D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Chinesische Außenpolitik

Seidenstraße über den Indischen Ozean

von Katja Dombrowski

In Kürze

Afrikanische Infrastrukturprojekte und Chinas Beteiligung.

Afrikanische Infrastrukturprojekte und Chinas Beteiligung.

China baut an einer neuen Seidenstraße, und diese riesige Infrastruktur-Offensive ist nicht auf Asien und Europa beschränkt. In ihrer Verlängerung über See verbindet sie Chinas Häfen mit den Küsten Afrikas, und von China finanzierte neue Bahnstrecken erschließen auch küstenferne Gebiete.

2013 startete China seine One Belt One Road Initiative (OBOR). Die neue Seidenstraße soll die Infrastruktur für den Handel in Asien und Europa ausbauen. Doch auch Projekte in Afrika gehören dazu. Angesichts von Chinas großen Investitionen auf dem Kontinent spricht Julia Breuer von der Ruhruniversität Bochum in ihrer Studie „Two Belts, One Road?“ sogar von einem zweiten „belt“ (Band).

In Ostafrika konzentriert sich Chinas Engagement auf Dschibuti, Ägypten, Äthiopien, Tansania, Sambia und Angola. Im Mai wurde die 472 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen der kenianischen Hafenstadt Mombasa und der Hauptstadt Nairobi eröffnet. Sie wurde hauptsächlich mit chinesischem Geld finanziert. Laut Breuers Studie knüpfen die von China gebauten Bahnstrecken nach und nach ein Netz in Ostafrika.

In Dschibuti haben die Chinesen beispielsweise den Bau des Hafens von Doraleh unterstützt und auch für eine Bahnverbindung in das wichtige Nachbarland Äthiopien gesorgt, das über keinen eigenen Zugang zum Meer verfügt. Auch eine Pipeline wurde gebaut. Sowohl der Hafen als auch die 730 Kilometer lange Bahnstrecke nach Addis Abeba nahmen in diesem Jahr den Betrieb auf, wie Breuer in ihrer kürzlich bei der Stiftung Asienhaus veröffentlichten Studie schreibt.

Zudem gibt es Pläne, Addis Abeba per Bahn mit Kenia zu verbinden. Dann könnten auch der Südsudan, Uganda, Ruanda und Burundi angeschlossen werden, wie Breuer ausführt.

China will zudem die 1000 Kilometer lange Tansania-Sambia-Bahnstrecke wiederbeleben, die in den 1970er Jahren mit chinesischer Hilfe gebaut worden war, um Kupfer aus Sambia in die Hafenstadt Daressalam zu transportieren. In Zukunft soll diese Strecke auch mit der Lobito-Luau-Eisenbahn verbunden werden, die seit 2015 von Angolas Küste zur Grenze der Demokratischen Republik Kongo führt. Dann wären die Küsten des Indischen Ozeans und des Atlantiks per Bahn miteinander verbunden.

Darüberhinaus ist eine Bahnverbindung von Sambia über Malawi nach Mosambik im Bau. Vereinbarungen zwischen der Regierung des Tschads und chinesischen Firmen deuten außerdem darauf hin, dass der Tschad eine wichtige Rolle bei der Verbindung von Ost- und Westafrika spielen wird.

In Westafrika investiert China vor allem in Nigeria und Togo, wo es die Häfen von Lagos und Lomé zu großen Teilen finanzierte. In Lekki, nicht weit von Lagos, entsteht ein Tiefseehafen. Zudem sind chinesische Firmen am Bau von innernigerianischen Bahnstrecken beteiligt.

Durch Bahnverbindungen von Häfen mit dem Landesinneren können Waren und Rohstoffe leichter – oder überhaupt – die Küste erreichen und dann nach China exportiert werden. Noch wichtiger ist der afrikanische Markt jedoch für Chinas Exporte. Breuer weist darauf hin, dass chinesische Firmen immer mehr Produkte in Afrika herstellen. Ein Beispiel ist die wachsende Textilindustrie in Äthiopien, weshalb die Bahnstrecke nach Dschibuti von besonderer Bedeutung ist.

In den meisten Fällen begrüßen afrikanische Staaten Chinas Engagement. Im Gegensatz zu westlichen Ländern ist es nicht an Bedingungen geknüpft, was die Regierungsführung oder die Einhaltung der Menschenrechte betrifft. Chinas Ansatz beruhe eher auf dem Prinzip von Handel denn von Hilfe, schreibt Breuer. Auch die Menschen sind froh über die Infrastruktur, die die Chinesen ihnen bescheren. In einer Umfrage von Afrobarometer in 36 afrikanischen Ländern bewerteten fast zwei Drittel der Befragten Chinas Einfluss in ihrem Land als positiv und nur 15 Prozent als negativ. Laut Breuer tragen Chinas Investitionen in Infrastruktur, Entwicklung und Unternehmen maßgeblich zum guten Image des Landes in Afrika bei.


Links

Breuer, J., 2017: Two Belts, One Road? The role of Africa in China’s Belt & Road Initiative. Blickwechsel, Stiftung Asienhaus.
https://www.asienhaus.de/uploads/tx_news/Blickwechsel_OBOR-Afrika_01.pdf

Afrobarometer Round 6, 2016: China’s growing presence in Africa wins largely positive popular reviews.
http://afrobarometer.org/sites/default/files/publications/Dispatches/ab_r6_dispatchno122_perceptions_of_china_in_africa1.pdf

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren