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Versicherungen

Aufbruchstimmung

von Anja Strautz

In Kürze

Alltagsrisiko: Verkehrsunfall in Burkina Faso.

Alltagsrisiko: Verkehrsunfall in Burkina Faso.

In Entwicklungsländern gibt es viele Risiken, aber kaum Versicherungsschutz. Mittlerweile interessieren sich aber internationale Branchen­riesen für Afrika.

In Industrieländern gibt es Versicherungen gegen fast jedes Risiko, sei es Unfall, Diebstahl, Krankheit oder Berufsunfähigkeit. Staatliche Renten- und Krankenversicherungen sind weit verbreitet. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern genießt die große Mehrheit aber keinen solchen Schutz.  

Staatliche Versicherungssysteme sind in Entwicklungsländern nur eingeschränkt vorhanden, und auch das privatwirtschaftliche Angebot ist recht begrenzt. In Deutschland beträgt der Anteil von Versicherungsprämien am Bruttoinlandsprodukt (die sogenannte Versicherungsdurchdringung) 6,7 Prozent. Zum Vergleich: Mexiko kommt auf 2,2 Prozent, die Türkei auf 1,5 Prozent und Nigeria auf nur 0,6 Prozent.

Die Gründe dafür, dass das Angebot gering ist, unterscheiden sich von Land zu Land. Relevant sind unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Reifegrad der ökonomischen Entwicklung. In vielen Ländern gibt es zudem kaum amtliche Statistiken, und deren Daten sind oft wenig verlässlich. Das macht Risiken für Versicherungsunternehmen kaum kalkulierbar. Heimischen Unternehmen fehlt es zudem oft an Know-how über Produktgestaltung, Marketing und andere Dinge. All das führt dazu, dass die heimische Versicherungsbrache recht klein und schwach geblieben ist.

Internationale Konzerne wittern aber durchaus Chancen. So gab etwa der französische Versicherungsriese AXA Ende November bekannt, dass sie Mehrheitsanteils­eigner der Mansard Insurance in Nigeria wird. Mansard ist dort eines der großen Versicherungsunternehmen. Das AXA-Management hat mitgeteilt, es wolle mit diesem Schritt nicht nur den nigerianischen Markt erschließen, sondern seine Präsenz auf dem Kontinent generell stärken.

Auch andere multinationale Ver­sicherungskonzerne wittern mittlerweile Chancen südlich der Sahara, denn viele Volkswirtschaften sind dort in den vergangenen zehn Jahren schnell gewachsen. Zugleich sind Menschen dort besonders vielen Risiken ausgesetzt, die ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen: Überschwemmungen, Ernteausfälle, Krankheiten, tödliche Unfälle.

Michael Bornmann von der KfW-Tochter DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), die den Privatsektor in Entwicklungsländern unterstützt, spricht von einer „aufregenden Zeit“. In Entwicklungs- und Schwellenländern wachse die Versicherungsbranche am stärksten, und dort „entstehen die größten Innovationen“, wie er bei einer Fachkonferenz der DEG in Köln Ende November sagte. Die DEG unterstütze die Branchenentwicklung als „Kapital- und Signalgeber sowie als Förderer von Standards“. Sie gehörte auch zu den Investoren, die sich frühzeitig in Nigeria engagiert haben und nun AXA Mansard-Anteile verkauft haben.  

Innovative Strategien sind wichtig. Mansard kooperiert mit Nigerias größten Telekommunikationsanbieter MTN bei der Lebensversicherung „MTN Y’ello Live“. Klienten können Ansprüche mit ihrem Handy geltend machen und müssen dafür keine Formulare ausfüllen. Schon im ersten Jahr wurden 500 000 Policen verkauft – überwiegend an Menschen, die zuvor keinen Versicherungsschutz hatten.

Christian Reber von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group sieht besonders gute Wachstumschancen in Schwellenländern. Er merkt aber auch an, dass die Gesetzgebung häufig heimische Unternehmen schützt. Das gelte beispielsweise für Rückversicherungen, bei denen andere Versicherungen ihre eigenen Risiken absichern. Um im offenen Wettbewerb zu bestehen, seien fachliches und regionales Know-how sowie die Erfüllung hoher Standards nötig.

Hope Murera von ZEP-Re, einem Rückversicherer mit Sitz in Kenia, der in mehreren afrikanischen Ländern arbeitet, ist aber zuversichtlich,  im Wettbewerb bestehen zu können. Ihr Rat ist, sich nicht in geschützten Märkten einzurichten, sondern sich auf Konkurrenz einzustellen.  

Ähnlich sagt auch Corneille Karekezi vom nigerianischen Rückversicherer Africa Re, lokale Akteure hätten Zukunft. Eine Stärke der örtlichen Unternehmen sei, mit Intuition und Kulturkenntnis ­Risiken auch dann einzuschätzen, wenn die Datenbasis dünn sei. Internationales Expertenwissen sei zudem heute einfacher verfügbarer, da Spezialisten auch für einen Tag von London nach Lagos fliegen. Der Aufbau von lokalem Versicherungs-Know-How sei ebenso unerlässlich, sagt Karekezi.

Anja Strautz

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