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Kriegsflüchtlinge

Stopp mit Doppelstandards in der EU-Flüchtlingspolitik

von Mona Naggar

Meinung

Geflüchtete aus der Ukraine bei der Ankunft in Polen.

Geflüchtete aus der Ukraine bei der Ankunft in Polen.

Die arabische Welt blickt mit Frust und Enttäuschung auf Europa. Während ukrainische Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen werden, tut die EU alles daran, Kriegsflüchtlinge aus anderen Weltregionen abzuwehren. Das Leid in Syrien, Afghanistan oder Jemen ist aber genauso schlimm wie in der Ukraine. Dass die Menschen unterschiedlich behandelt werden, ist rassistisch.

In den ersten Tagen des Krieges in der Ukraine verbreiteten sich im Libanon und anderen Ländern der Weltregion Social-Media-Kommentare einiger Reporter großer westlicher Medien, die für Empörung sorgten. Die Kriegsreporter offenbarten ihre mangelnde Professionalität und ihren Rassismus.

Der Korrespondent des amerikanischen Senders CBS, Charlie D’Agata, kommentierte aus Kiew in einem Livegespräch die Lage und äußerte sein Erstaunen darüber, dass in einer „zivilisierten und europäischen Stadt“ so etwas passiere im Gegensatz zum Irak oder Afghanistan, wo seit Jahrzehnten Kriege toben würden. Andere Reporter beschrieben die Geflüchteten aus verschiedenen ukrainischen Städten und stellten einen Gegensatz her zwischen den aus der Mittelschicht stammenden, mitteleuropäisch aussehenden Menschen mit christlichem Hintergrund und syrischen Geflüchteten (siehe auch Vladimir Antwi-Danso auf www.dandc.eu).

Die Reporter entschuldigten sich zwar im Nachhinein, aber die Botschaften waren gesendet. Leid, Krieg und Flucht werden als Normalität in Ländern des Nahen Ostens oder in anderen Teilen des globalen Südens gesehen und dargestellt. Für Europa oder Nordamerika gilt etwas anderes. Für die Menschen in Afghanistan, Syrien oder dem Jemen, die sich nichts mehr als Frieden und Sicherheit wünschen, muss dies wie Hohn und Spott klingen.

Für Empörung sorgt auch die Ablehnung, die Nicht-Ukrainer vielfach bei der Flucht in die Nachbarländer erfuhren. Zahlreiche Karikaturen in arabischen Medien setzen sich mit der ungleichen Behandlung von Menschen auseinander, die versuchen, sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen. Hellhäutige sind in der EU willkommen, Dunkelhäutige nicht.

Eine Karikatur zeigt zum Beispiel einen Grenzposten mit blauer EU-Flagge. Es gibt zwei Übergänge, die nach Farben unterteilt sind – der Schlagbaum, auf dem eine helle Farbpalette befestigt ist, ist offen. Der zweite dagegen mit der dunklen Farbpalette ist geschlossen. Die Karikatur trägt den Titel: „Geflüchtete aus der Ukraine“.

Die EU reagierte schnell und unbürokratisch auf den Krieg in der Ukraine und beschloss, die geflüchteten Ukrainer aufzunehmen und ihnen in den Aufnahmeländern eine Perspektive zu bieten: Bleiberecht, Bildung und Arbeitserlaubnis. Das ist vorbildlich und zeugt von großer Solidarität. Die Ukrainer müssen kein langwieriges Asylverfahren durchlaufen wie Menschen, die übers Mittelmeer in Spanien, Malta, Griechenland oder Italien stranden. Auch das Engagement der Zivilgesellschaft in den EU-Ländern ist beeindruckend.

Warum reagiert Europa heute anders als 2015 oder in den Jahren danach, als Hunderttausende aus Syrien oder anderen Ländern vor Kriegen, den Folgen der Klimakrise oder vor Armut geflohen sind? Die beiden oben genannten Beispiele sind die Antwort. Die Abstammung der Menschen, ihre Hautfarbe und Religion spielen eine Rolle. Der Krieg in der Ukraine ist in vielerlei Hinsicht entlarvend. Es wird deutlich, dass in der europäischen Flüchtlingspolitik doppelte Standards praktiziert werden. Andererseits herrschte 2015 in Deutschland und Schweden auch eine Willkommenskultur, die später wieder nachließ . Zu wünschen ist, dass die gegenwärtige Willkommenskultur länger anhalten möge.

Wie können wir also in Zukunft konstruktiv reagieren? Es wäre wünschenswert, wenn die Einigkeit der EU und die Politik gegenüber den Ukrainern als ein Vorbild für die künftige Flüchtlingspolitik dienen würde. Diese sollte für alle Menschen in Not gelten, egal woher sie kommen und welche Hautfarbe sie haben.


Mona Naggar ist freie Journalistin in Beirut.
[email protected]

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