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Mobilität

Beitrag zu nachhaltigem Verkehr

von Sabine Balk

Hintergrund

Besonders stolz ist Maha Metro auf ein 4,5 Meter langes Doppeldecker-Stück, auf dem Straße und Metro übereinander laufen.

Besonders stolz ist Maha Metro auf ein 4,5 Meter langes Doppeldecker-Stück, auf dem Straße und Metro übereinander laufen.

In Indiens Metropole Nagpur entsteht eine neue Metrolinie, die mit einem Förderkredit der KfW Entwicklungsbank finanziert wird. Sie soll einen Beitrag zu nachhaltigem öffentlichen Verkehr leisten. E+Z/D+C-Redakteurin Sabine Balk hat die Baustelle besichtigt und eine Probefahrt auf einer Teststrecke gemacht.

Die Hochbahn pflügt sich mitten durch die 2,4-Millionen-Einwohner-Stadt, eine für indische Verhältnisse mittelgroße Metropole. Mehr als 70 Prozent der 42 Kilometer langen Strecke sind bereits fertig. An den Baustellen wird laut Management täglich rund um die Uhr gearbeitet. Entlang der neuen Metrostecke stehen meterdicke Betonpfeiler, auf denen in über acht Metern Höhe bereits das Schienenbett zu sehen ist. Besonders beeindruckend ist ein 4,5 Kilometer langes Doppeldecker-Teilstück im Herzen der Stadt. Auf der ersten Etage verläuft die Straße, auf der Trasse darüber fährt die Metro.

Die Maharashtra Metro Rail Corporation (kurz Maha Metro), ein indisches staatliches Unternehmen, das jeweils halb der Zentralregierung und dem Bundesstaat Maharashtra gehört, entwickelt, baut und betreibt das gigantische Infrastrukturprojekt. Der für die Planung zuständige Exekutivdirektor Ramnath Subramaniam führt die Besucher aus Deutschland, eine Delegation aus KfW-Mitarbeitern und Journalisten, persönlich den ganzen Tag von Baustelle zu Baustelle. Er zeigt sich sehr zufrieden: „Wir sind gut im Zeitplan, es gibt kaum Verzögerungen, und wir sind zuversichtlich, dass wir planmäßig fertig werden.“ Die Nagpur Metro soll 2020 ihren Betrieb aufnehmen.

Die Stadt erhofft sich viele Vorteile durch das neue öffentliche Transportmittel. Bisher gibt es keinen nennenswerten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Nagpur. Es fahren einige städtische Busse, die aber weniger als zehn Prozent des Nahverkehrs ausmachen. Die Busse sind schlecht gewartet, unzuverlässig und schmuddelig. „Wer will denn in so einem Bus noch fahren, wenn er eine nagelneue Metro nehmen kann?“, fragt Ramnath Subramaniam.

Die meisten Menschen fahren mit ihren Mopeds in die Stadt, ein kleinerer Teil mit dem Auto. Der private Verkehr macht über 70 Prozent aus. Das hoffen die Verantwortlichen von Maha Metro mit dem neuen Transportmittel zu ändern. Denn Stau, schlechte Luft und Lärm gehören in Nagpur – wie in vielen Städten Indiens – zum Alltag auf den Straßen.

Erklärtes Ziel Nagpurs ist es, klimafreundliche Mobilitätslösungen bereitzustellen und den Individualverkehr in Richtung ÖPNV zu verlagern. Das Herzstück des neuen Verkehrsplans ist die Metro, die auf zwei Korridoren (Nord-Süd und Ost-West) entsteht. Es wird insgesamt 40 Stationen und zwei Depots für die Wartung der Züge geben.

Damit die Metro breit genutzt wird, haben die Planer auch ein Konzept für die Anreise an die Stationen entwickelt, erklärt Ramnath Subramaniam. Es wird im Umfeld der Stationen eine Infrastruktur für nichtmotorisierten Transport, also Geh- und Radwege oder Bike Sharing geben. Auch Park&Ride-Plätze für die Mopeds sollen gebaut werden; elektrische Busse sollen das Zubringersystem ergänzen. Trotz all der durchdachten Planung weiß der Maha-Metro-Manager, wie schwer es ist, die Menschen von ihren bisherigen Gewohnheiten abzubringen: „Es wird einige Überzeugungsarbeit kosten, die Leute zum Umsteigen in die Metro zu bewegen.“

Großen Widerstand gegen den Bau habe es bei den betroffenen Anwohnern nicht gegeben, versichert der Geschäftsführer von Maha Metro, Brijesh Dixit. Seinen Angaben zufolge mussten weniger als 100 Menschen umgesiedelt werden, und diese seien großzügig entschädigt worden. „Es waren hauptsächlich Geschäftsinhaber betroffen, von denen aber einige in den neuen Stationen ihr Gewerbe weiterbetreiben können“, sagte er.

Maha Metro plant, die Menschen durch öffentliche Kampagnen von dem neuen Verkehrskonzept zu überzeugen. So rechnet die Gesellschaft für das Jahr 2021, ein Jahr nach geplanter Inbetriebnahme, mit 380 000 Passagieren pro Tag. Bis 2041 sollen es über eine halbe Million sein. Durch die Verlagerung des städtischen Verkehrs von der Straße auf die Schiene erwartet Nagpur jährliche Einsparungen von rund 67 000 Tonnen CO2 und eine Verbesserung der Luftqualität durch die Reduzierung des Feinstaub- und Stickstoffoxidausstoßes. Durch das Projekt sollen rund 1700 direkte Arbeitsplätze geschaffen werden. Am Bau sind nach Angaben von Ramnath Subramaniam rund 10 000 Arbeiter beschäftigt.

Um das Projekt noch nachhaltiger zu gestalten, setzt Maha Metro weitere Ziele um, versichert der Exekutivdirektor: Die Stationen werden nach energieeffizienten Vorgaben geplant und gebaut; der Strom für die Metro stammt großteils aus Solaranlagen auf den Dächern von Metrostationen; die Abwässer werden zu 100 Prozent recycelt; Regenwasser wird gesammelt und genutzt; Bäume, die für den Bau gefällt werden mussten, werden an anderer Stelle wieder aufgeforstet, bislang seien 5000 neue Bäume gepflanzt worden.

Dieses Nachhaltigkeitskonzept hat auch die KfW Entwicklungsbank überzeugt, die den Metrobau mit einem Kredit in Höhe von einer halben Milliarde Euro unterstützt. Das ist der höchste jemals vergebene Einzelkredit. Die französische Agence Française de Développement (AFD) stellt weitere 130 Millionen bereit, während der Rest zu gleichen Teilen von der indischen Zentralregierung und der Regierung Maharashtras getragen wird. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. KfW-Vorstand Joachim Nagel zeigte sich vor Ort zufrieden mit dem Fortgang des Metrobaus: „Das Projekt ist sehr gut gemanagt und verläuft nach Plan.“

Er stieg – wie der Rest der deutschen Delegation – gern zur Probefahrt in die nagelneuen Metrowagen chinesischen Fabrikats ein und ließ sich die Technik erklären. Noch blitzen die Züge vor Sauberkeit, und die Klimaanlage kühlt die warme indische Luft auf rund 20 Grad herunter.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z/D+C und besuchte den Metrobau in Nagpur auf Einladung der KfW.
[email protected]

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