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Gesundheitsversorgung

Weckruf an die Geldgeber

von Florian Gaisrucker

In Kürze

Tuberkulose-Patientin in einem Krankenhaus in Kamerun.

Tuberkulose-Patientin in einem Krankenhaus in Kamerun.

Die Nichtregierungsorganisation Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen – MSF) beklagt einen Rückgang der Finanzierung für Gesundheitsprogramme zur Bekämpfung von HIV/Aids und Tuberkulose. Laut einem aktuellen Bericht hat dies bereits negative Auswirkungen und macht bisherige Erfolge zur Eindämmung der Krankheiten zunichte.

Die Studie nimmt exemplarisch neun Entwicklungsländer unter die Lupe. Laut MSF ist die Bevölkerung in vielen Ländern Subsahara-Afrikas bis zu 20 Prozent mit HIV/Aids infiziert. Schlüssel zur Eindämmung der Krankheit seien frühzeitiges Erkennen und sofortige Behandlung. Tuberkulose (TB) gilt als wichtige Folgekrankheit von HIV-Infektionen. 2017 seien 10 Millionen Menschen neu an TB erkrankt, von denen neun Prozent HIV-positiv waren. In mehr als 500 000 Fällen seien Antibiotika-Resistenzen aufgetreten.

MSF klagt, der Finanzaufwand zur Bekämpfung von HIV/Aids und TB bleibe hinter dem Bedarf zurück. Im Kontext der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien 2016 bis 2020 jährlich mindestens 26 Milliarden Dollar für nötig befunden worden. Davon seien 2018 nur 19 Milliarden geflossen – 1 Milliarde weniger als 2017.

Die zwei wichtigsten Geber für HIV/Aids- und TB-Programme sind der Globale Fonds, der zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria geschaffen wurde und sich auf Mittel staatlicher und privater Geber stützt, und die US-Initiative PEPFAR (President´s Emergency Plan For Aids Relief). MSF klagt, auch diese beiden Quellen stellten weniger zur Verfügung.

Der Global Fund und PEPFAR fordern laut MSF-Bericht, die betroffenen Länder sollten die eigenen Investitionen in ihr Gesundheitswesen erhöhen. Dazu zählen die Beschaffung von Medikamenten und die Finanzierung des Personals. Um universelle Gesundheitsversorgung sicherzustellen, seien aber bis 2030 jährliche Investitionen in Höhe von bis zu 370 Milliarden Dollar nötig. Der MSF-Bericht stellt klar, Länder mit schwacher Wirtschaft und geringen Steuereinnahmen seien überfordert.

Manche betroffene Länder – darunter die Zentralafrikanische Republik oder die Demokratische Republik Kongo – kämpfen ihm zufolge obendrein mit den unterschiedlichen humanitären, geopolitischen und ökonomischen Problemen wie:

  • Krankheitsausbreitung durch Flüchtende,
  • Ausfälle in der Landwirtschaft wegen Dürren oder Fluten und
  • Korruption.

Der Rückgang internationaler Mittel für Gesundheitsfinanzierung könne die erreichten Erfolge im Kampf gegen Aids und TB zunichtemachen, warnen die MSF-­Autoren. Zu den Folgen zählten Behandlungspausen oder -abbrüche (was zu Resistenzen gegenüber TB-Medikamenten führe) und geringere Glaubwürdigkeit von Ärzten und Gesundheitssystem. In einigen Ländern steige sogar die Zahl der Neuerkrankungen wieder an.

Das Ziel, HIV/Aids und TB als globale Gesundheitsbedrohungen in den Griff zu bekommen, sei noch in weiter Ferne. Es gebe zwar in manchen Ländern vielversprechende Fortschritte, das reiche aber nicht und gelte nicht überall.
Unter anderem fordert die MSF-Pu­blikation:

  • die Fortführung der TB-Behandlungen mit dem heutigen Stand,
  • die Einrichtung einer Nothilfe, um Versorgungsengpässe zu überwinden, und
  • stärkere Unterstützung von Projekten örtlicher Gemeinschaften.

Nach Meinung von MSF sollten Weltbank und andere Geber Finanzierungsins­trumente und Bedingungen schaffen, damit private Unternehmen in das öffentliche Gesundheitswesen investieren, etwa indem sie Krankenhäuser bauen und betreiben. Regierungen und Gesundheitsministerien in Entwicklungsländern müssten dabei die effiziente und effektive Mittelverwendung nachweisen, fordert der MSF-Bericht. Er regt an, betroffene Akteure sollten neue Strategien formulieren.

Die humanitäre Organisation spricht sich nicht grundsätzlich gegen den Wechsel der Gesundheitsfinanzierung von der internationalen auf die nationale Ebene aus. Es müsse aber überprüft werden, welche Auswirkungen das habe. Beeinträchtigungen sowohl des Versorgungsumfangs und der Versorgungsqualität seien zu befürchten. Internationale Geber einschließlich Global Fund und PEPFAR müssten Entwicklungsländer so unterstützen, dass das Gesundheitswesen nicht beeinträchtigt werde.


Link
Médecins Sans Frontières, 2019: Burden Sharing or burden shifting? How the HIV/TB response is being derailed.
https://www.msf.org/burden-sharing-or-burden-shifting

Florian Gaisrucker war im 4. Quartal 2019 Praktikant bei E+Z/D+C.
[email protected]

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