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Unsere Sicht

Chancen in der Krise

von Katja Dombrowski

Meinung

Leistungsstarkes solarthermisches Kraftwerk in Ouarzazate in Marokko.

Leistungsstarkes solarthermisches Kraftwerk in Ouarzazate in Marokko.

Die alles beherrschende weltweite Krise, die Coronavirus-Pandemie, drosselt den globalen Energieverbrauch. Fabriken stehen still, der Gütertransport stockt, Menschen bleiben zu Hause. Für viele Wirtschaftsbereiche ist das fatal, von menschlichem Leid ganz zu schweigen. Arme, die auf ihren Tageslohn angewiesen sind, leiden besonders. Die Luft in Ballungsräumen von Wuhan bis Los Angeles war hingegen schon lange nicht mehr so gut.

Die Pandemie ist eine Zäsur. Viele Menschen in reichen Ländern sind gezwungen, ihren Alltag herunterzufahren – und stellen fest: Es geht auch anders. Wenn weniger reisen, digitaler arbeiten und eine gewisse Beschränkung auf das Notwendige zu Trends würden, die nach Corona weiterbestehen, würde der Energiebedarf nachhaltig sinken und das Klima profitieren. Ein wesentlicher Faktor ist auch die Produktion von Gütern nah am Verbraucher. Die Krise hat die Globalisierung neu auf den Prüfstand gestellt. Dramatische Engpässe werfen die Frage auf, ob es klug ist, Medikamente, Schutzkleidung oder medizinische Ausrüstung am anderen Ende der Welt produzieren zu lassen, damit sie bei uns ein bisschen weniger kosten. Die gleiche Frage lässt sich auf viele andere Güter übertragen. Zumal der Preisvorteil nur dadurch entsteht, dass der Transport nicht adäquat – also inklusive aller Kosten, zu denen auch Umweltkosten gehören – in den Produktpreisen enthalten ist, und dass fossile Energien nach wie vor stark subventioniert werden, siehe zum Beispiel Steuerbefreiungen für Kraftstoffe in der Luft- und Seefahrt.

Diese fehlgeleitete Förderung blockiert die Energiewende und muss spätestens jetzt überdacht werden. Das ist eine der Chancen, die in der Krise liegen. Eine andere besteht darin, die nun mobilisierten staatlichen Milliardenhilfen für die nötige Dekarbonisierung der Wirtschaft zu nutzen. Laut Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur IEA, hätte das den „doppelten Effekt, die Wirtschaft zu stimulieren und den Umbau der Energiewirtschaft zu beschleunigen“. Auch Entwicklungsländer müssen handeln. Sie brauchen dafür finanzielle Unterstützung – wenn auch nur einen Bruchteil der Billionenprogramme, die Europa und Nordamerika beschlossen haben.

Im besten Fall beschleunigt die Krise den europäischen Green Deal. Es besteht aber auch die Gefahr von Rückschritten. Öl ist momentan so billig wie lange nicht mehr, das schafft nicht gerade einen Anreiz für Abkehr oder sparsamen Verbrauch. Die europäische Autoindustrie ruft nach lockereren Emissionsgrenzwerten; die US-Regierung hat sie gerade beschlossen. Experten halten die Neuregelung für den größten Rückschritt in der US-Klimapolitik, denn im Verkehrssektor entstehen die meisten CO2-Emissionen überhaupt.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Bewältigung der Pandemie die Politik derartig dominiert, dass andere Entscheidungen lange vertagt werden. Klimapolitik hat bei einer drohenden epochalen Rezession der Weltwirtschaft einen schweren Stand. Sie zu vernachlässigen, wäre jedoch ein großer Fehler: Die Klimakrise ist nicht weg, im Gegenteil, sie spitzt sich weiter zu.

In der Coronakrise haben Regierungen bewiesen, dass sie weitgehend in das Wirtschafts- und Alltagsleben eingreifen können, dass sie bereit sind, dem Rat von Wissenschaftlern zu folgen und dass sie Milliarden mobilisieren können, wenn es gilt, großen Schaden abzuwenden. Nach der Pandemie wird es schwieriger sein als vorher, angesichts des Klimawandels die Achseln zu zucken. Am Ende steht also wieder eine Chance.


Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
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