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Westafrika

Zu wenig Feuerholz

von Karim Okanla

Hintergrund

Auf der Straße ­zwischen Cotonou und Porto Novo wird geschmuggeltes ­Benzin verkauft.

Auf der Straße ­zwischen Cotonou und Porto Novo wird geschmuggeltes ­Benzin verkauft.

In Benin machen sich sich die meisten Menschen wenig Gedanken darüber, welche Energieform sie nutzen, sondern ob sie genug davon bekommen. Für Benins großes Nachbarland Nigeria hat sich Ölreichtum eher als Fluch denn als Segen erwiesen.

Stromausfälle prägen den Alltag in Benin. Manchmal dauern sie mehrere Tage – ohne Vorwarnung vom staatlichen Stromversorger National Electricity Company. Besonders schlimm ist es meist von Juni bis September, wenn heftiger Regenfälle und Gewitter das  Stromnetz fast völlig lahm legen.

Verbraucher klagen derweil über ständig steigende Stromrechnungen. Ein wütender Kunde, der kürzlich seine Rechnung im Büro der National Electricity Company in Porto Novo bezahlte, machte seinem Ärger Luft: „Wie können sie so viel Geld für Dienstleistungen verlangen, die sie gar nicht erbringen.“

Um eine Situation zu verstehen, nutzen Wirtschaftswissenschaftler gern die SWOT-Methode. Das englische Akronym steht für „Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren“. In Bezug auf Benins Energiesektor überwiegen Schwächen und Gefahren. Das westafrikanische Land ringt mit einer Vielzahl großer Probleme.

Erstens ist laut Weltbank die Versorgung schlecht. Rund 24 Prozent der Bevölkerung haben Strom, aber auf dem Land liegt der Prozentsatz viel niedriger. In den städtischen Gebieten sind mehr Haushalte angeschlossen, aber die Stromversorgung ist unzuverlässig.

Zweitens hat Benin nur eine sehr beschränkte Stromerzeugungskapazität. Das nationale Elektrizitätsnetz hängt von einer Versorgungsleitung aus Ghana ab. Manchmal liefert sie 90 Prozent der eingespeisten Elektrizität. In Zusammenarbeit mit Benins westlichem Nachbar Togo will die Regierung diese Stromtrasse ausbauen. Ein neue Leitung verbindet zudem Benins Netz mit dem östlichen Nachbarn Nigeria, aber die Versorgung von dort ist unzuverlässig.

Die regionale Zusammenarbeit macht jedoch Fortschritte. Der Staat hat im Rahmen des West African Power Pool (WAPP) verschiedene kleine Stromerzeugungsprojekte initiiert. Zudem arbeiten westafrikanische Länder an einer gemeinsamen Gas-Pipeline. Solche Initiativen sind wichtig, reichen aber bisher nicht aus, um Benins Energiebedarf zu decken. Was fossile Brennstoffe angeht, ist das Land von Importen abhängig. Nigeria ist dafür ein wichtiger Partner und soll eigentlich Erdgas für die Erzeugung von 1500 kW/Stunden pro Tag liefern. Aber Nigeria hält sich nicht immer an diesen Vertrag. „Raffinerien und Turbinen sind installiert, aber es gibt kein Gas, um sie zu betreiben“, klagt Justin Agbo, der Benins Modern Energy Access Development Project (französisches Akronym: DAEM) koordiniert.

Schmuggel spielt auch eine Rolle. Das ölreiche Nigeria subventioniert seinen Bürgern die Benzinpreise. Illegale Importe des verbilligten Treibstoffs aus Nigeria machen einen großen Teil des Verbrauchs in Benin aus.


Nigerianische Probleme

Die Subventionspolitik ist in Nigeria umstritten. Die Regierung hat auch versucht, sie zu beenden. Allerdings fanden viele Nigerianer, dass sie nur dank der Subventionen vom Ressourcenreichtum ihres Landes profitieren, und es gab heftige Proteste. Darauf führte die Regierung die Preisstützung wieder ein. Sie arbeitet jetzt daran, die Subventionen nach und nach auslaufen zu lassen. Sie hat einen Teil des eingesparten Geldes in einen speziellen Fonds eingezahlt, der Ausgaben für die breite Öffentlichkeit finanzieren soll. Allerdings gab es in Bezug auf den Fonds vor kurzem Korruptionsvorwürfe.
 
