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Kolonialvergangenheit

Deutsches Erbe in Burundi

von Mireille Kanyange

Meinung

Diese Lehrapotheke in Bujumbura wurde mit Hilfe des deutschen Vereins Burundikids eingerichtet.

Diese Lehrapotheke in Bujumbura wurde mit Hilfe des deutschen Vereins Burundikids eingerichtet.

Burundi war Anfang des 20. Jahrhunderts deutsche Kolonie. Von 1916 bis 1962 herrschten die Belgier und prägten das Land weitaus stärker. Trotzdem lassen sich auch noch Spuren der deutschen Zeit im Land finden.

Als die Europäer 1884 auf der Kongo-Konferenz in Berlin Afrika unter sich aufteilten, fiel das Gebiet des heutigen Burundis dem deutschen Einflussbereich zu. 1896 trafen die ersten deutschen Missionare und Soldaten in diesem Teil Deutsch-Ostafrikas ein, der Aufbau von Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern begann erst 1909. Nur sieben Jahre später besetzten belgische Truppen das Protektorat und setzten der kurzen deutschen Herrschaft ein Ende.

Der Haupterinnerungsort an die deutsche Kolonialzeit befindet sich in Kiganda in der zentralburundischen Provinz Muramvya. Kiganda war die Hauptstadt des damaligen Königreichs. Der Herrscher, König Mwezi Gisabo, leistete den deutschen Besatzern zunächst Widerstand. Seine Streitkräfte, die mit Pfeil und Bogen kämpften, waren den mit Gewehren ausgestatteten Truppen jedoch unterlegen, und so unterwarf sich der König den Kolonisatoren 1903 im „Vertrag von Kiganda“. Erst 1962 erlangte Burundi seine Unabhängigkeit zurück.

Die Deutschen schafften unter anderem das traditionelle Tauschsystem ab und führten die Benutzung von Rupien und Heller ein. Das Wort „Amahera“ in der Landessprache Kirundi bedeutet Geldmünze und ist vom deutschen „Heller“ abgeleitet. Gleichermaßen ist „Ishule“ auf das deutsche Wort „Schule“ zurückzuführen und „Intofanyi“ – in stärkerer Abwandlung – auf „Kartoffel“, eine Frucht, die die Deutschen nach Burundi brachten.

Doch nicht nur in der Sprache schlägt sich das deutsche Erbe nieder. Auch Orte erinnern daran, beispielsweise der „Friedhof der Deutschen“ in Rugombo in der nordwestlichen Provinz Cibitoke. Dort sind zehn deutsche sowie weitere Soldaten begraben, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben. Die deutsche Botschaft und in Burundi lebende Deutsche halten dort regelmäßig Gedenkveranstaltungen ab.

In der Provinz Rutana an der Grenze zu Tansania gibt es die „Krater der Deutschen“. In dieser spektakulären Schluchtenlandschaft kämpften deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg gegen andere Invasoren. Heute dient das Gebirgsmassiv der burundischen Armee als Übungsgelände.


Deutsch-burundische Verbindung

Die Verbindung zwischen Deutschland und Burundi wurde 2017 durch die Einführung von Deutsch als Studienfach an der Universität von Burundi verstärkt. Rund 20 Studierende sind eingeschrieben. Deutschlehrer Helmenegilde Ntabiriho sieht im Erwerb dieser Fremdsprache viele Vorteile, darunter die Möglichkeit, Studienstipendien zu erhalten. Zudem seien viele Werke der Weltliteratur auf Deutsch verfasst und es sei eine wichtige Sprache in der Wissenschaft.

Lucien Nahimana, ein Burundier, der viele Jahre in Deutschland gelebt hat, sagt: „Es ist sehr wichtig, diese Sprache zu beherrschen, und sie ist leicht zu lernen.“ Renaud Niyonkeza spielt Theater und war mit seiner Truppe auf Tour in Europa. Auch er ist der Meinung, dass Deutsch eine wichtige Sprache ist. „Ich habe einige grundlegende Wörter gelernt, und das hat mir sehr geholfen“, sagt er.

Deutschland unterstützt Burundi im Rahmen von bilateraler und europäischer Zusammenarbeit. Zu den Organisationen, die sich in Burundi engagieren, gehören die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die christliche Friedensorganisation Eirene und die Welt­hungerhilfe. Aktiv sind sie unter anderem in den Bereichen Wasser- und Sanitärversorgung, Kommunalentwicklung, Medien und Konfliktprävention.

2015, als der damalige Präsident Pierre Nkurunziza eine weitere Amtszeit anstrebte und das Volk dagegen auf die Straße ging, erlebte die Zusammenarbeit einen Tiefpunkt. Im Moment findet ein politischer Dialog mit Deutschland und der EU statt, der auf burundischer Seite vom Außenministerium geführt wird, das auch für die internationale Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist. In dem Dialog geht es um das Abkommen von Cotonou, das demokratische Prinzipien zur Grundlage von Zusammenarbeit macht, insbesondere die Beachtung der Menschenrechte.


Mireille Kanyange ist Journalistin und Reporterin bei Radio Isanganiro in Burundi.
[email protected]

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