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Editorial

Spezielle Geschäftsmodelle

von Hans Dembowski

Meinung

Südafrikanerin mit neuer, im November 2012 eingeführter Banknote.

Südafrikanerin mit neuer, im November 2012 eingeführter Banknote.

Angelehnt an den Begriff „Gangster“ entstand in der Weltwirtschafts­krise der 1920er und 30er Jahre in den USA das Wort „Bankster“. Wiederbelebt wurde es nach dem Zusammenbruch der Investment Bank Lehman Brothers 2008. Weltweit verbinden Menschen mit Finanzinstituten heute Misswirtschaft und Kriminalität. Es passt ins Bild, dass vor wenigen Wochen auch in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank in Frankfurt wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung ermittelt wurde.

Die öffentliche Empörung ist begründet. Dass 2007/2008 die globale Finanzkrise begann, lag an gravierendem Marktversagen. Führende Kreditinstitute hatten faule Kredite in schwer verständliche Wertpapiere verpackt und damit Geschäfte gemacht. Am Ende mussten Regierungen Geldhäuser retten, deren Kollaps das ganze Wirtschaftssystem gefährdet hätte. Solche Bail-outs sind teuer, und entsprechend sind viele Staaten jetzt hoch verschuldet.

Makroökonomisch ist die Finanzkrise noch längst nicht überwunden. Die Zinsen sind in Industrieländern mit eigener Währung wie den USA, Britannien oder Japan trotz hoher Staatsschulden außergewöhnlich niedrig. Dennoch nimmt deren Ökonomie kaum Fahrt auf, weil Unternehmen angesichts schwacher Nachfrage und unausgelasteter Produktionskapazitäten Neuinvestitionen scheuen. Da die Regierungen sparen, mangelt es auch an dringend nötigen Investitionen in In­frastruktur. In der EU macht die Eurokrise mit hohen Zinsdifferenzen innerhalb der Währungsunion und hohem Spardruck alles noch schwieriger.

Für viele Entwicklungs- und Schwellenländer ist die Krise dagegen aus mehreren Gründen recht glimpflich verlaufen. Ihre Binnennachfrage war robust, weil wachsende Mittelschichten sich viele Konsumwünsche noch nicht erfüllt haben. Die Regierungen der Schwellenländer steuerten dem Abwärtstrend zudem mit expansiver makroökonomischer Politik entgegen. Der anhaltend hohe Rohstoffverbrauch dieser Nationen sorgte derweil für hohe Weltmarktpreise, welche die Wirtschaft armer Exportländer stimulieren. Nun mehren sich aber die Anzeichen, dass die ökonomische Stimmung in China, Indien und Brasilien kippt. Das macht die Dinge auch für Rohstofflieferanten schwieriger. Breite Erholung in der reichen Welt ist derweil nicht abzusehen.

Klar ist indessen, dass ein leistungsfähiger Finanzsektor für den volkswirtschaftlichen Erfolg nötig ist. Banken verdienen sicherlich nicht die Ver­ehrung, die manche Spitzenmanager vor der Krise beanspruchten. Banken müssen aber, wenn es aufwärts gehen soll, ihre Funktion erfüllen: die Versorgung von Investoren mit Kapital zu erschwinglichen Kosten.

Seit langem gibt es einen Trend zur globalen Homogenisierung der Branche. Er besteht fort. Die Vorbildfunktion der USA ist zwar mittlerweile diskreditiert, der Ruf nach internationalen Regeln hat aber zugenommen. Wohin die Reise geht, ist noch nicht klar. Es wäre klug, ein paar entwicklungspolitische Lehren zu beherzigen, die sich bereits ziehen lassen:

  •  Banken sind externen Schocks weniger ausgesetzt, wenn sie sich auf lokale Einlagen stützen und sich nicht am Weltmarkt refinanzieren.
  •  Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die so agieren, sind für die volkswirtschaftliche Entwicklung mindestens so wichtig wie landesweit oder gar international operierende Geschäftsbanken. Das Recht muss ihre speziellen Geschäftsmodelle zulassen.
  •  Homogenisierung führt zu gefährlichem Herdenverhalten.
  •  Öffentliche Förderbanken sind wichtig, auch wenn das marktorthodoxen Vorstellungen widerspricht.