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Gesundheit

Einfach, aber effektiv

von Ghadeer Mohammed, Maika Müller, Mirja Michalscheck, Muhammad Khalifa

Hintergrund

The tradition of using clay filters to purify drinking water still makes sense in Yemen

The tradition of using clay filters to purify drinking water still makes sense in Yemen

In ländlichen Gegenden und bei humanitären Katastrophen sind Tonfilter eine kostengünstige und verlässliche Methode, um Trinkwasser aufzubereiten. Die arabische Welt sollte von dieser Technik systematisch Gebrauch machen. Von Ghadeer Mohammed, Maika Müller, Mirja Michalscheck, Muhammad Khalifa und Ronza Al Marji

Tonfilter dienen vielen Kulturen ­traditionell zur Trinkwasseraufbe­reitung im Haushalt. Die Technik ist ­einfach und erfordert lediglich einige Grundmaterialen, die leicht zu erhalten sind, nämlich Lehm, Sand, Salz und brennbare Zusätze wie Sägespäne oder Reishülsen.

Tonfilter garantieren dezentralisierten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nicht­regierungsorganisationen (NROs), wie Potters for Peace, das Internationale Rote Kreuz, UNICEF und Oxfam, fördern bereits die Nutzung dieser Technik in Lateinamerika und Asien. In Kambodscha wird sie bereits von zehn Prozent aller Haushalte genutzt (Hagan et al. 2009).
In Nordafrika und dem Nahen Osten haben Tonfilter eine lange Tradition. Dennoch – und trotz ihrer Effektivität – werden sie in der Region heute als minderwertig angesehen, da sie technisch nicht anspruchsvoll sind. Die Chancen großflächiger kommerzieller Vermarktung sollten geprüft werden.

Die Durchschnittskosten für einen Tonfilter belaufen sich auf etwa fünf Dollar. Sie sind also auch für einkommensschwache Haushalte erschwinglich. Ein Filter kann etwa zwei Jahre lang genutzt werden. Mikrobiologische Untersuchungen zeigen, dass ein Filterdurchlauf die E.coli-Kontaminierung im Wasser um 99 Prozent reduzieren kann. Pro Stunde reinigt ein Filter ein bis zwei Liter.

Örtlich verwurzelte Organisationen (Community Based Organisations – CBOs) könnten dabei helfen, die Bevölkerung vom Nutzen der Tonfilter zu überzeugen. Dabei sollte man die Menschen über NROs, Frauen-Selbsthilfegruppen, Schulen und Moscheen ansprechen. Um die gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern, ist es sinnvoll, zunächst lokale Führungspersönlichkeiten zu überzeugen.

Auch staatliche Förderung wäre angebracht, da die Filter einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Watersant (2010:2) bewertet die Situation wie folgt: Für jeden Dollar, der in die Verbesserung der Wasser- und Abwassersituation investiert wird, ergibt sich durch vermiedene Kosten und erhöhte Produktivität ein Nutzen von acht Dollar.

Jemen, Gaza, Sudan und Jordanien

Die Filter können in ländlichen Gebieten sowie in Krisenregionen, wie etwa dem Jemen, dem Gazastreifen und dem Sudan, produziert und eingesetzt werden. In diesen Ländern hat ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Im Sudan gilt das für rund 36 Prozent der ländlichen Bevölkerung (WHO/UNICEF 2008) und im Gazastreifen sogar für 60 Prozent aller Menschen (Aryani 2009).

Die soziopolitischen Gegebenheiten sind in jedem Land anders. Wegen Israels Blockade ist beispielsweise die Wirtschaft im Gazastreifen weitgehend zusammengebrochen. Insbesondere die Einfuhr von technischen Geräten ist stark eingeschränkt. Die Autonomiebehörde kann ihre Verantwortung nur begrenzt wahrnehmen und die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Zweifellos würde die Nutzung von Tonfiltern dazu beitragen, die Bevölkerung mit sicherem Trinkwasser zu versorgen und vor Krankheiten zu schützen, die von Wasser übertragen werden.

Auch die Situation im Sudan ist durch ständige politische Instabilität und Konflikte gekennzeichnet. Viele Menschen leben in Flüchtlingslagern, wo der Zugang zu adäquatem, sauberem Trinkwasser eines der Hauptprobleme ist. Tonfilter könnten die Lage wesentlich verbessern.

Im Jemen lebten schon vor den aktuellen Wirren 70 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gebieten ohne Infrastruktur. Sie leiden unter von Wasser übertragbaren Krankheiten.

Sogar in Ländern mit vergleichsweise hohen staatlichen Kapazitäten können Tonfilter helfen, den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern. Laut WHO/UNICEF haben 97 Prozent der jordanischen Bevölkerung Zugang zur staatlichen Wasserversorgung. Die zuständigen Behörden bezeichnen ihr Trinkwasser als sauber. Verunreinigungen entstehen jedoch in den Wassertransport-Lastwagen sowie durch mangelhafte Instandhaltung der Behälter und Regenwasserauffangbecken. Tonfilter wären deshalb auch in Jordanien nützlich – besonders im ländlichen Raum.

Wasserfilter herzustellen ist fast überall möglich. Unser Teamprojekt hat die Voraussetzungen in Jordanien analysiert und Tonfilter aus lokalen Materialien –­ einer Mixtur aus Lehm und Brennstoffen wie Kaffee oder Sägespäne – hergestellt. Beim Brennen im Ofen hinterlassen solche Materialien feine Poren, durch die das Wasser anschließend sickert. Diese Poren fangen Bakterien und Schwebstoffe auf. Die Filtrationsrate und die Effektivität der Filter hängen von der Poren­größe ab. Um gute Filter herzustellen, brauchen ­lokale Töpfereien über ihre Grundausstattung hinaus lediglich eine Mühle, mit der sie die brennbaren Zu­sätze auf die ­optimale Größe bringen.