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Empowerment

Frauen kämpfen gegen umweltschädliche Rohstoffprojekte

In Subsahara-Afrika sind Frauen und vulnerable Gruppen am stärksten von der Klima­krise betroffen. Das panafrikanische, ökofeministische Bündnis WoMin führt den Kampf für Klimagerechtigkeit für Frauen. Die Aktivistinnen setzen sich vor allem gegen umweltschädliche Großprojekte ein. Sie wollen afrika­nischen Frauen und Gemeinschaften vor Ort eine Stimme geben.
Umweltschäden infolge der Ölförderung im Niger-Delta: Manche Grundstücke sind gefährlich kontaminiert. picture-alliance/dpa/Tife Owolabi Umweltschäden infolge der Ölförderung im Niger-Delta: Manche Grundstücke sind gefährlich kontaminiert.

Afrika ist besonders benachteiligt: Seit 1880 hat der Kontinent weniger als drei Prozent der gesamten CO2-Emissionen verursacht, die Auswirkungen der Klimakrise sind aber bereits jetzt verheerend. Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und der Anstieg des Meeresspiegels, der die Küstenregionen betrifft, nehmen rasant zu. Die Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen sind in Gefahr. Bei einer Bevölkerung von derzeit etwa 1,4 Milliarden Menschen rechnet die Weltbank bis zum Jahr 2050 mit bis zu 86 Millionen Klimavertriebenen in Afrika.

Frauen tragen die Hauptlast der Klimakrise, weil sie aufgrund traditioneller patriarchaler Geschlechterrollen meist die Verantwortung für die Produktion und Zubereitung von Nahrungsmitteln sowie von Wasser- und Energieversorgung haben. Zudem leisten sie in den meisten Fällen die Pflege und Betreuung von Kindern sowie älteren und kranken Menschen.

Diese Lebenswirklichkeit afrikanischer Frauen will die zivilgesellschaftliche Organisation WoMin sichtbar machen und ihre Position stärken. Die Arbeit zielt vor allem darauf ab, dass die Umwelt, in der Frauen leben, nicht weiter zerstört wird. Diese ist aber in vielen Ländern wegen Megaprojekten zur Rohstoffgewinnung oder dem Infrastrukturausbau in Gefahr.

Landraub und Umweltzerstörung

WoMin organisiert in Zusammenarbeit mit Frauenverbänden, Landwirt*innen und vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften Widerstandsbewegungen. Dazu gehören Kampagnen gegen Ölförderung und Minen.Dabei werden auch die Auswirkungen des Klimawandels und der damit verbundenen Krisen auf Bauers- und Arbeiterfrauen aufgezeigt und bekannt gemacht.

Ngozi Azumah aus Nigeria klagte beim Women’s Climate Assembly im Oktober 2022 im Nigerdelta über Energiekonzerne: Fruchtbare Böden seien wegen der Öl- und Gasförderung verseucht, aber Unternehmen entschädigten Betroffen nicht. „Bevor die Ölfirmen kamen, hatten wir Arbeit“, sagt sie, „jetzt haben Frauen nichts mehr, womit sie handeln und ihre Kinder ernähren können.“

Das von WoMin unterstützte Treffen brachte über 100 Frauen aus verschiedenen Organisationen aus West- und Zentralafrika zusammen, um gemeinsam gegen zerstörerische Großprojekte vorzugehen. Solche Vorhaben verschlimmern nach Ansicht der Teilnehmerinnen häufig die Klimakrise und beeinträchtigen den Zugriff lokaler  Gemeinschaften auf Ressourcen wie Wasser und Ackerland. Die Veranstaltung bot den Frauen eine Plattform, um nachhaltige und gerechte Entwicklungslösungen zu besprechen, von denen das kurz- und langfristige Überleben afrikanischer Frauen und ihre Gemeinschaften abhängen.

„Wenn wir die Stimmen der Landfrauen einbeziehen, können wir sicherstellen, dass es echte Lösungen für den Klimawandel gibt“, betonte Josiane Boyo Yebi aus Côte d’Ivoire. Die Frauen auf dem Land seien doppelt betroffen: durch den  Verlust von Land und die Auswirkungen der Klimakrise.

Konkrete Projekte

WoMin ist bislang in 13 afrikanischen Ländern aktiv und unterstützt zahlreiche Initiativen, darunter ein Kollektiv von Fisch verarbeitenden Frauen im senegalesischen Bargny. Die Frauen kämpfen gegen ein Kohlekraftwerk, das dort gebaut werden soll. Sie fürchten, dass die Anlage ihre ohnehin schon verschmutzte Küste weiter vergiften und somit ihre Lebensgrundlagen zerstören wird.

