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Konflikte

Sri Lankas Friedenschance

von Claudia Isabel Rittel
Die Regierung Sri Lankas und die tamilischen Rebellen haben ihren Bürgerkrieg im Mai nach fast 26 Jahren offiziell beendet. Doch zahlreiche Menschen sind auf der Flucht und Hilfs­organisationen haben immer noch nicht ungehindert Zugang zu den Flüchtlingslagern.

Kurz nachdem Staatspräsident Mahinda Rajapakse den Sieg über die Rebellenorganisation verkündete, gaben die Rebellen bekannt, die Kampfhandlungen zu beenden. Auch ihren Anführer Velupillai Prabhakaran hatte die Armee in den letzten Gefechtstagen getötet. Doch ums Leben kamen auch zahlreiche Zivilisten. Unabhängige Zahlen gibt es jedoch nicht. Die Rebellen hatten in den letzten Kriegswochen Zivilisten in der Kampfzone festgehalten und Hilfsorganisationen den Zugang verwehrt. Nach neuen Schätzungen der Vereinten Nationen sind während des Bürgerkriegs insgesamt bis zu 100 000 Menschen ums Leben gekommen, Hunderttausende mussten ihre Heimat verlassen.

Nach Angaben der Regierung sind mehr als 250 000 Sri Lanker auf der Flucht, 20 Lager seien für sie eingerichtet worden. Doch die seien hoffnungslos überfüllt, meinen Hilfsorganisationen. Sie schätzen die Lage der Bürgerkriegsflüchtlinge als katastrophal ein. Die Flüchtlinge, die teilweise unterernährt sind, bräuchten dringend Hilfe. Allein von Mitte Februar bis Anfang Mai hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fast 14 000 Menschen von dort evakuiert – in erster Linie Verwundete oder Kranke.

Dem Kriegsende waren wochenlange Kämpfe um ein kleines Gebiet im Norden des Landes vorangegangen, das die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) besetzt hielten. Auch der UN-Sicherheitsrat hatte sich zu Wort gemeldet und die Rebellen aufgefordert, den Krieg zu beenden und alle Zivilisten freizulassen. Vor einigen Jahren hatte die LTTE zeitweise ein Gebiet von etwa 25 Prozent des Staatsgebietes kontrolliert und dort eigene Verwaltungsstrukturen aufgebaut. Die Rebellen hatten auch Kindersoldaten rekrutiert und Selbstmordattentäter eingesetzt. In den letzten Jahren verloren sie zunehmend an Ansehen.

Einen Waffenstillstand aus dem Jahr 2002 hatten zunächst die Rebellen, später auch die Regierung immer wieder gebrochen. Eine Autonomielösung sei zwar zeitweise möglich gewesen, jedoch nach Meinung von Beobachtern an der Spaltung der Rebellen im Jahr 2004 gescheitert. 2008 hatte die Regierung die Waffenruhe offiziell für beendet erklärt. Seitdem hatten sich die Kampfhandlungen intensiviert.

Von den etwa 20 Millionen Bewohnern Sri Lankas gehören rund drei Viertel der buddhistischen singhalesischen Mehrheit und ein Viertel der hinduistischen tamilischen Minderheit an. Bei einem Besuch in dem Inselstaat rief UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Regierung zu einer Politik der Versöhnung auf und forderte den ungehinderten Zugang zu den Flüchtlingslagern. Präsident Mahinda Rajapakse lehnte das laut Medienberichten jedoch zunächst ab, weil die Behörden dort noch nach Kämpfern der Rebellen suchten. Die EU forderte nach dem Ende des Krieges eine unabhängige Untersuchung von Verletzungen des humanitären Völkerrechts. In Deutschland und in der Schweiz machten Tamilen mit Demonstrationen auf die Situation in ihrem Heimatland aufmerksam. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Zentral für ein friedliches Zusammenleben von Singhalesen und Tamilen wird die Integration der tamilischen Minderheit sein. (cir)