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Pressefreiheit

Zwei Medienwelten für ein Land

von Marc Niyonkuru

Heutzutage

Seitdem am 14. Mai 2015 ein Militärputsch in Burundi scheiterte, hat eine Jagd auf freie Medien begonnen. Männer in Polizeiuniform brannten die Gebäude von vier unabhängigen Medienhäusern nieder, weil die Regierung sie der Beteiligung an dem Coup beschuldigte. Journalisten wurden gefoltert, getötet, und Hunderte flohen aus dem Land. Die geflohenen Journalisten berichten nun aus dem Ausland, zumeist aus Ruanda, über die burundische Krise – und machen so auch kritische Berichterstattung wieder möglich.

Die Krise begann im April 2015, als die regierende Partei CNDD-FDD bekanntgab, dass der seit 10 Jahren amtierende Präsident Pierre Nkurunziza erneut kandidieren werde. Eine dritte Amtszeit verstößt aber gegen die Verfassung. Seitdem kochte die Hauptstadt Bujumbura: Junge Menschen aller politischen Richtungen demonstrierten friedlich auf den Straßen, und die Präsidentschaftsgarde begann, mit scharfer Munition auf sie zu schießen. Ein Teil der Sicherheitskräfte entschied schließlich, Pierre Nkurunziza zu stürzen, weil sie seine Kandidatur als Grund für die Unruhen ansahen. Der Putsch jedoch scheiterte, und die darauffolgende Gewalt zwang viele Menschen ins Exil.

Die Journalisten, die im Land geblieben sind, arbeiten nun unter ständiger Angst. Sie halten sich bei allen Angelegenheiten zurück, an denen Sicherheitskräfte beteiligt sein könnten. Der Sprecher des Präsidenten behauptet zwar, dass Journalisten ihren Beruf frei ausüben könnten, doch Marie-Soleil Frère, Medienexpertin für Zentralafrika, sieht das ganz anders: „Nach dem gescheiterten Putsch wird den Burundiern der Zugang zu unabhängigen und pluralistischen Informationen verwehrt“, meint sie. Gerade Intellektuelle seien die Zielscheibe, wenn es darum geht, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.

Laut dem Journalisten Jean Ndayisaba wirkt sich die Repression auf alle Bürger aus und damit auch auf die Informationsquellen von Journalisten. „Ein Mann sagte mir, dass er die Mörder seiner Familienangehörigen kenne. Er weigerte sich aber, mir die Täter zu nennen, aus Angst, dass ihm dasselbe Schicksal wiederfahren könnte.“ Ndayisaba zufolge können selbst Regierungsangestellte nicht frei sprechen. Die Menschen hätten vor allem Angst, sich über Menschenrechtsverletzungen zu äußern.

Anders ist die Situation der Journalisten im Exil. Sie können Themen abdecken, über die ihre Kollegen nicht berichten können. Auf Sozialen Netzwerken verbreiten sie Berichte über die Menschen- und Grundrechtsverletzungen der Regierung. Dabei lassen sie Familien zu Wort kommen, deren Verwandte gefoltert, verschleppt oder umgebracht wurden.

„Wir sind zwar weit weg, aber wir sind frei, über alles zu berichten. Das missfällt der Regierung in Bujumbura, und das ist unsere Stärke“, sagt Valéry Muco von der Radiosendung Inzamba, die in Kigali produziert wird. Ihm zufolge hat das Land seit dem 14. Mai 2015 einen medialen Blackout. „Für uns hier im Ausland ist die journalistische Berufs­ethik unser Kompass“, sagt er.


Marc Niyonkuru ist freier Journalist aus Burundi.
[email protected]

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