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Grundschulen

Bildung bleibt auf der Agenda

von Niels Breyer

Meinung

Schulkinder in Sierra Leone im Jahr 2011.

Schulkinder in Sierra Leone im Jahr 2011.

Das UN-Millenniumsziel 2 (MDG2 für Millenium Development Goal 2) war, bis 2015 allen Kindern Zugang zur Grundschule zu verschaffen. Das ist zwar nicht komplett erfüllt worden, aber es hat bemerkenswerte Fortschritte gegeben. Aus Sicht der Vereinten Nationen sowie der Bundesregierung muss noch mehr geschehen.

Global ist der Anteil der Kinder mit Grundschulbildung auf 90 Prozent gestiegen. Besonders für Mädchen ist die Lage besser geworden. Die größten Fortschritte verzeichnen Sub-Sahara-Afrika, Ozeanien, Südasien und Nordafrika. Aber es gibt weiterhin viel zu tun. Die Zahl der Analphabeten bleibt weltweit hoch; 250 Millionen Kinder können weiterhin nicht lesen und schreiben.

Hohe Schulabbruchsquoten zeigen zudem, dass die Qualität der Bildung mehr Augenmerk verdient und mehr Investitionen in Lehreraus- und -fortbildung erfordert. Es klafft auch immer noch eine große Schere auf zwischen Stadt und Land. Die vielen Konflikte auf der Welt erschweren die Lage zusätzlich, denn der Zerfall von Staatlichkeit macht Erfolge wieder zunichte.

Dass für Bildungserfolge Schulen allein nicht reichen, berücksichtigen auch die Sustainable Development Goals der UN Agenda 2030. Die Agenda fordert dazu auf, vernetzt zu denken, statt eindimensionale Lösungen zu suchen. Gut ernährte Kinder lernen besser. Finanziell abgesicherte Familien können ihren Kindern den Schulbesuch ermöglichen und müssen sie nicht nebenbei arbeiten lassen. Straßen und Wege werden gebraucht, damit Kinder zur Schule kommen.

Das MDG universeller Grundbildung bleibt auf der Agenda, aber darüber hinaus gibt es neue Ziele. So soll bis 2030 auch die Sekundarbildung für alle verwirklicht werden. Zudem sollen die vorschulische Erziehung und der Zugang zu beruflicher Bildung besser werden. Gleichberechtigung der Geschlechter ist dabei eine ebenso wichtige Querschnittsaufgabe wie die Einbeziehung von besonders zu fördernden Gruppen wie etwa Menschen mit Behinderung. All das entspricht aus gutem Grund auch den Forderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Wirklich neu ist aber, dass die neue Agenda als interdisziplinärer Katalog angelegt ist. Es geht nicht darum, einzelne Ziele herauszupicken. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit –ökologisch, ökonomisch und sozial – gehören zusammen. Die Agenda 2030 ist entsprechend auch nicht nur ein Aufgabenkatalog für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Sie geht die gesamte Gesellschaft an, wie auch die Zukunftscharta, die unter breiter öffentlicher Mitwirkung entstanden ist, klarstellt. Unter Leitung des Bundeskanzleramts wird die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie nun an der neuen Weltagenda ausgerichtet. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zudem mehrfach das Ziel bekräftigt, 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für ODA (official development assistance) aufzuwenden.

Bildung als Menschenrecht und Schlüssel für Entwicklung wird für das BMZ dabei weiterhin ein Schwerpunkt bleiben. Zugleich werden andere Ziele wie die Beendigung von Hunger und extremer Armut, die Stärkung von Gesundheitssystemen sowie nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren hohen politischen Willen erfordern, um erreicht zu werden. Auch der Kampf gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche ist wichtig – und trägt unter anderem dazu bei, die Finanzierung des Bildungswesens sicherzustellen.

Gute Regierungsführung und die Verwirklichung der Menschenrechte führen zu Chancen für die junge Generation. Im Umkehrschluss ist Bildung aber auch für gute Regierungsführung nötig, weil Bürger nur auf ihren Rechten bestehen können, wenn sie diese kennen. Auch aus diesen Gründen hat sich die Bundesregierung im Verhandlungsprozess für SDG 16 (Frieden, Rechtstaatlichkeit, gute Regierungsführung) eingesetzt.

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wird – konsequent umgesetzt – Fluchtursachen reduzieren. Auch das ist bildungsrelevant, denn Entwurzelung verhindert oft Schulbesuch.

International ist für alle SDGs ein starker Monitoring-Mechanismus im Rahmen des 2012 in Rio geschaffenen High-Level Political-Forums nötig. Einerseits müssen wir Erfolge erkennen und vergleichen, andererseits wollen wir daraus weltweit Lehren ziehen. Alle Akteure sollen Erfahrungen austauschen und Konsequenzen daraus ziehen können. Im Zeitalter der Globalisierung ist lebenslanges Lernen gefragt – und das muss im Sinne umfassender und nachhaltiger Entwicklung früh in Schulen gefördert werden.


Niels Breyer ist Referatsleiter beim Beauftragten für Nachhaltige Entwicklungsziele des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In diesem Kommentar vertritt er seinen persönlichen Standpunkt.
[email protected]

Links:
BMZ-Bildungsstrategie: Gerechte Chancen auf hochwertige Bildung schaffen.
http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/themen/bildung/Strategiepapier315_1_2012.pdf
Zukunftscharta:
http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie250_zukunftscharta.pdf
 

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