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Digitaltechnik

Die richtige Methode anwenden

von Cema Tork

In Kürze

Fernunterricht in Kakuma, einem kenianischen Flüchtlingslager.

Fernunterricht in Kakuma, einem kenianischen Flüchtlingslager.

Die Digitalisierung hat das Potenzial, die Zukunft der Entwicklungsländer drastisch zu verändern: zum Guten wie zum Schlechten. Mit den protestantischen Kirchen in Deutschland verbundene Organisationen diskutierten die Trends kürzlich auf einer Konferenz in Berlin.

Ein positiver Aspekt ist, dass digitale Messprogramme im Gesundheitswesen die Kosten für die Diagnostizierung von Patienten drastisch reduzieren. Nachteilig ist, dass Arbeitsplätze durch künstliche Intelligenz ersetzt werden und dadurch verloren gehen. Für internationale Entwicklungsorganisationen sind diese Trends von Bedeutung – nicht zuletzt, weil sie selbst digitale Techniken in der Zusammenarbeit mit ihren Partnern im globalen Süden einsetzen.

Die nichtkonfessionelle NGO Welthungerhilfe verfolgt einen digitalen Ansatz zur Beseitigung von Unterernährung in Indien und bündelt Ressourcen mit Technologieunternehmen. Kinder werden mit Hilfe von Kameras und Algorithmen gemessen. Die Kosten für die Datenerhebung wurden damit von 15 Dollar pro Kind auf lediglich 0,10 Dollar reduziert. Mitarbeiter protestantischer Entwicklungsorganisationen schätzen daran, dass diese Methode nicht nur die Kosten drastisch senkt, sondern auch die Arbeitsbelastung des Gesundheitspersonals erheblich verringert. Sie können ihre Zeit für wichtigere Aufgaben nutzen.

Die Digitalisierung schreitet in Entwicklungsländern schnell voran. Kathleen Ziemann von der GIZ weist darauf hin, dass 2014 in Dar es Salaam nur vier Prozent der Menschen Zugang zum Internet hatten. Lediglich drei Jahre später war der Anteil auf 40 Prozent gestiegen. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt erhalten Zugang zu Internet und Technik.

Durch das Internet werden auch Arbeitsplätze in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit geschaffen. Menschen in Entwicklungsländern können sogar Geld damit verdienen, für ausländische Unternehmen online zu arbeiten. Ein Teilnehmer sagte, dass die Digitalisierung physische Grenzen überschreitet, was den Menschen lukrativere Jobs vor Ort am Computer ermöglichen kann, ohne dass sie ihr Heimatland verlassen müssen.

Die Digitalexpertin und Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg schlägt vor, dass die reichen Nationen digitale Plattformen schaffen sollen, um Kapital in Entwicklungsländer zu bringen und Menschen dort Jobs zu ermöglichen. Sie wünscht sich, dass Websites und Apps die Marketingbedürfnisse von Freiberuflern erfüllen – zum Beispiel könnten sie einen Programmierer in Nigeria mit einem Arbeitgeber in Australien oder Japan verbinden. Die Idee ist, arbeitslose, aber qualifizierte Jugendliche mit Unternehmen zu verbinden, in denen ihre Fähigkeiten gefragt sind.

Außerdem bietet E-Learning die Möglichkeit, sich außerhalb der klassischen Bildungseinrichtungen zu qualifizieren. Davon können auch Menschen in Regionen mit schlechter Verkehrsinfrastruktur und wenigen Bildungschancen profitieren – wenn sie Zugang zum Internet haben. Das ist dank Smartphones nicht mehr ungewöhnlich.

Auf der anderen Seite gehören Menschen im globalen Süden auch zu den Verlierern der Digitalisierung. Manuelle Arbeit wird zunehmend von Roboter statt von Menschen ausgeführt – zum Beispiel in automatisierten Containerterminals der Häfen. Arbeitsplätze gehen auch wegen künstlicher Intelligenz verloren. Mittlerweile werden Programmierung und Roboterdesign meist im globalen Norden durchgeführt. Die Teilnehmer der jährlichen Konferenz zur Entwicklungspolitik der evangelischen Kirche im März sprachen sich in Berlin dafür aus, dass glaubensbasierte Organisationen Menschen in Entwicklungsländern ermöglichen, den Anschluss an Spitzentechnologie nicht zu verlieren.

Es bestehen jedoch weiterhin große Herausforderungen. Zum Beispiel kann Rassismus in Softwareprogramme eingebettet werden. In Berlin nannten mehrere Teilnehmer „rassistische Roboter“ als Beispiel. Diese erfassen dunkelhäutige Menschen durch wenige Daten zur Gesichtserkennung. Diese technologische Verzerrung mache deutlich, warum es sehr wichtig sei, dass Entwicklungsländer – besonders in Afrika – eine aktive Rolle bei der Digitalisierung spielen.

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