotreibstoff und Exportbeschränkungen aus.

Die Abschlusserklärung war schwach: Es wurde lediglich dazu aufgerufen, die Exportbeschränkungen aufzuheben und die Nahrungsversorgung für alle Menschen sowohl heute als auch in Zukunft sicherzustellen. Trotzdem zeigten die Delegierten, dass sie die kürzlich ins Leben gerufene UN-Initiative zur Förderung der Landwirtschaft ebenfalls stark unterstützen.

Eine ganze Reihe von Ländern kündigte an, den Kampf gegen den Hunger und die Entwicklung der Landwirtschaft finanziell zu unterstützen. Laut FAO belaufen sich die Hilfen insgesamt auf 18,36 Milliarden Dollar. 6,06 Milliarden davon wurden bereits im Vorfeld der Konferenz zugesagt. So verpflichteten sich unter anderem Frankreich und die Islamische Entwicklungsbank (IsDB) zu einer Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die USA wollen in diesem und im nächsten Jahr fünf Milliarden Dollar bereitstellen. Spanien und Großbritannien sagten über die nächsten vier Jahre 773 Millionen beziehungsweise 590 Millionen Dollar zu.

Bereits vorher hatte die UNO verlauten lassen, dass sie das erste Mal nach 25 Jahren wieder in die Landwirtschaft investieren wolle. Die ersten 17 Millionen Dollar wurden dabei im Juni in Saatgut, Dünger und Werkzeugen angelegt. Nach Schätzungen der FAO sind für die Pflanzsaison bis 2009 allerdings ca. 1,7 Milliarden Dollar nötig, damit die lange vernachlässigten landwirtschaftlichen Systeme – insbesondere in Afrika – wieder auf die Beine kommen.

Nach wie vor ist jedoch strittig, wie genau die Produktivität angekurbelt werden kann. Die USA befürworten den Einsatz genetisch manipulierter Produkte, was die Europäer aber ablehnen.

Am meisten ging auf dem Gipfel die Meinung über die Nutzung von Agrarprodukten zur Herstellung von Biotreibstoff auseinander. Die FAO behauptet, dass die Nachfrage nach Biosprit für bis zu 30 Prozent der jüngsten Preisrekorde verantwortlich ist. Die USA hielten dagegen: Für sie sind nur etwa drei Prozent der Preissteigerung nachweislich auf die Produktion von Biotreibstoff zurückzuführen. So wie die USA, führten auch Brasilien und mehrere europäische Länder an, dass Biotreibstoff nicht der Hauptgrund für die steigenden Preise sei. Vielmehr seien hohe Ölpreise, schlechtes Wetter, der steigende Bedarf der Entwicklungsländer und Exportbeschränkungen wesentliche Mitverursacher.

In der Deklaration des Welternährungsgipfels verlangen die Konferenzteilnehmer deshalb auch nur, den Dialog zu fördern und sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten von Bioenergien zu beschäftigen. Des Weiteren fordern die Delegierten gründliche Untersuchungen über die „Nachhaltigkeit“ der Biotreibstoff-Produktion und die mögliche Bedrohung für die Sicherung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung.

In seiner Eröffnungsrede vor den Delegierten beklagte der Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf, die Verwendung von Subventionen. Viele Gelder würden ausgegeben, um Getreide dem menschlichen Verzehr zu entziehen und dafür den Treibstoff-Durst von Autos zu befriedigen. Diouf forderte anschließend die Staatsoberhäupter auf, 30 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der Agrarproduktion bereitzustellen. Damit könne 862 Millionen hungernden Menschen zum fundamentalsten Menschenrecht verhelfen werden – dem Recht auf Nahrung und damit dem Recht auf Leben. Diouf warnte davor, dass durch Hunger ausgelöste Krisen in Zukunft „eine Bedrohung für den Weltfrieden und die Sicherheit“ darstellen könnten, wenn jetzt nichts dagegen unternommen werde.

Ein weiterer Zankapfel auf dem Gipfel waren die Exportbeschränkungen für Lebensmittel. Vor Kurzem haben einige der weltgrößten Produzenten von Getreide, Reis und Sojabohnen – darunter Argentinien, Russland, Indien, Ägypten, China und Vietnam – ihre Exporte zurückgefahren. Gemeinsam versuchten mehrere Länder zu verhindern, dass diese Handelssperren in der Abschlusserklärung erwähnt würden.

Nichtregierungsorganisationen wie “Brot für die Welt”, der Evangelische Entwicklungsdienst und FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk) übten anschließend Kritik. Die Konferenz sei insgesamt eine „vertane Chance“, so ihr Urteil. Das Ziel der Konferenz, nämlich der Versuch, die Auswirkungen des Klimawandels und der Agrarkraftstoffe auf die weltweite Lebensmittelversorgung anzugehen, sei nicht erreicht worden.


Ellen Thalman