Nigeria ist ein riesiges Land mit enormen Öl- und Gasvorkommen. Nach Ansicht von Experten hat sich dieser Ressourcenreichtum allerdings in vielerlei Hinsicht als Fluch statt als Segen erwiesen. Als der ölreiche östliche Teil des Landes sich Ende der 60er Jahre unter dem Namen Biafra für unabhängig erklärte, begann ein blutiger Krieg, der mindestens eine Millionen Leben kostete. Später kam es zu Aufständen im Niger-Delta.

Alles in allem profitiert nur eine kleine Elite wirklich von der nigerianischen Ölwirtschaft, und Korruption ist ein Riesenproblem. Unterdessen bleibt die Mehrheit der Nigerianer arm. Der relative Wohlstand im vorwiegend christlichen Süden des Landes nährt zudem Ressentiments im muslimisch geprägten, ressourcenarmen Norden. Es wäre vermutlich übertrieben, alle Probleme Nigerias mit Islamisten auf Öl zurückzuführen, aber es spielt sicherlich eine wichtige Rolle.

Die Menschen in Benin beneiden Nigeria für seinen Ölreichtum. Die Probleme, die damit einhergehen, wollen sie aber nicht haben. Benin ist ein friedliches und stabiles Land. Allerdings warnen einige Stimmen, dass die Gewalt aus dem großen Nachbarland über die Grenze schwappen könnte.


Erneuerbare Energie

Jedenfalls übertrifft der Energiebedarf in Benin deutlich das Angebot, sagt DAEM-Koordinator Agbo. Seiner Ansicht nach sollte „Benin auf Wasserkraft setzen“. Er erkennt dafür mehrere viel versprechende Möglichkeiten, weist aber darauf hin, dass es an  Finanzmitteln für den Bau neuer Infrastruktur fehlt.

Die Solartechnik hat in letzter Zeit viel politische und finanzielle Unterstützung  von der  Regierung und regionalen Institutionen wie der UEMOA-Kommission erhalten. UEMOA steht für Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion. Einige ländliche Gebiete sind dank  Solarenergie der Dunkelheit entkommen, aber es ist noch ein weiter Weg dahin, dass alle oder zumindest die meisten ländlichen Gemeinden in den Genuss dieser Technik kommen.

Benins Regierung will erneuerbare Energien gerne nutzen, wie Präsident Boni Yayi immer wieder sagt. Allerdings folgen den Worten wenig Taten, vor allem weil ausländische Geber und Investoren kaum Interesse zeigen. Die Behörden reden seit Jahren davon, aus Zuckerrohr und Zuckersorghum Biotreibstoff herzustellen, aber es gibt nur kleine Pionierprojekte zur Produktion von Bioethanol in den Städten Savalou und Savè. Für die Energieversorgung bleiben sie bislang unbedeutend.

Auch Windkraft wird erwogen. In einer Kooperation mit China wird derzeit in einer Fischerei-Region namens “La route des pêches” ein Pilotprojekt an der Küste durchgeführt.

In Zukunft könnte Benin die Meeresgezeiten nutzen, um Strom zu erzeugen. Das Potenzial ist da. Benin besitzt 125 Kilometer Küstenlinie, mit niemals endenden, wilden Wellen. Allerdings suchen die Forscher immer noch nach Wegen, sich die Gezeiten zu nutze zu machen, und der Weltmarkt bietet noch keine leicht zugängliche und erschwingliche Lösungen an.
 
Kurzfristig sollte eine andere Energieressource angezapft werden. Die zahllosen, riesigen Müllberge, die das ganze Land sprenkeln, werden bisher von den Behörden vernachlässigt. Diese Ressource sollte genutzt werden.

Die traurige Wahrheit ist, dass Benins Energieversorgung stark von traditioneller Biomasse wie Feuerholz und Holzkohle abhängt. Solche Biomasse ist die Grundlage für wahrscheinlich 90 Prozent der in Benin verbrauchten Energie und 95 Prozent des Bedarfs der Haushalte.  Biomasse ist im Prinzip erneuerbar, aber der massive Verbrauch von Holz und Kohle treibt mittlerweile die Entwaldung voran.  Wie vielen anderen kleinen Entwicklungsländern fehlt Benin noch immer ein nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen. Die Hauptsorge der meisten Menschen in Benin ist nicht, ob sie saubere Energien nutzen, sondern ob sie sich überhaupt genug leisten können – oder zumindest ausreichend Feuerholz finden.

 

Karim Okanla lehrt „Mass Communiciations and International Organisations“ an der Houdegbe North American University in Cotonou.
[email protected]