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Kunst und Kultur

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von Peter Musa
Der Reichtum der afrikanischen Kultur macht den Kontinent zu einem beliebten Touristenziel, aber sein Potenzial ist nicht voll ausgereizt. Afrikanische Regierungen haben viele Versprechen gemacht, die Kulturindustrie zu fördern. Unabhängiger künstlerischer Ausdruck darf jedoch nicht denen überlassen werden, die die Macht im Staat innehaben. Kultur-Entrepreneure können viel bewirken. [ Von Peter Musa ]

In der Vergangenheit wurde der Rolle von Kultur im Entwicklungsprozess wenig Beachtung geschenkt. Mittlerweile wächst das Verständnis dafür, dass Dinge wie politische Freiheitsrechte, transparentes Regierungshandeln und Respekt für Gesetz und Menschenrechte auch mit Kultur und Kunst zu tun haben. Kultureller Ausdruck ist wichtig für das Sozialleben und kann die gesellschaftliche Diskussion mitdefinieren.

Afrikanische Regierungen haben oft versprochen, auf nationaler Ebene und durch Einrichtungen wie die Afrikanische Union Kultur und Kreativwirtschaft des Kontinents zu unterstützen. Der Präsident von Kamerun hat einen speziellen Kulturfonds eingerichtet, und im Lehrplan werden Kunst, Kultur und lokale Sprachen hervorgehoben. 2008 verabschiedeten die afrikanischen Kulturminister den „Nairobi Plan of Action“ zur Förderung von Kultur und der Kreativwirtschaft in Afrika.

Trotzdem sind die Regierungsinitiativen oft nicht überzeugend. Nach jahrzehntelanger Unabhängigkeit kämpfen unsere Nationen immer noch mit An­alphabetismus. Parteien, denen es nicht gelang, Bildung besser zu verankern, scheiterten auch daran, Kultur in anderen Feldern zu fördern. Auch der traurige Zustand vieler unserer Museen belegt das, wie ich schon in E+Z im Juni 2006 ausgeführt habe (S.238f). Museen in wohlhabenden Ländern hingegen locken Scharen von Touristen an und verhelfen obendrein der Lokalbevölkerung dazu, sich selbst besser zu verstehen. Es ist deprimierend, dass mehr Leute afrikanische Kunstwerke in europäischen und nordamerikanischen Museen sehen als in afrikanischen.

Wichtige Anregungen für den afrikanischen Kulturbetrieb kommen oft aus dem Ausland. Vor kurzem wurde ein wichtiges Seminar zur Stärkung von Kultur und Kulturbetrieb der zentralafrikanischen Länder in Yaoundé, Kamerun, abgehalten. Teilnehmer sollten Projekte einreichen, an denen sie aktuell arbeiten. Ihre Vorschläge wurden dann von Experten und Seminarteilnehmern begutachtet. Dann wurden sie individuell darin geschult, ihre Vorschläge so umzustrukturieren, dass sie bessere finanzielle Unterstützung finden.

Diese Veranstaltung organisierten das Observatory of Cultural Policies in Africa (OCPA), die spanische internationale Kooperationsbehörde (AECID), das ACP-Kulturprogramm der EU und Cerdotola, eine Initiative aus Yaoundé. Ähnliche Workshops gab es auch in Dakar, Nairobi und Maputo. Es ist gut, dass AECID und OCPA die Potenziale des afrikanischen Kulturbetriebs identifizieren und Kompetenzen der relevanten Akteure aufbauen. Eine ähnliche Arbeit leisten auch andere internationale Organisationen wie etwa das Goethe-Institut, Pro Helvetia, Africalia und die Ford Foundation.

Der Traum von Richard King, einem angehenden kamerunischen Musiker, ging in Erfüllung, als das Goethe-Institut in Yaoundé 2004 seine Teilnahme an einer dreiwöchigen mobilen Akademie in Berlin finanzierte. Damit begann seine Karriere, und er wurde seither zu Konzerten in den USA und Algerien eingeladen.

Auf lange Sicht sollte sich jedoch ein anderer Trend als wichtiger erweisen. Kulturelle Unternehmer arrangieren Festivals in ganz Afrika. Auf diesen Festivals wird die reiche Performancekultur sichtbar, die der Kontinent zu bieten hat. Sie werden immer öfter das Sprungbrett für eine internationale Karriere viel versprechender Künstler sein.

