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Weltwirtschaft

Globalisierung richtig gestalten

von Hans Dembowski

In Kürze

Asien holt auf, aber soziale Ungleichheit prägt viele Gesellschaften: Peripherie von Ho-Chi-Minh-Stadt.

Asien holt auf, aber soziale Ungleichheit prägt viele Gesellschaften: Peripherie von Ho-Chi-Minh-Stadt.

François Bourguignons kurzes neues Buch enthält positive und negative Botschaften. Gut ist, dass das Wohlstandsgefälle zwischen Nationen abnimmt. Unerfreulich ist dagegen, dass soziale Ungleichheit innerhalb von Ländern zunimmt. Für den prominenten französischen Ökonom folgt daraus, dass Globalisierung Schwellen- und Entwicklungsländern neue Chancen eröffnet, aber internationale und nationalstaatliche Politik Ungleichheit reduzieren muss.

Bourguignon ist ein ehemaliger Chefvolkswirt der Weltbank, dessen wissenschaftliche Reputation auf Arbeiten über Armut beruht. Er lehnt die konventionelle ökonomische These ab, der zufolge Umverteilung Markteffizienz beeinträchtigt. Das stimme nur im Modell, bei dem perfekte Märkte angenommen werden. In der Realität seien Märkte aber nicht vollkommen. Als Beispiel nennt er den Kapitalmarkt, das Bildungswesen und Land- und Immobilienbesitz.

  • Die Erben großer Vermögen können Investitionen mit eigenem Geld tätigen und kommen leicht an Kredite heran. Folglich haben sie weniger Schwierigkeiten, Unternehmen zu gründen, als gleich oder sogar höher begabte Kinder weniger bemittelter Eltern.
  • Verschärfend kommt hinzu, dass reiche Familien sich hohe Schul- und Studiengebühren leisten können, arme aber nicht.
  • Wohlhabende Haushalte besitzen oft Land oder Häuser, die sie aus Spekulationsgründen brach liegen oder leer stehen lassen. Ärmere Leute würden solche Ressourcen aber in maximalem Umfang nutzen.

Solche Beispiele zeigen, dass – rein ökonomisch betrachtet – reale Märkte oft weniger effizient sind, als ökonomische Modelle andeuten. Bourguignon weist obendrein darauf hin, dass Ungleichheit auch negative soziale und politische Folgen wie Kriminalität, Gewalt und politische Instabilität hat, die ihrerseits den volkswirtschaftlichen Erfolg beeinträchtigen. Er schreibt, in Bogotá hätten zeitweilig Sicherheitsdienste, die Wohlstand schützen, aber nicht schaffen, zehn Prozent der Lohnabhängigen beschäftigt. Damit Volkswirtschaften nicht unnötig klein gehalten werden, müssten Regierungen Ungleichheit bekämpfen, fordert der Wissenschaftler. 

Dafür sieht Bourguignon mehrere Möglichkeiten. Die Regierungen von Schwellenländern sollten soziale Sicherungssysteme ausbauen, empfiehlt er, und wohlhabende Nationen sollten solche Systeme nicht einschränken. Bourguignon spricht sich für öffentliche Gesundheits- und Bildungssysteme aus. Schwellen- und Entwicklungsländer sollten in ausreichendem Maß Steuern eintreiben, um öffentliche Dienstleistungen anbieten zu können. Derweil bestehe unter reichen Ländern das Risiko eines destruktiven Steuerwettbewerbs, bei dem die Sätze immer weiter sinken. 

Um das zu verhindern, muss Bourguignon zufolge die Steuerpolitik international koordiniert werden. Es geschehe noch zu wenig, obgleich das Interesse an dem Thema wachse. Langfristig sagen Bourguignon Erbschaftssteuern zu, weil sie dem Anwachsen von Ungleichheit über Generationen hinweg entgegen wirken. Er räumt aber ein, dass solche Steuern heute wegen der hohen Mobilität von Kapital und Menschen schwer einzutreiben sind. 

Bourguignon fordert auch auf anderen Feldern mehr internationales Engagement. Die reichen Nationen müssten mehr Geld für Entwicklungshilfe (official development assistance - ODA) aufwenden als die 0,35 % der Wirtschaftsleistung, die sie bislang im Schnitt bereitstellen. Zum Vergleich weist er darauf hin, dass sein Heimatland etwa 15 bis 20 Prozent der Einkommen der reichsten Bürger umverteilt, um die Lage weniger begünstigter Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Er lässt keinen Zweifel daran, dass mehr internationale Umverteilung nötig ist.

Zu diesem Zweck sollten reiche Länder Entwicklungsländern auch besseren Marktzugang gewähren, urteilt der emeritierte Professor. Auch geistige Urheberrechte und die Beschränkung von Migration behinderten die Entwicklung benachteiligter Weltregionen. 

Insgesamt erwartet Bourguignon, dass Globalisierung zu breiterem Wohlstand weltweit führen wird. Nötig sei aber stimmige Regulierung. Er warnt aber auch, Krisen könnten Fortschritte wieder zunichte machen. Zu den Gefahren zählt er den Klimawandel und Finanzkrisen, wie sie etwa durch ein Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion ausgelöst werden könnten.

Hans Dembowski

Literatur:
François Bourguignon, 2015: The globalisation of inequality. Princeton: University Press

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