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Wirkungsforschung

Hohe Veränderungs-bereitschaft, wenig System

von Hans Dembowski
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) haben Wissenschaftler untersucht, wie die deutsche Entwicklungspolitik evaluiert wird. Ihr Urteil lautet: Es wird schon viel getan, aber es gibt auch noch viel zu verbessern.

Abgesehen vielleicht von der Bildungspolitik gibt es in Deutschland kein Politikfeld, das seine Arbeit so intensiv evaluieren lässt wie die Entwicklungspolitik. So lautet das Urteil von Reinhard Stock­mann von der Universität Saarbrücken. Zugleich stellt er aber auch einen „hohen Grad an Segmentierung und Parzellierung“ fest. Die Daten, welche die verschiedenen deutschen Mittelempfänger des BMZ veröffentlichten, ließen sich in der Regel weder vergleichen noch aggregieren.

Stockmann beklagt, Gegenstand von Evaluationen seien oft Einzelmaßnahmen. Daraus könnten die betroffenen Institutionen zwar für die Steuerung von Projekten lernen, aber konzeptionelles und institutionenübergreifendes Lernen kämen zu kurz. Um Abhilfe zu schaffen, sollten am besten alle Evaluationen veröffentlicht werden. Bisher tue das aber nur das BMZ. Der Experte aus Saarbrücken betont, von möglichst großer Transparenz profitiere auch die Methodik der Evaluatoren. Autoren, die sich der Öffentlichkeit stellen, sind schließlich gezwungen, plausibel zu erklären, wie sie zu ihren Ergebnissen gekommen sind.

Stockmann leitet an der Universität Saarbrücken das Centrum für Evaluation. Zusammen mit Axel Borrmann vom HWWI (Hamburgisches WeltWirtschafts Institut) war er für die Studie verantwortlich, die das BMZ in Auftrag gegeben hat. Die Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter haben zwei Jahre lang die Evaluationspraktiken des Ministeriums sowie von sieben staatlichen Durchführungsorganisationen, sechs politischen Stiftungen und sechs zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen untersucht.

Aus Sicht der Forscher ist die Veränderungsbereitschaft im BMZ und seinem Umfeld groß. Sie loben, dass in den vergangenen zehn Jahren schon viel geschehen sei. So gebe es bei allen wichtigen Akteuren mittlerweile Evaluierungsabteilungen, die sich an den Standards des Development Assistance Committee der OECD orientierten. Es werde auch verstärkt mit unabhängigen Evaluatoren gearbeitet.

Allerdings monieren die Autoren der Studie auch, dass alle Beteiligten zu wenig Geld für Evaluation aufwenden. Sie gehen davon aus, dass mindestens ein Prozent der Gesamtausgaben gebraucht werde – in der Praxis blieben aber alle Akteure „im Promillebereich“.

Die Gutachter beanstanden zudem, die Evaluationsqualität schwanke von Institution zu Institution stark. Vorbildliche Arbeit leisteten die KfW Entwick­lungsbank, die GTZ und die Welthungerhilfe. Unabhängige Organisationen sind ihrem Urteil nach aber generell weniger zur Transparenz bereit. Sie regen an, das BMZ solle sein Evaluationsreferat „finanziell und personell“ stärken. Für sinnvoll halten sie es darüber hinaus, eine unabhängige Evaluationsagentur oder einen unabhängigen Evaluationsbeirat zu gründen, um die „Systembildung“ zu unterstützen.

Das Interesse an Evaluation der Entwicklungspolitik ist in den vergangenen Jahren international gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Paris Declaration on Aid Effectiveness „management for results“ und „mutual accountability“ zu Leitprinzipien erklärt hat. Versprechen, die Entwicklungshilfe zu erhöhen – etwa beim Monterrey Gipfel 2002 oder im EU-Rahmen – führen derweil dazu, dass in Parlamenten nachgefragt wird, was diese Mittel denn bewirken.

Unter dem Titel „Evaluation in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit“ ist die Studie in zwei Bänden im Waxmann-Verlag (Münster) erschienen. Der erste Band mit der Zusammenfassung soll bis Ende des Jahres auch auf Englisch veröffentlicht werden.

Staatssekretär Erich Stather vom BMZ hob auf der Pressekonferenz bei der Präsentation der deutschen Ausgabe in Berlin im Mai die Bedeutung des Gutachtens für eine „EZ aus einem Guss“ hervor. Das Gutachten bestätige auf eindrucksvolle Weise den vom BMZ seit Beginn der Legislaturperiode angemahnten Reform- und Veränderungsbedarf. Die Studie liege ganz auf der Linie des BMZ, jetzt gelte es, mit den Durchführungsorganisationen konkrete Reformschritte einzuleiten.

Hans Dembowski