Auch die wirtschaftliche Relevanz dieser Festivals ist nicht zu unterschätzen. Sie schaffen Einkommen und Arbeitsplätze und fördern den Tourismus. Je erfolgreicher sie afrikanische Künstler vernetzen können, desto stärker wächst der Kulturbetrieb, desto mehr Arbeitsplätze entstehen im Verlagswesen, Eventmanagement, den darstellenden Künsten und vielen anderen.

Unterstützung der Regierung kann hilfreich sein, aber Unternehmer sollten nicht darauf bauen, sondern die Dinge lieber selbst in die Hand nehmen. Frühzeitige Information ist elementar. Daher habe ich ein „Verzeichnis der Künste und Kultur, Organisationen und Festivals aktiv in der CAMAC-Region“ erstellt. Die erste Fassung kann auf der Webseite von CREATE – einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die den Kreativsektor Kameruns fördert – heruntergeladen werden. Das Kürzel steht für „Collective resources for the arts and talents enrichment“.

Web Optionen

Afrikanische Kulturunternehmer müssen das Internet voll nutzen. Sie sollten Webseiten als Arbeitswerkzeuge, nicht als Statussymbole ansehen. Kleine genauso wie große Unternehmen müssen im Internet präsent sein. Heute ist es möglich, eine professionell aussehende Webseite umsonst einzurichten. Als Besitzer einer Internetseite kann der Kulturunternehmer kontrollieren, welche Informationen auf die Seite kommen. Teil der globalen Informations-Superautobahn zu sein bedarf also nur minimaler Investitionen. Auch gibt es mehrere Möglichkeiten der Webpräsenz und wie man web-basierte Technologien nutzt.

In jedem Fall müssen Kulturunternehmer die lokalen und nationalen Medien beliefern. Sobald Journalisten sich für die Events interessieren, erhöht das ihre Verbreitung. Zugleich könnten die Medien von einem florierenden Kulturbetrieb in ihrer Umgebung profitieren.

Tatsächlich müssen viele junge Kultur-Entrepreneure in Afrika einige Hürden überwinden. Dazu zählen fehlende Mittel (oder überhaupt keine), schlechter Zugang zu Informationen und das Fehlen technischer oder organisatorischer Fähigkeiten. Viele Kulturunternehmer arbeiten freiwillig daran mit, um die Kultur und Kreativität in ihrem Dorf, der Stadt oder der Großstadt, in der sie leben, lebendig zu halten.

In gewissem Ausmaß können sie davon profitieren, Stadtverwaltung und Kommunalbehörden einzubeziehen. In Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou arbeitet der Kultur-Entrepreneur Oumarou Sanfo mit der Kommune und anderen Partnern zusammen, um ein Kulturzentrum und Künstlerdorf aufzubauen. Solche lokalen Partnerschaften sind sinnvoll, da sie allen Beteiligten ein Zugehörigkeitsgefühl geben.

Auch grenzübergreifendes Engagement kann viel bringen. Abel Dabula von CEDARTE (Centro de Estudos e Desenvolvimento do Artesanato) in Maputo hat dabei geholfen, in Mosambik lebende simbabwische Künstler zusammenzubringen. Margaret Otieno von der Initiative African Colours in Nairobi erzählte, dass sie an einer Onlineplattform arbeitet, um zeitgenössischen afrikanischen Künstlern dabei zu helfen, ihre Arbeiten zu verkaufen.

Stärkere Solidarität zwischen den Akteuren dieses Sektors ist nötig, damit Informationen geteilt und Wissen ausgetauscht wird. Das Arterial Network, das 2007 im Senegal gegründet wurde und nun in Kapstadt ansässig ist, versucht Künstler in ganz Afrika zu verbinden. Die Mitglieder sind Künstler und Kulturfachleute, die glauben, dass grenzübergreifender Austausch die Bedürfnisse von Künstlern und dem Kulturbetrieb generell trifft. Das Netzwerk hat seine zweite Konferenz im September 2009 am Goethe-Institut in Johannesburg abgehalten.