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Massenmedien

Neue internationale Akteure

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Glaubwürdigkeit ist wichtig: Hörfunk-Journalistin in Benghazi, Libyen.

Glaubwürdigkeit ist wichtig: Hörfunk-Journalistin in Benghazi, Libyen.

Sender aus nichtwestlichen Staaten dehnen ihren internationalen Einfluss aus. Sie konkurrieren um Zuschauer in Afrika und anderen Weltregionen.

Lange Zeit kamen die großen internationalen Sender alle aus den westlichen Ländern – BBC aus Großbritannien, France24 und RFI aus Frankreich, Voice of America und CNN aus den USA und Deutsche Welle aus Deutschland. Aber die Situation ändert sich. Es sind neue Akteure in der internationalen Medienszene aufgetaucht, wie etwa der englischsprachige chinesische Fernsehsender CCTV News oder Al Jazeera aus Katar.

Der Einfluss der neuen Sender wächst. Geld ist dafür ein Grund, sagt Yu-Shan Wu vom South African Institute of International Affairs: „Bedingt durch die Finanzkrise sparen die Akteure aus dem Westen am internationalen Engagement.“ Ihres Erachtens werden Medienkonzerne aus Schwellenländern international immer aktiver. Wu weist darauf hin, dass die chinesische Regierung ihr Ansehen verbessern will, das unter Bergbaukonflikten in Sambia und ähnlichen Schwierigkeiten in anderen Ländern gelitten hat. Sie ist an afrikanischen Ressourcen und Märkten interessiert und hat das Geld, Medien dafür zu bezahlen, ihren Standpunkt zu vertreten.

Chinas internationales Medien-Engagement begann zwar schon in den 1950er Jahren, aber die Volksrepublik bemüht sich erst seit dem vergangenen Jahrzehnt ernsthaft, die afrikanische Öffentlichkeit zu beeinflussen. „China konzentriert sich auf die strategischen Märkte“, sagt Mark Kaigwa, ein Kommunikationsexperte aus Kenia. 2012 eröffnete CCTV News ein Studio in Nairobi für seine afrikanischen Sendungen und rekrutierte dafür einige der besten kenianischen Journalisten.

Al Jazeera hat ebenfalls sein afrikanisches Engagement erweitert. Das Netzwerk sendet auf Arabisch und Englisch. Es ist das am häufigsten gesehene Fernsehprogramm der arabischen Welt, aber sein englischer Kanal ist weit über die Grenzen des Nahen Ostens hinaus zu empfangen. Laut Mark Kaigwa plant Al Jazeera, 2014 mit einem Fulltime-Kisuaheli-Programm auf den Markt zu gehen. Es gibt auch große internationale afrikanische Sender, wie die Fernsehstation Africa24, die einer südafrikanischen Holding gehört. Ohne Zweifel geht die Ära der konkurrenzlosen westlichen Dominanz zu Ende (siehe Bericht von Mareike Forchheim, Seite 268 f.).

Khaeri Aboushagor vom Libyschen Zentrum für Demokratie und Menschenrechte berichtete auf dem Global Media Forum, das die Deutsche Welle im Juni in Bonn veranstaltete, wie Al Jazeera direkt nach der Revolution nach Libyen gekommen ist. Nur zehn Tage nachdem der Aufstand begonnen hatte, weitete Al Jazeera seine Berichterstattung im Land aus und setzte dabei unter anderem ein Team libyscher Journalisten in Katar ein. „Direkt nach der Revolution investierte Katar viel Geld in Printmedien, Radio und Fernsehstationen, vor allem im Osten des Landes“, erläutert Khaeri Aboushagor.

In Krisenländern sind internationale Medien sehr wichtig, weil nationale Medien nicht frei berichten können. Glaubwürdigkeit ist relevant, und bekannte Medienhäuser sind da im Vorteil. „Wir wissen, wie BBC und Deutsche Welle ticken“, sagt Khaeri Aboushagor, „aber wir sind nicht so ­sicher, was die Golfländer unter Presse­freiheit verstehen.“ Letztendlich braucht jedes Land seine eigenen Medien, um den öffentlichen Diskurs zu führen und ein ­Minimum an Regierungskontrolle zu gewährleisten. In Libyen gibt es viele neue Zeitungen und elektronische Medien, aber Journalisten werden oft von Milizen bedroht und eingeschüchtert.

Eine Zeitung oder eine Fernsehstation zu betreiben ist teuer, und sie ist möglicherweise restriktiver Gesetzgebung unterworfen. Online-Kommunikation ist billiger und weniger reguliert und bietet eine attraktive Alternative. Syeda Gulshan Ferdous Jana, eine Bloggerin aus Bangladesch, sagt, dass Themen wie Korruption auf Web-Plattformen ihres Landes frei diskutiert würden. Es gäbe „nicht viel offizielle Zensur“, fügt sie hinzu, aber es komme schon vor, dass Blogger persönlich aufgrund ihrer Webposts bedroht werden.

Mehrere Redner in Bonn wiesen darauf hin, dass ökonomische Macht nicht darüber entscheiden dürfe, wie die Medienlandschaft von ganzen Kontinenten aussähe. Vandana Shiva, eine Umweltaktivistin aus Indien, sagte, dass die Ökonomie „unter der Globalisierung aus dem Ruder gelaufen ist, weil sie nicht mehr auf ökologischen Grenzen und menschlicher Würde basiert“. Dies kann man auch über die Medien sagen: Sie laufen aus dem Ruder, wenn sie sich nicht mehr um Menschenrechte und Wahrheit kümmern. Sie laufen aus dem Ruder, wenn sie nicht mehr die freie Meinungsäußerung verteidigen, sondern nur noch denen Sendezeit geben, die dafür bezahlen.

Sheila Mysorekar