Informeller Sektor

Mehr Menschen in Kenia sollen Steuern zahlen

Etwa 80 Prozent der kenianischen Erwerbstätigen arbeiten im informellen Sektor. Dort agieren kleinste, aber auch mittelständische Unternehmen unter dem Radar der Steuerbehörden.

hat zuletzt im Herbst 2022 als kenianischer Journalist, Redakteur und Faktenchecker zu E+Z/D+C beigetragen.
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Zahlungen erfolgen meist bar, die Buchhaltung bleibt unvollständig, und viele Betriebe sind nicht angemeldet. Undokumentierte Transaktionen entziehen sich aber dem Fiskus. Anderseits profitieren die Menschen im informellen Sektor weder von staatlichen Sozialleistungen noch können sie privat vorsorgen. Solch prekäre Lebensverhältnisse sind für viele Entwicklungsländer typisch – besonders in Afrika und Südasien (für das Beispiel Pakistan siehe Marva Khan auf www.dandc.eu).

Im informellen Sektor schwanken Einkommen unvorhersehbar. Familien leben von der Hand in den Mund. Versuche, alle zu besteuern, könnten schnell mehr kosten, als sie einbringen. Will der Staat hier wie geplant Steuern einnehmen (siehe Artikel hierzu), muss er diejenigen zur Kasse bitten, die zahlen können, aber alle verschonen, die dazu nicht in der Lage sind.

In Kenia müssen sich grundsätzlich alle Erwachsenen bei der Steuerbehörde registrieren und eine Steuernummer haben. Doch wer keine Bankgeschäfte tätigt, kommt ohne die Nummer aus, sodass viele unregistriert bleiben.

Nur 6 Millionen zahlen Steuern

Kenia hat 6 Millionen Steuerzahlende. Drei Millionen sind formell beschäftigt, drei Millionen arbeiten im unregulierten, informellen Sektor. Zugleich sind schätzungsweise 15 Millionen informell Erwerbstätige nicht erfasst. Um unter ihnen in den kommenden zwei Jahren zwei Millionen weitere Steuerzahlende hinzuzugewinnen, will Präsident William Ruto einen Fonds aufsetzen. Er soll Menschen am Boden der Einkommenspyramide, die von Straßenverkauf, Handkarrentransport oder Taxidiensten mit Motorrädern leben, zinslose Darlehen geben. Im Gegenzug müssen sie ein Bankkonto eröffnen, was nur mit Steuernummer geht. Wer mit staatlichen Krediten arbeitet, zahlt am Ende Umsatz- und Einkommensteuer.

Das ist ein cleverer und wachstumsorientierter Ansatz. Ziel ist, informelle Geschäftstätigkeit so zu stärken, dass sie besteuert werden kann und die Zahl der Steuerzahlenden steigt. Auf lange Sicht ist das vielversprechend.


Alphonce Shiundu ist Journalist, Herausgeber und Fakten-Checker in Kenia.
Twitter: @Shiundu

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