Klimakrise

Die Klimakrise verschärft sich weiter

Hitzewellen brechen weltweit Temperaturrekorde. Die Schäden sind enorm. Trotzdem werden Klimaschutzmaßnahmen aufgeschoben, um die Wirtschaft nicht zu schwächen. Manche Politiker nennen das Pragmatismus. In Wirklichkeit führt es in die Katastrophe.
Smog in New York City im Juni 2023. picture-alliance/ASSOCIATED PRESS/Seth Wenig Smog in New York City im Juni 2023.

Der Sommer setzte in diesem Jahr früh ein. Weltweit wurden viele Regionen von Rekordtemperaturen ereilt. Shanghai etwa verzeichnete am 29. Mai mit 36,7 Grad Celsius den heißesten Maitag seit 100 Jahren. Singapur verbuchte am 13. Mai die höchste Temperatur des Monats seit 1983. Und in Vietnams nördlicher Provinz Thanh Hoa wurde bereits am 6. Mai mit 44,1 Grad Celsius die bisher höchste Temperatur gemessen.

Auch Länder wie Indien, Bangladesch, China, Thailand und Laos erlebten im April eine der schlimmsten Hitzewellen. In Dhaka schmolzen Straßenbeläge, Schulen wurden geschlossen, und Parlamente konnten nicht arbeiten. In Indien kam es zu Hitzetoten. Nicht einmal die ersten Gepardenjungen seit Jahrzehnten blieben verschont.

Auch im Mittelmeerraum lagen Temperaturen bis zu 20 Grad über den normalen April-Werten. Betroffen waren vor allem Spanien, Portugal, Marokko und Algerien.

Außergewöhnlich hohe Hitze erhöht auch die Gefahr für Waldbrände: Mehr als 54 000 Hektar Wald standen wochenlang im russischen Ural in Flammen, während Rauch von kanadischen Waldbränden den Nordosten der USA in Smog hüllte.

Und es wird noch schlimmer. Die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen (WMO) erwartet, dass die globalen Durchschnittstemperaturen in den nächsten fünf Jahren auf Rekordniveau ansteigen. Es besteht eine Zweidrittel-Wahrscheinlichkeit, dass die im Pariser Abkommen festgelegte Zielmarke von 1,5° C über dem Industrieniveau überschritten wird.

Komplexe Wettermuster im Pazifischen Ozean spielen dabei eine Rolle. Bisher kühlende Muster wie La Niña werden laut der WMO zunehmend von der heißeren El-Niño-Wetterlage verdrängt. Die Prognose ist eindeutig. Die Kombination aus steigenden Treibhausgasemissionen und El Niño wird den Planeten weiter aufheizen.

Schlimme Folgen

Der Copernicus-Klimawandeldienst (C3S) der EU geht davon aus, dass 2022 mehr als 20 000 Menschen in Europa durch Hitzewellen starben. Allein in Südeuropa mussten die Menschen an 70 bis 100 Tagen extreme Hitze ertragen. Sogar im Vereinigten Königreich herrschten mit mehr als 40 Grad noch nie da gewesene Temperaturen.

Zwar sind Menschen in (sub-)tropischen Ländern hohe Temperaturen eher gewohnt. Viele von ihnen arbeiten jedoch im Freien und sind extremen Witterungsbedingungen unmittelbar ausgesetzt. Kommt hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, kann der menschliche Körper nur noch eingeschränkt Hitze absondern. Das Überleben kann dann von sofortiger Kühlung abhängen. Klimaanlagen sind jedoch für die am meisten gefährdeten Menschen nicht verfügbar, ebenso wenig wie Ventilatoren.

Hinzu kommen Stromausfälle. Sie werden auch für wohlhabendere Menschen zum Problem. Es mutet zynisch an, dass viele Länder ausgerechnet auf fossile Brennstoffe setzen, um stabile Stromnetze zu garantieren. Sie mögen auf kurze Sicht helfen, langfristig aber verschärfen sie die Lage. Die Wissenschaft warnt seit langem, dass die Klimakrise sich dramatisch auf Gesundheit, Ernährungssicherheit und den Zugang zu Wasser auswirken wird.

Anpassen können sich Menschen und andere Lebewesen dabei nur begrenzt. Menschen müssen für die Gefahren von extremer Hitze sensibilisiert werden. Entscheidend ist auch, energieeffiziente und kostengünstige Kühlmöglichkeiten für Büros und Wohnungen zu entwickeln.

Die größte Rolle spielt aber, dass es nicht noch heißer wird. Umso beunruhigender ist, dass reiche Nationen mit hohem Pro-Kopf-Fußabdruck zaudern und zurückrudern: Während die britische Regierung die Dringlichkeit ihrer Klimaschutzmaßnahmen hinterfragt, ringt sich Deutschland nicht dazu durch, endlich ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen und Raser zu stoppen. Und die Republikaner in den USA setzen alles daran, ethische Anlagestrategien zu diskreditieren, die höhere ökologische, soziale und staatliche Standards (ESG) setzen.

Ein Argument vieler Politiker: Drastische Maßnahmen überfordern die Wirtschaft. Sie nennen das „Pragmatismus“ – doch in Wirklichkeit führt es geradewegs in die Katastrophe. Schon heute zögern Versicherungsgesellschaften, Häuser in Kalifornien zu versichern, weil sie die Klimarisiken nicht genau einschätzen können. Auch sie wissen, dass Schäden zunehmen werden.

Es muss sich etwas tun, und zwar schnell. Wohlhabende Nationen mit Ressourcen im Überfluss und hohen Pro-Kopf-Emissionen müssen den Weg weisen.

Roli Mahajan ist Journalistin und lebt in Lucknow, Indien.
roli.mahajan@gmail.com

 

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