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Innovation

Mittelständler gewinnen

von Simon Unterschütz

In Kürze

Jonas Rehmet von Better Today (vorne), Felix Nkulukusa, ehemaliger Staatssekretär im sambischen Finanzministerium (Mitte), und Jörn-Hendrik Müller-Bornemann  von der GIZ im  „lab of tomorrow“.

Jonas Rehmet von Better Today (vorne), Felix Nkulukusa, ehemaliger Staatssekretär im sambischen Finanzministerium (Mitte), und Jörn-Hendrik Müller-Bornemann von der GIZ im „lab of tomorrow“.

Wenn man mit der Lösung eines Problems nicht weiterkommt, muss man neue Wege beschreiten. Im „lab of tomorrow“ entwickeln Unternehmer aus Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen mit europäischen Firmen digitale Geschäfts- und Projektideen für spezifische Herausforderungen.

Sambia hat ein großes Steuerproblem. Nur wenige Bürger und Unternehmen zahlen regelmäßig Abgaben an den Staat. Diesen Zustand will die sambische Steuerbehörde ändern. Wie sie das erreichen kann, war Thema des ersten „lab of tomorrow“ im vergangenen Dezember in Berlin. Drei Tage lang tüftelten dazu Vertreter mittelständischer und großer Unternehmen, darunter SAP und Deloitte, mit sambischen Experten und Entscheidungsträgern, wie dem Leiter der Steuerbehörde und dem ehemaligen Staatssekretär des Finanzministeriums, an einer Lösung. Am Ende präsentierten sie fünf Ideen. Ein Beispiel: Unternehmer müssen bei der Registrierung von SIM-Karten ihre Steueridentifikationsnummer angeben und Auskunft über ihre Einnahmen geben. Die Finanzbehörde, bei der die Daten landen, kann so auf die Steuerpflichtigen zugreifen, sie informieren und Steuersünder identifizieren.

Mit dem „lab of tomorrow“, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt, sollen auch mittelständische Unternehmen dafür gewonnen werden, in Entwicklungsländern in Projekte mit sozialem Nutzen zu investieren. Viele Firmen sehen dort kein Marktpotenzial. Weitere Hindernisse sind fehlende Netzwerke, mangelnde Marktkenntnisse und Risikoscheu. Oft fehlt eine zündende Geschäftsidee – und zu dieser wollen die Workshops verhelfen.

Nach der Präsentation der Lösungsvorschläge für Sambias Steuerproblem sagten acht der elf teilnehmenden Unternehmen zu, den Prozess weiter zu begleiten. Aktuell bereiten die Unternehmen, die sich teilweise zu Konsortien zusammengeschlossen haben, Tests in Sambia vor. Dabei sollen unter anderem Fragen rund um das Thema Datenschutz geklärt werden.

Eine der vorgeschlagenen Lösungen basiert auf der Integration verschiedener IT-Systeme, die innerhalb des sambischen Regierungsapparats verwendet werden. So soll zum Beispiel die Datenbank der Registrierungsstelle für Unternehmen mit den Systemen der Steuerbehörde verknüpft werden, um Auffälligkeiten im Zahlungsverhalten besser zu ermitteln. Eine andere Idee setzt bei der Tatsache an, dass viele Menschen aufgrund mangelnden Wissens keine Steuern zahlen. Um dem abzuhelfen, sollen externe Dienstleister, wie zum Beispiel Kioskbetreiber, durch spezielle Trainings zertifiziert werden, um einen Beratungsservice zur Steuererklärung anzubieten. Ergänzend dazu soll es eine neue Web-Applikation geben. Deren Nutzer könnten ihre Steuererklärung über Smartphones oder Tablets abgeben, die gegenüber Desktop-Computern den Vorteil haben, dass sie auch bei den regelmäßig auftretenden Stromausfällen weiter funktionieren. Außerdem soll die App über eine Offline-Funktion verfügen, wodurch auch bei unzuverlässiger Internetverbindung damit gearbeitet werden kann. Da sich nicht jeder ein solches mobiles Gerät leisten kann, sollen sie auch in den zertifizierten Stellen zur Verfügung stehen.

Schon während des Workshops waren die deutschen Unternehmer äußerst motiviert, an dem Entwicklungsprozess teilzunehmen und ihre unternehmerischen Chancen darin zu ergreifen. Ein Grund dafür liegt in der Design-Thinking-Methode, die die GIZ einsetzt und mit der auch Unternehmen wie Google oder IBM neue, innovative Produkte entwickeln. Dabei steht der Nutzer der Lösung im Mittelpunkt. Die Ideen, die entstehen, sollen möglichst realitätsnah sein. Dafür sorgten beim ersten „lab“ die sambischen Steuerexperten. Sie hinterfragten die Ergebnisse in ständigem Abgleich mit den Gegebenheiten ihrer Heimat. Anfängliche Denkfehler brachten den Prozess voran: Immer wieder wurde verworfen, überarbeitet und geschärft – bis am Ende die fünf vielversprechenden Konzepte auf dem Tisch lagen.

Im März fand bereits das zweite „lab of tomorrow“ statt. Sein Thema lautete „Food not Waste in Kenya“. Im Mai geht es dann um smarte logistische Lösungen für den Zugang zu Medikamenten in Kenia. Insgesamt sind für dieses Jahr mindestens vier Workshops geplant.


Simon Unterschütz arbeitet als Projektmanager im „lab of tomorrow“ für die GIZ.
[email protected]


Link
Lab of tomorrow:
https://www.lab-of-tomorrow.com/
 

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