In Madagaskar arbeitet WoMin mit der Organisation CRAAD-OI (Centre de Recherches et d’Appui pour les Alternatives de Développement-Océan Indien), die sich für Geschlechtergerechtigkeit und eine alternative nachhaltige Entwicklung einsetzt. Die Aktivist*innen unterstützen dort einen von Frauen geführten Widerstand gegen das australische Bergbauprojekt Base Toliara. Die Frauen sehen durch den geplanten Abbau von Mineralien die Souveränität der indigenen Mikea-Gemeinschaft und die geschützten Wälder bedroht.

In Südafrika richtet sich WoMin in der Nordkap-Provinz gegen sogenannten grünen Extraktivismus, den die Organisation als betrügerisches Greenwashing entlarven will. Internationale Konzerne und Politiker zeigen aber nach wie vor ein gieriges Interesse an Afrikas üppigen natürlichen Ressourcen sowie seinen Märkten.

Der „grüne“ Extraktivismus ist eine neue problematische Form der Rohstoffwirtschaft. Es geht um Mineralien und Metalle, die für Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels wie Lithiumbatterien, Windturbinen, Solarzellen oder Elektrofahrzeuge benötigt werden. Problematisch sind auch die Energieerzeugung durch „grünes“ Gas, Wasserstoff und Megastaudämme.

„Internationale Konzerne und Politiker zeigen weiterhin ein enormes räuberisches Interesse an den riesigen natürlichen Ressourcen und Märkten Afrikas“, kritisieren die Aktivistinnen von WoMin. Sie betrachten diese Art der Ressourcenverwendung als falsch, da im Namen der Bekämpfung des Klimawandels weiterhin Menschenrechte missachtet und Ökosysteme zerstört würden.

Gegen „grünen“ Extraktivismus

Für grünen Extraktivismus gibt es in der Nordkap-Provinz wöchentlich neue Vorschläge von Unternehmen, die mit dem Staat zusammenarbeiten. Aus Sicht von WoMin sind deren Versprechen leer. Letztendlich werden örtliche Gemeinschaften ihres Landes und somit ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Die Menschen vor Ort haben keinen Nutzen vom Rohstoffabbau und werden für den Landraub nicht entschädigt.

WoMin organisiert überall auf dem Kontinent Widerstand gegen fehlgeleitete Vorstellungen von „Entwicklung“ und stärkt Frauen und ihre Gemeinschaften in ihrem Recht, dazu „Nein“ zu sagen. Zum Engagement von WoMin gehört es auch, die Kosten und Auswirkungen zerstörerischer „Entwicklungsprojekte“ zu recherchieren, Pläne von Regierungen und Unternehmen infrage zu stellen und Gegenaktionen zu planen. Darüber hinaus bemüht sich die Organisation, juristischen Beistand zu leisten, Kampagnen zur Interessenvertretung zu organisieren und Entwicklungsalternativen zu erarbeiten.

Initiativen und Aktivist*innen, die sich Projekten widersetzen, sehen sich häufig harten Repressalien ausgesetzt, wenn sie ihre Meinung äußern (siehe Suparna Banerjee auf www.dandc.eu). Deswegen hat WoMin gemeinsam mit einem Netzwerk von Verbündeten die Plattform „Rise Against Repression“ ins Leben gerufen. Sie dokumentiert Geschichten und Zeugnisse von Menschen, die Repressionen ausgesetzt waren oder sogar starben.

Die Forderung nach einem Ende des Rohstoffabbaus verbindet WoMin mit der Forderung nach dem Erlass von Staatsschulden und der Begleichung der Klimaschäden durch die historisch verantwortlichen Länder und Verursacher. Ziel aller Aktivitäten ist, dass Frauen eine panafrikanische Bewegung im Kampf für Klimagerechtigkeit formen. Ihre Zukunft steht nämlich auf dem Spiel.

Link
Rise Against Repression:
https://www.riseagainstrepression.org

Connie Nagiah ist Medienkoordinatorin bei WoMin.
connie.nagiah@womin.org.za
https://womin.africa/

Margaret Mapondera ist Kommunikations- und Medienkoordinatorin bei WoMin.
margaret.mapondera@womin.org.za