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Internationale Beziehungen

Globales Engagement erwünscht

von Sabine Tonscheidt

Hintergrund

Geflohener macht Selfie mit Merkel: Bilder wie dieses haben Deutschlands Reputation gut getan.

Geflohener macht Selfie mit Merkel: Bilder wie dieses haben Deutschlands Reputation gut getan.

Deutschland genießt international hohes Ansehen. Wie eine aktuelle GIZ-Studie zeigt, wünschen sich viele Menschen weltweit von der Bundesregierung selbstbewussten Einsatz für Grundsätze wie Demokratie, Menschenrechte und multilaterale Kooperation.

Zum Jahreswechsel wird Deutschland zum sechsten Mal im UN-Sicherheitsrat vertreten sein und damit Weltpolitik auf höchster Ebene aktiv mitgestalten. Die Wahl dazu fand im Juni statt und bescherte Deutschland direkt im ersten Wahlgang eine überwältigende Mehrheit: Es erhielt 184 von 190 Stimmen in der Generalversammlung für einen der zehn Sitze als nichtständiges Mitglied.

Das Votum kann man als einen Vertrauensbeweis werten. Und es deckt sich mit den Ergebnissen einer Wahrnehmungsstudie der GIZ. Demnach ist Deutschland mittlerweile ein geachtetes und geschätztes Mitglied der Völkergemeinschaft. Allerdings: In den Augen der Welt bringt sich das Land international noch nicht stark und entschieden genug ein.

Für die Studie hat die GIZ 2017 mehr als 150 Deutschlandkenner auf allen Kontinenten nach ihrem Blick auf Deutschland befragt, nunmehr zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren. So sind rund 4 200 qualitative Aussagen und Thesen entstanden, die einen Eindruck davon geben, wie Deutschland im Ausland wahrgenommen wird. Eines der zentralen Ergebnisse lautet: Die Befragten artikulierten ganz klar den Wunsch nach mehr deutschem Engagement – und zwar von Studie zu Studie stärker. Gerade jetzt, so lautet der Tenor, werde Deutschland mehr gebraucht denn je, als Hüter der Werte der westlichen Welt, als Vertreter internationaler Kooperationen und als wohlmeinender Anwalt eines aktiven Multilateralismus.


Das Vakuum füllen

Viele Menschen wünschen sich das als Gegengewicht zu den USA, Russland und China, die sich jeder auf seine Weise wieder mehr auf eng verstandene nationale Interessen besinnen und dabei zum Teil auch Reflexe aus Zeiten des Kalten Krieges zeigen. Ein erstarkender Populismus, ein bedrohter freier Welthandel in Kombination mit einer Neuausrichtung der internationalen Macht- und Lastenteilung verstärken die Rollenzuschreibung an Deutschland noch zusätzlich. Es sei nicht zuletzt durch das Handeln des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein weltpolitisches Vakuum entstanden, so war von den Befragten zu hören, dem entgegenzuwirken man nur wenigen Staaten zutraue, darunter Deutschland. Aus den Veränderungen im internationalen Gefüge ergeben sich neue, höhere Erwartungen an die Mittelmacht im Herzen Europas, die von Themen aus dem Bereich Frieden und Sicherheit bis hin zu Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz reichen.

Allerdings ist es keine einsame Führungsrolle, die man sich von Deutschland erhofft, sondern eine wohlmeinende im Rahmen der Europäischen Union. Eigene Interessen darf und soll Deutschland durchaus im Blick haben, diese dann aber auch transparent machen und sie am besten als Teil eines größeren Ganzen gewahrt sehen. Deutschland soll als „Soft Power“ mit internationaler Gestaltungsmacht auftreten, die sich aktiv für ein friedliches Miteinander einsetzt und gemeinsam mit anderen nach Lösungen für die größten Herausforderungen unserer Zeit sucht.

Eine typische Aussage in Brasilien lautete: „Wenn ich heute an Deutschland denke, sehe ich eine wichtige und stabilisierende Rolle in der EU und nehme es als wichtiges Gegengewicht zu den USA unter Trump wahr.“ In Indien hieß es: „Es ist his­torisch unvermeidbar, dass Deutschland in Zukunft eine tragende internationale Rolle einnimmt.“ Und in Kanada war zu hören, Deutschland könne die „(…) internationale Kooperation für Sicherheit, Umwelt, Klima und freien Handel weiter entwickeln“.

Damit Deutschland die Kraft für einen aktiveren Part in der Weltpolitik aufbringt, müsse es aus dem „Schatten seiner Vergangenheit heraustreten“, lautete eine häufige Empfehlung. Die Historie bleibt, sie soll auch niemals vergessen werden, aber sie solle nicht länger ein limitierender, sondern ein motivierender Faktor sein. Gerade die Art und Weise, wie es seine totalitäre Geschichte aufgearbeitet habe, mache Deutschland zu einem glaubhaften Verfechter internationaler Zusammenarbeit.


Willkommenskultur

Ausgerechnet ein Umstand, der das Land selbst spaltet, scheint die Sicht auf Deutschland besonders geprägt zu haben: der Umgang mit Flüchtlingen ab September 2015. Er mag innenpolitisch Mühe machen, um das Mindeste zu sagen. Draußen in der Welt hat die Willkommenskultur dem Ruf Deutschlands nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Respekt und Glaubwürdigkeit sind gewachsen.

Das bedeutet nicht, dass die damit verbundenen Schwierigkeiten nicht gesehen würden. Das Ausland registriert die Probleme sehr wohl. Es heißt auch nicht, dass Deutsche in den Augen der Befragten sich nicht mental noch mehr internationalen Fragen und Belangen öffnen sollten. Aber der Umgang mit Flüchtlingen hat das Bild vom tüchtigen, effizienten und manchmal auch harten Deutschen aufgeweicht und um die Facette des verantwortungsvollen, humanitären Weltbürgers ergänzt.

Genau davon wünschen sich die Befragten anderer Länder mehr, auf allen Gebieten, von der globalen Energiewende bis zum Respekt für Menschenrechte, und in allen Gremien, auch im UN-Sicherheitsrat.

Die Erwartungen im Ausland sind hoch. Und sie sind sehr eindeutig: Folgt man der Studie, ist die Phase der Zurückhaltung Deutschlands Vergangenheit – und eine visionäre aktive internationale Zusammenarbeit gefragter denn je.


Link
GIZ, 2018: Deutschland in den Augen der Welt.
https://www.giz.de/de/downloads/Deutschland-in-den-Augen-der-Welt-GIZ-Erhebung-2017-2018.pdf

Sabine Tonscheidt verantwortet die Unternehmenskommunikation der GIZ seit November 2015.
https://www.giz.de

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