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Langzeitfolgen

Traumatisiertes Land

von Sharon Gschaider-Kassahun

In Kürze

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die größten psychischen Probleme in Südostasien Depressionen, Suizid, Schizophrenie und Psychosen. Außerdem spielen psychische Folgen von Katastrophen und Notfällen eine Rolle.

Diese Einschätzung der WHO trifft auch auf Kambodscha zu, auch wenn hier besonders häufig Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) vorkommen. Eine 2012 veröffentliche Umfrage der Royal University of Phnom Penh zeigte, dass: 

  • 40 Prozent bis 53 Prozent aller Kambodschaner unter Angststörungen,
  • 11,5 Prozent bis 80 Prozent unter Depressionen und  
  • 7,3 Prozent bis 86 Prozent unter PTBS litten.

Dass die Angaben zu Depressionen und PTBS sehr vage sind, hat mit der schlimmen  Vergangenheit Kambodschas zu tun. Krieg und das mörderische Regime der Khmer Rouge verursachten in den 1970er Jahren schweres Leid und traumatisierten die ganze Gesellschaft (siehe Sun Narin im Schwerpunkt des D+C/E+Z e-Papers 2017/03). Eine komplette Generation wurde geprägt davon, dass sie Familienmitglieder verlor, ihre Würde zerstört wurde und ihre Menschenrechte komplett missachtet wurden. Viele konnten nie eine gesunde Beziehung zu den Eltern erleben und lernten somit selbst nicht, ihren Kindern gute Eltern zu sein. Langfristige Störungen infolge des Traumas sind so verbreitet, dass die Menschen normales Verhalten und ernste psychische Störungen kaum unterscheiden können. Beruhigungsmittel, Medikamente, Alkoholmissbrauch und der Konsum illegaler Drogen verschärfen die Probleme.

PTBS betrifft auch Menschen, die lange nach dem Ende des Terrorregimes geboren wurden, und ist vielleicht ein Grund dafür, dass die Suizidrate Kambodschas so hoch ist. Sie liegt 2,5 Mal über dem weltweiten Durchschnitt. Schizophrene Störungen und psychotische Episoden scheinen nicht häufiger als sonst aufzutreten, verursachen aber große Probleme. Patienten bekommen Halluzinationen und ihr Verhalten wird sehr unvorhersehbar. Mangels professioneller Hilfe werden sie oft in Käfige gesperrt oder in Ketten gelegt, damit sie keinen Schaden anrichten können. Dass ihre Menschenrechte verletzt werden, hat damit zu tun, dass die lokalen Gemeinschaften mit psychischen Problemen mehr oder weniger alleingelassen werden.

Kambodschas Gesundheitssystem kann der Lage derzeit kaum Herr werden. Es besteht ein enormer Mangel an professionellen Fachleuten. Einer aktuellen Erhebung zufolge kommen 0,33 Psychiater und sogar nur 0,26 Psychiatrie-Schwestern auf 100 000 Menschen. Eine Reform des Gesundheitssystems muss das weitverbreitete psychische Leid berücksichtigen und dabei die Bräuche des Landes achten (siehe Hauptartikel).  (sgk/tpo)

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